Diese Verhaftung – die zweite in nur 40 Tagen – betont die Bereitschaft der neuen pro-europäischen Regierung Serbiens, mit Verhaltensweisen zu brechen, die von der internationalen Staatengemeinschaft als zumindest zweifelhaft betrachtet wurden. Am 12. Juni wurde der Kriegsverbrecher Stojan Zupljanin festgenommen (EurActiv vom 13. Juni 2008). Von den 46 serbischen Angeklagten des Internationalen Strafgerichtshofes für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ) sind derzeit nur noch zwei auf freiem Fuß: Ratko Mladic, der Hauptverantwortliche für das Massaker in Srebrenica, sowie Goran Jelisic, der wegen Verbrechen an der kroatischen Bevölkerung in der Stadt Vukovar angeklagt ist.
EU-Kommissar für Erweiterung Olli Rehn sagte, Karadzics Verhaftung sei ein „Meilenstein“ und sehr wichtig für Serbiens Bemühungen um den EU-Beitritt.
Dies sei ein Beweis für die Entschlossenheit der neuen Regierung, uneingeschränkt mit dem Strafgerichtshof zusammenzuarbeiten, so Rehn. Er fügte hinzu, er werde die nächsten Schritte in Bezug auf Serbien sowohl mit den europäischen Außenministern während ihres heutigen Treffens in Brüssel (22. Juli 2008), als auch mit dem serbischen Außenminister besprechen.
Die Verhaftung Karadzics fand einen Tag statt, bevor Serge Brammertz, der Chefankläger des IStGHJ, Belgrad besuchte.
Er wolle den serbischen Behörden seinen Glückwunsch für diesen Meilenstein in der Zusammenarbeit mit dem IStGHJ aussprechen, sagte Brammertz, und insbesondere dem serbischen Nationalen Sicherheitsrat, Serbiens Vermittlungsgruppe für die Verfolgung von Flüchtigen, sowie der Staatsanwaltschaft des IStGHJ.
Die Verhaftung soll die Annäherung der EU und Serbiens vorantreiben, mit dem die Gemeinschaft im Mai, kurz vor den Wahlen in Serbien, ein Vorbeitrittsabkommen, das so genannte Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) unterzeichnet hat. Die Niederlande haben die Ratifizierung des SAA jedoch an die Bedingung geknüpft, dass alle angeklagten Kriegsverbrecher verhaftet werden.
Die Serben sind geteilter Ansicht über die Festnahme von Karadzic, der von den serbischen Nationalisten als Held betrachtet wird. Eine Gruppe der Nationalisten demonstrierte in Belgrad und beschuldigte die serbische Regierung des Verrats. In Sarajewo jedoch gingen Hunderte auf die Straßen und brachten ihre Freude über die Festnahme des Mannes zum Ausdruck, den sie für Jahre des Leidens und den Tod von Verwandten und Freunden verantwortlich machen.



