EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Bulgarien vor ‚politischem Spiel’ um EU-Gelder gewarnt [DE]

Veröffentlicht 19. Dezember 2008 - Aktualisiert 29. Januar 2010
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

Nach seinem gestrigen (18.Dezember 2008) Treffen mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten Sergej Stanischew in Brüssel warnte der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso, die EU-Kommission werde kein „politisches Spiel“ um EU-Gelder in dem Land hinnehmen. 

Das Treffen von Stanischew und Barroso sei kurzfristig anberaumt worden, nachdem sie sich beim EU-Gipfel in der vergangenen Woche auf einen Termin geeinigt hätten, geht aus Diplomatenkreisen hervor. 

Das Verhältnis zwischen Bulgarien und der Kommission hat sich vor kurzem verschlechtert, nachdem Brüssel dem Land vorgeworfen hatte, EU-Gelder zu missbrauchen und sich dazu entschied, 220 Millionen Euro für die Finanzierung der Vorbeitrittsphase zurückzuhalten (EurActiv vom 26. November 2008). Im Gegenzug warfen hochrangige bulgarische Vertreter der EU-Kommission vor, Doppelstandards anzuwenden. 

Barroso wiederholte, die Kommission fordere, dass Bulgarien „konkrete und überzeugende Ergebnisse“ bei der Reform des Justizwesens im Rahmen des Kampfes gegen die Korruption auf hochrangiger Ebene und das organisierte Verbrechen abliefere. Der jüngste Kommissionsbericht über Bulgarien konnte nur kleine Fortschritte ausmachen und erklärte, dass die Notwendigkeit der Kontrolle „ein langwieriger Prozess“ sei (EurActiv vom 24. Juli 2008).

Der Reformprozess in Bulgarien müsse beschleunigt und nicht verlangsamt werden. „Wir brauchen einen Konsens in Bulgarien, dass der Kampf gegen Verbrechen und Korruption im nationalen Interesse liegt.“ Dies wolle er betonen, sagte Barroso. 

Bulgarien muss bis zum 22. Dezember 2008 der Kommission Informationen über Bemühungen zur Lösung der noch bestehenden Probleme zukommen lassen. Diese Informationen fließen dann in einen Monitoring-Bericht ein, der im Februar von der EU-Kommission veröffentlicht werden soll. Da aber die Hauptforderung Brüssels wirksame Urteile gegen hochrangige Kriminelle betreffe, habe Bulgarien nur wenig zu berichten, so die Presse in Sofia.

Barroso wies darauf hin, dass Politiker in Bulgarien versuchen würden, das Thema EU-Gelder für politische Zwecke einzusetzen. Dies scheint neu zu sein. 

Kommissionssprecher Mark Gray wollte nicht sagen, ob Barroso damit auf einen Koalitionspartner in der aktuellen Regierung anspiele, namentlich die Partei der türkischen Minderheit Bewegung für Rechte und Freiheiten (DPS). Diese wird weithin verdächtigt, EU-Gelder und Projekte innerhalb der Partei zu verteilen. 

Nach dem Treffen sagte Stanischew zu Journalisten, dass er Barrosos Äußerungen nicht „persönlich“ nehme und wies darauf hin, dass die Kommission nicht auf seine BSP (Bulgarische Sozialistische Partei) anspiele. Er wolle sich allerdings nicht zu der Frage äußern, wer in Bulgarien ein politisches Spiel um EU-Gelder spiele. 

Nichtsdestotrotz sagte Stanischew, dass selbst Parteien der Regierungskoalition verdächtigt werden könnten, ein solches Spiel zu spielen. 

Keiner, weder die Parteien in der Regierung noch die der Opposition, sollte sich auch nur vorstellen, EU-Gelder zu missbrauchen, sagte er. Seit 2005 wird Bulgarien von einer Dreierkoalition regiert, bestehend aus der BSP, der DPS und der Nationalen Bewegung Simeons II. (NDSV). Die nächsten Wahlen werden Mitte 2009 abgehalten. 

Stellungnahmen: 

Die Tageszeitung ‚Dnevnik’, EurActivs Partner in Bulgarien, schrieb, das Treffen von Barroso und Stanischew habe auf Stanischews Wunsch stattgefunden und habe den bulgarischen Ministerpräsidenten mit leeren Händen zurückgelassen. Stanischew sei nicht in der Lage gewesen, Zugeständnisse bezüglich der eingefrorenen EU-Gelder zu erreichen, schreibt die Tageszeitung.

Beide Seiten würden verschiedene Sprachen sprechen, schreibt Dnevnik weiter. Barroso behaupte weiterhin, dass die Verwaltung der EU-Gelder, die Korruption und das organisierte Verbrechen ein Problem seien, während Stanischew meine, dass sich die Situation während der letzten sechs Monate „deutlich verbessert“ habe. 

Die Tageszeitung ‚Sega’ schreibt in ihrer heutigen Ausgabe, dass Barrosos Warnungen vor einem politischen Spiel um EU-Gelder in Wirklichkeit eine Antwort auf die Äußerungen Stanischews und des bulgarischen Präsidenten Georgie Parvanov seien, die beklagt hätten, dass die Kommission Doppelstandards anwende und ihre Entscheidung, die EU-Gelder zurückzuhalten, politisch motiviert gewesen sei.  

Hintergrund : 

Als Rumänien und Bulgarien am 1. Januar 2007 der EU beigetreten sind, gab es noch Mängel in den Bereichen Justizreform und Korruptionsbekämpfung – und im Falle Bulgariens zudem bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens. Diese Mängel bargen das Risiko, dass Bulgarien und Rumänien nicht in der Lage sein würden, das Gemeinschaftsrecht korrekt anzuwenden und dass die Bulgaren nicht ihre vollen Rechte als EU-Bürger in Anspruch nehmen könnten. 

Zur Unterstützung beider Länder wurde ein Kooperations- und Überprüfungsmechanismus eingerichtet. Der jüngste Jahresbericht über Bulgarien und Rumänien wurde vom Generalsekretariat unter der Zuständigkeit des Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso erstellt und mit Abstimmung des Vizepräsidenten Barrot in diesem Sommer veröffentlicht (EurActiv vom 24. Juli 2008). Der nächste Bericht wird im Februar 2008 veröffentlicht. 

More in this section

Advertising