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EU bedauert mangelnde türkische Fortschritte zu Zypern [DE]

Veröffentlicht 09. Dezember 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die Europäische Union wird Beitrittsgespräche mit der Türkei in einem neuen Politikbereich eröffnen, bedauert aber die mangelnden Fortschritte im Verhältnis zwischen Ankara und Zypern. Dies teilten die EU-Außenminister am 8. Dezember mit.

Die Minister beschlossen, die Gespräche sollten mit Umwelt beginnen und dass acht andere Politikbereiche, bekannt als Kapitel, geschlossen bleiben sollten aufgrund des türkischen Scheiterns, dem Abkommen von 2005 zur Öffnung seiner Häfen und Flughäfen für das EU-Mitglied Zypern nachzukommen.

„Acht Kapitel sind aufgrund der türkischer Nichteinhaltung eingefroren […] und können nicht geöffnet werden, weil die Türkei den Verpflichtungen nicht nachkommt“, sagte EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn auf einer Pressekonferenz.

Türkische Frustrationen entstanden über die Auffassung langsamer Fortschritte bei den Beitrittsverhandlungen, die von ausländischen Investoren streng auf Anzeichen von Problemen beobachtet werden.

Ankara sagte, es werde sich für den Verkehr aus dem griechisch-zypriotischen Teil Zyperns öffnen, wenn die EU die Isolation des zypriotischen Nordteils der Insel beende. Die türkischen Zyprioten erklärten 1983 ihre Unabhängigkeit, die jedoch nur von der Türkei anerkannt wird.

In einer Erklärung nach dem Treffen am Dienstag äußerten die 27 Minister „großes Bedauern“ über fehlende Verbesserungen der türkischen Beziehungen zu Zypern. Sie unternahmen jedoch keine neuen Maßnahmen, um die Verhandlungen zu beschränken jenseits der acht im Jahre 2006 eingefrorenen und fünf auf Druck Frankreichs beiseite gelegten Kapitel. 

Länder, die der EU beitreten möchten, müssen in Verhandlungen sicherstellen, dass sie ihre innerstaatlichen Rechtsvorschriften in Einklang mit den EU-Regeln bringen. Die Türkei hat seit Beginn der Verhandlungen 11 von 35 Kapiteln eröffnet.

Gemischte Nachrichten

Die EU begrüßte Fortschritte der Türkei bei einigen Reformbereichen wie in der Justiz und den Beziehungen zum Militär, forderte jedoch stärkeres Engagement in anderen Bereichen wie bei den Menschenrechten sowie der Meinungs- und Religionsfreiheit.

Sie mischt oft Lob und Kritik an der Türkei, da sie Ankara zu Reformen ermutigen möchte und die Türkei als potentiell wichtigen Partner beim Energietransit sieht, das eine Alternative zu Russland als Lieferant wird. 

Auch hofft die EU alles zu vermeiden, was die Gespräche zur Wiedervereinigung Zyperns unterbrechen könnte. Die Mittelmeerinsel ist seit der türkischen Invasion 1974, die von einem griechisch inspirierten Coup ausgelöst wurde, geteilt. 

Der zypriotische Außenminister Markos Kyprianou äußerte seine Zufriedenheit über die Entscheidung am Dienstag, sagte jedoch, dass Zypern Bedingungen für die Eröffnung von sechs weiteren Kapiteln stellen werde, um die türkische Einhaltung des Abkommens von 2005 zu sichern.

„Wir blockieren nicht die Kapitel“, sagte er gegenüber Reportern. „Aber wir werden Voraussetzungen für die Öffnung jedes Kapitels stellen.“

Die Voraussetzungen würden sich an den EU-Verpflichtungen orientieren, fügte Kyprianou hinzu, gab jedoch keine Details darüber, wie die Einhaltung gemessen würde.

(EurActiv mit Reuters.)  

Stellungnahmen: 

„Die Türkei wird sich nicht den Forderungen eines jeden EU-Staats beugen“, wurde EU-Minister und Chefunterhändler Egemen Bagis in der türkischen Presse zitiert. „Vom Beitritt der Türkei zur EU werden beide Seiten profitieren, aber Ankara wird nicht alles unternehmen, für das es von sämtlichen Mitgliedern aufgefordert wird,“ sagte Bagis. In einem Fernsehinterview mit der BBC bemerkte Bagis, dass die Türkei die 16.-größte Wirtschaft habe.

Gefragt, ob die Türkei den EU-Beitrittsprozess verlassen werde, nachdem sie stark genug sei, sagte Bagis: „Die Türkei wird nicht allen Forderungen von diesem und jenen Mitgliedsland nachgehen, nur weil wir Teil des Clubs werden wollen“.

Er fügte hinzu: „Die EU braucht die Türkei genauso stark, wie die Türkei die EU braucht; diese Beziehung basiert auf einer Win-Win-Situation. Entweder gewinnen wir alle oder leben mit dieser Situation.“

Der Chef der türkischen Zyprioten Mehmet Ali Talat sagte, er lehne eine einseitige Öffnung der türkischen Häfen und Flughäfen ab, da die griechischen Zyprioten denken würden, sie könnten alle Bedingungen ohne eine Friedensregelung für Zypern erreichen, berichtete die türkische Tageszeitung Zaman.

„Dies ist sehr gefährlich. Die Öffnung der Häfen und Flughäfen sollte entweder zu einer Lösung führen oder gleichzeitig zur Aufhebung der Isolation der türkischen Zyprioten“, sagte Talat am Montag Reportern.

Talat, der den britischen Premier Gordon Brown während eines Aufenthalts in London zu Gesprächen traf, sieht gute Chancen für ein Friedensabkommen mit den griechischen Zyprioten und warnte vor einer Katastrophe für die ethnisch geteilte Insel bei Abbruch der Beziehungen.

„Ich glaube, dass wir nun eine gute Chance haben, da [der Chef der griechischen Zyprioten Dimitris] Christofias genau wie ich eine Lösung möchte“, sagte Talat und forderte stärkere Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft für den Prozess. Der türkisch-zypriotische Regierungschef sagte, ein Zusammenbruch der jüngsten Gespräche wäre „meiner Meinung nach eine Katastrophe“ und fügte hinzu: „Zuerst würde die Insel permanent geteilt werden, und […] solche bequemen Bedingungen könnten vielleicht nicht wieder kommen“.

Hintergrund : 

Die Außenminister versammelten sich am 7. und 8. Dezember in Brüssel zu einem Treffen, das zum ersten Mal unter den beiden neuen Titeln Rat Allgemeiner Angelegenheiten und Rat Auswärtiger Angelegenheiten geführt wurde und die alte Bezeichnung Rat (Allgemeine Angelegenheiten und Außenbeziehungen) ersetzte (EurActiv vom 7. Dezember 2009).

Das Treffen, das von der schwedischen Ratspräsidentschaft geleitet wurde, war eine Vorbereitung auf den Gipfel am 10.und 11. Dezember, wenn neben Themen wie die Klimaverhandlungen in Kopenhagen auch Entscheidungen zur Erweiterung erwartet werden. 

Mazedonien erhofft einen Termin für den Beginn der Beitrittsverhandlungen zu bekommen, nachdem es wegen mangelnder Fortschritte beim ‚Namensstreit’ mit Griechenland kritisiert wurde (EurActiv 8. Dezember 2009).

Für Serbien öffnete die EU die Tür halbweit mit der Aktivierung eines Interimabkommens und der Versicherung, das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen in der ersten Hälfte des nächsten Jahres freizugeben, wenn Serbien mit dem Internationalen Gerichtshof für das ehemalige Jugoslawien zusammenarbeitet (EurActiv vom 8. Dezember 2009).

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