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EU-Kosovo-Mission verstärkt Korruptionsbekämpfung

Veröffentlicht 30. Juli 2010
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EULEX, die Rechtsstaatlichkeitsmission der EU im Kosovo, hat eine Reihe an Festnahmen hochrangiger Personen ausgeführt. Diese haben zur Anklage von Regierungsbeamten in der ehemaligen serbischen Provinz geführt, die 2008 ihre Unabhängigkeit erklärte.

Das Büro des Sonderanwalts für den Kosovo weitete eine Untersuchung über den Gouverneur der kosovarischen Zentralbank auf weitere Anklagepunkte aus – Amtsmissbrauch und Empfang von Bestechungsgeldern, wie EULEX mitteilte.

Das Problem betreffe die Erteilung von Betriebserlaubnissen in Verbindung mit Versicherungsfirmen zwischen 2006 und 2008, erklärte die EU-Mission in einer Stellungnahme.

Lokale Medien berichten, dass der Gouverneur der Zentral Bank, Hashim Rexhepi, am 23. Juli in Pristina als Teil einer Korruptionsuntersuchung verhaftet worden sei. Durchsuchungen hätten in den Büros der Zentralbank stattgefunden, in einem Privatunternehmen und auf den Privatgrundstücken von vier Verdächtigen, darunter Rexhepi.

EULEX sagte, die Untersuchungen hätten begonnen, nachdem Informationen ans Licht gekommen seien, die auf Machtmissbrauch, Korruption, Steuerhinterziehung und Geldwäsche hinwiesen.

Auch am 29. Juli berichtete EULEX, sie habe Durchsuchungen der Privatresidenz und des Büros eines IT-Administrators der kosovarischen Regierung durchgeführt. Diese Durchsuchungen seien mit einer Untersuchung im Ministerium für Verkehr und Telekommunikation verbunden.

Wie EurActiv vor kurzem berichtete, wurde ein hochrangiger Beamte der Kosovo Post und Telecom, Shyqyri Haxha, der Geld- und Bestechungsangelegenheiten in Verbindung mit einer Kommunikationslizenz angeklagt

Vergangenen Mai ist die kosovarische Koalitionsregierung beinahe gestürzt als Folge eines Korruptionsskandals, in den der Verkehrsminister, Fatmir Limaj, verwickelt war. Er wurde angeklagt, nachdem EULEX den Fall untersucht hatte (EurActiv 12.05.10). Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen.

Kriegsverbrechen auch angezielt

EULEX hat auch Recherchen durchgeführt, um Kriegsverbrechen der UÇK zu untersuchen, der Befreiungsarmee des Kosovo, einer Guerillaorganisation, die in den 1990er Jahren die Teilung Kosovos aus Jugoslawien anstrebte.

Der lokalen Presse zufolge durchsuchten EU-Polizisten das Haus von Azem Syla am Mittwoch (28. Juli), einem ehemaligen Kommandanten der UÇK, als Teil der Untersuchung des sogenannten Bllaca-Falles.

In einem im November 2009 gefilmten Geständnis erklärte Nazim Bllaca, den EULEX des Mordes, Mordanschlages, des Mordes unter erschwerenden Umständen und des organisierten Verbrechens angeklagt hatte, er sei als Komplize von Mord-, Folter- und Drohaktionen tätig gewesen, die vom kosovarischen Nachrichtendienst durchgeführt worden seien, einer Splittergruppe, die der regierenden Demokratischen Partei nahe stünde.

Bllaca gestand später ein, einige Befehle seien von Syla gekommen. Letzterer befand sich während der Durchsuchung am Mittwoch nicht zu Hause, aber er soll nächste Woche vor dem Sonderstaatsanwalt erscheinen.

Stellungnahmen: 

EurActiv fragte Analysten, ob die wachsende Zahl von Anklagen gegen hochrangige Beamten des Kosovo durch EULEX ein positives Zeichen über die gute Durchführung der Mission darstelle oder ein schlechtes Zeichen, das bedeutet, kosovarische Behörden seien sehr korrupkt.

Agron Bajrami, Redakteur bei der führenden kosovarischen ZeitungKoha Ditore“, erklärte, solche Probleme seien zu erwarten gewesen, nachdem der Kosovo in den letzten 30 Jahren kein Rechtsstaat gewesen sei, wie er sagte.

Sie würden nun versuchen, Klarheit zu schaffen, und es gebe einen offensichtlichen Grund dafür, ihre auf dem Ahtisaari-Plan basierende Unabhängigkeit  zu überwachen. Sie würden damit Hilfe benötigen. Er denke, genau dies sollte das Hauptziel der EULEX-Mission sein: helfen, so Bajrami.

Hintergrund : 

Im Februar 2008 erklärte der Kosovo einseitig seine Unabhängigkeit von Serbien, neun Jahre nach Ende des Krieges zwischen den Belgrader Sicherheitskräften und ethnisch albanischen Guerilla-Kämpfern im Jahr 1999. In den folgenden Jahren war der Kosovo ein internationales Protektorat unter UN-Mandat, das von NATO-Friedenstruppen patrouilliert wurde.  

Nachdem der Kosovo seine Unabhängigkeit erklärte, führte die Republik mit einer Bevölkerung von 2 Millionen, davon 90% ethnische Albaner, viele Merkmale der Eigenstaatlichkeit ein, so auch eine neue Verfassung.  

Bisher haben mehr als 60 Länder das Kosovo anerkannt, darunter die USA und die meisten EU-Mitglieder (außer Spanien, Zypern, Rumänien und der Slowakei). Serbien ist strikt gegen eine Unabhängigkeit des Kosovo und wird dabei von Russland unterstützt.  

Im Dezember 2008 beschloss die EU, eine Rechtsstaatlichkeitsmission – „EULEX Kosovo“ – in das Land zu entsenden. Ziel war es, die Verwaltung des Gebiets, das auf dem europäischen Kontinent liegt, nach der Krise zu übernehmen. Die Operation soll die Behörden des Kosovo bei der Rechtsstaatlichkeit mit Rat und Tat zur Seite stehen, insbesondere bezüglich Polizei, Justizwesen und Zoll.  

Die EULEX-Mission ist die größte EU-Zivilmission aller Zeiten. Die Mission mit 3.000 Personen begann im Dezember 2008 und hat die Kompetenz, sich der Fälle anzunehmen, mit denen die ortsansässige Justiz und Polizei nicht umgehen können.

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