Sobald sich die EU offiziell für den Beginn der Beitrittsverhandlungen mit Island ausspreche, wahrscheinlich im März 2010, werde Frankreich sich die möglichen Folgen für zwei Bereiche – Fischerei und die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) – ganz genau angucken, so Michel Sallé, ein französischer Experte zu Island.
„Island ist nicht dazu bereit, das Einfallen von ausländischen Fischerbooten an seinen Küsten zu akzeptieren”, sagte Sallé und fügte hinzu, dass Reykjavik auch keine EU-Fangquoten wolle. Fischerei ist im nordischen Land für 10 bis 15% des BIP und einem Viertel aller Exporte verantwortlich. Frankreich kämpft jedoch auch darum, die Interessen seiner Fischer zu wahren, die dem Experten zufolge stark unter der Wirtschaftskrise leiden.
Was die Landwirtschaft angeht, so lehnen die 3.000 isländischen Landwirte laut Sallé die GAP strikt ab, da sie von deren Einführung auf der Insel einen Rückgang der örtlichen landwirtschaftlichen Produktion um 40 bis 50% befürchten.
Jedoch sagte Roland Blum, Politiker der französischen Regierungspartei Union pour un Mouvement Populaire (UMP), dass die EU-Mitgliedschaft den isländischen Landwirten zugute kommen werde, da die EU umfangreiche Hilfen bereitstellen werde, um Nachteile durch das schwierige Klima des Landes auszugleichen. Zudem werde nach der neuen Reform der GAP ab 2013 eine größere Zahl von Produkten bevorzugt behandelt werden.
Was Deutschland angeht, hat zumindest eine große politische Partei nur wenig Begeisterung für das isländische EU-Beitrittsgesuch gezeigt – obwohl Island mit seinen 320.000 Einwohnern nicht größer als eine durchschnittliche deutsche Stadt ist.
Die konservative CSU – bayerische Schwesterpartei der derzeitigen Regierungspartei CDU von Angela Merkel – ist skeptisch bezüglich des isländischen Beitritts. Einige ihrer Spitzenpolitiker haben ihre Sorge geäußert, dass die Aufnahme eines kleinen, bankrotten Landes die EU überfordern werde. Sie argumentieren außerdem, dass es nicht Aufgabe der EU sei, Länder, die in Schwierigkeiten stecken, zu „retten“.
Die Haltung der CSU ist jedoch die Ausnahme. Während einer kürzlich von EurActiv Deutschland organisierten Tagung erklärte der isländische Botschafter in Deutschland, Ólafur Davíðsson, dass sein Land der EU beitreten möchte, um den Euro einführen zu können. Trotz der Krise werde Island ein Nettobeitragszahler in der EU sein, wenn auch ein kleiner.
Der deutsche Politiker Alexander Graf Lambsdorff, Vizevorsitzender der liberalen ALDE-Fraktion im Europäischen Parlament, sagte EurActiv Deutschland, dass er keine Hindernisse auf dem Weg eines schnellen isländischen EU-Beitritts sehe, weil das Land bereits 80% des europäischen acquis angenommen habe.
Es sei aber nichtsdestotrotz nötig, einen Kompromiss bei der Fischereipolitik zu erzielen und sich gut auf den Beitritt vorzubereiten, der „sowieso einige Jahre” dauern könnte, fügte Graf Lambsdorf hinzu.




