EU-Diplomaten haben gesagt, die Länder der Union wollen den „militärischen Abzug“ aus BiH, obwohl sie Tausende Friedenswächter und Gesetzesvollzugs-Experten dort haben (siehe Background).
Die Kommentare fielen am Donnerstag letzter Woche (22. April), als NATO-Minister sich in Tallinn trafen, um zu beschließen, BiH einen Aktionsplan zur Mitgliedschaft (MAP) anzubieten.
Dem Jargon der Allianz zufolge ist der MAP das Vorzimmer zur Mitgliedschaft der militärischen Vereinigung mit inzwischen 28 Mitgliedern. Jedoch kann die MAP-Phase in der Praxis bis zu mehrere Jahre dauern. Bis heute hat die NATO-Mitgliedschaft immer die EU-Mitgliedschaft von osteuropäischen Ländern eingeläutet. Die letzten Länder, die beigetreten sind, waren Kroatien und Albanien, das letzte, dem der MAP-Status gewährt wurde, war Montenegro.
Jedoch hat die NATO Bedingungen für die Kandidatur von BiH gestellt. Ein Sprecher der NATO sagte, die Allianz würde BiHs ersten jährlichen Reformplan unter dem MAP-Programm nur dann annehmen, wenn Verteidigungsbesitz, wie Militärbasen, als Besitz des Staates registriert werden würde und zur Verfügung des Verteidigungsministeriums stehen würden.
Des Weiteren lobte der NATO-Sprecher das Land für seine „bedeutsamen“ Fortschritte in der Reform, für die Zerstörung von überflüssiger Munition und Waffen und seinen Beitrag zu den NATO-Truppen in Afghanistan.
Als symbolische Geste sandte das Land, in dem Tausende von westlichen Friedenswächtern stationiert sind, eine Infanterie-Einheit, die sich der Operation der Allianz in Afghanistan anschloss.
Die Tatsache, dass BiH auf dem Weg zum NATO-Beitritt ist, mag paradox erscheinen, während die NATO- und EU-Staaten eine teure Anstrengung machen müssen, in dem vom Krieg erschüttelten Land den Frieden zu wahren und das Gesetz durchzusetzen, gaben Diplomaten zu.
Einige Länder wünschen den militärischen Abzug aus der EU-Operation ALTHEA in BiH, so ein westlicher Botschafter, doch hängt jede Entscheidung vom Ausgang der Parlamentswahlen im Oktober ab.
15 Jahre nach dem Krieg in Bosnien, haben die Konflikte zwischen den serbischen, muslimischen und kroatischen Gemeinschaften sich verändert, sagen Beobachter. Während sie einst gewalttätig waren, sind diese Beziehungen heute geprägt von den Hindernissen, die man einander in den Weg stellt, um den Aufbau einer gemeinsamen Zukunft zu verhindern, und von der verpflichtenden quasi-feudalen Treue zu korrupten lokalen Anführern.
Die Wahlen könnten entweder den Punkt markieren, wo die Gemeinschaften ihre Chance nutzen, BiH zu einem „normalen europäischen Land“ zu machen, oder die negativen Tendenzen weiter verstärken, so ein Diplomat.




