Serbien sei zu einem Kompromiss über die Anerkennung und Souveränität des Kosovo bereit, werde einem Vorschlag auf Grundlage des jetzigen Zustands jedoch nicht zustimmen, so der Diplomat.
Eine Lösung für das Kosovo sei keine offizielle Bedingung für den serbischen EU-Beitritt. Demnach könne die Situation im Kosovo ebenso gut vollständig geklärt werden, nachdem Serbien der EU beigetreten sei.
Eine Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs, der auf Geheiß Serbiens die Rechtmäßigkeit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo untersucht, wird laut Visković für Juni erwartet (EurActiv vom 1. Dezember 2009).
Der Botschafter erklärte, Belgrad werde nach diesem Urteil zu neuen Verhandlungen bereit sein. "Die derzeitige so genannte Lösung ist für uns nicht akzeptabel", sagte er weiter. Diese sei nur ein Versuch gewesen, eine von anderen Parteien vorbereitete Lösung zu verhängen, und verfüge nicht über die Zustimmung Serbiens.
Während Serbien durchaus zu bestimmten Opfern und Zugeständnissen bereit sei, werde es die förmliche internationale oder militärische Souveränität des Kosovo nicht akzeptieren.
Dem Diplomaten zufolge glaubt die derzeitige politische Führung Serbiens nicht daran, dass Belgrad je wieder über das Kosovo bestimmen wird. Er deutete jedoch die Notwendigkeit einer gesichtswahrenden Lösung an.
Serbien möchte von der EU fair behandelt werden
Visković erklärte zudem, Serbien bereite sich allmählich auf die Integration in die EU vor. Der Weg zum Beitritt dürfe jedoch nicht durch Skepsis unter den Mitgliedstaaten oder außenpolitischen Fragen – wie die Anerkennung des Kosovo – verlangsamt werden.
Obwohl die EU bisher kein Beitrittsdatum für die Länder des westlichen Balkans festgelegt hat, nannte der serbische Diplomat 2014 als mögliches Datum.
"Niemand in Serbien wird darüber wütend sein, wenn die EU 2014 einen serbischen Beitritt aufschiebt, weil wir nicht die notwendigen europäischen Standards erfüllt haben", sagte er. "Allerdings befürchten die Menschen, dass die EU dann sagen könnte, dass Serbien zwar fast soweit ist, jedoch aufgrund der Bedenken eines bestimmten Landes oder aufgrund dieses oder jenes äußeren Umstands keine EU-Beitrittsperspektive erhalten kann. "
Der serbische EU-Beitritt müsse sich allein nach den serbischen Leistungen richten, nicht nach Entwicklungen in Drittstaaten oder Problemen innerhalb der EU.
Visković verwies auf serbische Fortschritte bei der Erfüllung von Maßstäben und Bedingungen der EU, etwa die notwendigen Bedingungen für eine Visaliberalisierung (EurActiv vom 1. Dezember 2009).
Serbien verdiene aufgrund seiner Lage, seines Wertesystems, seiner Kultur, seines politischen Systems und seines Wirtschaftssystems, der EU beitreten zu dürfen. "Wir sind kein rückständiges Land. Wir sind davon überzeugt, dass wir alle europäischen Standards erreichen können, selbst wenn wir einige Merkmale haben, die einigen innerhalb der EU etwas merkwürdig vorkommen mögen", sagte Visković.



