EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Click here for EU news »
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

EU wird Beitrittsgespräche mit Island eröffnen

Veröffentlicht 15. Juni 2010 - Aktualisiert 26. Juli 2010
DruckversionSend by email

Bei ihrem Gipfel am 17. Juni werden EU-Staatsoberhäupter empfehlen, die Beitrittsgespräche mit Island zu eröffnen, geht aus vorläufigen Ratsbeschlüssen, die EurActiv vorliegen, hervor.

Islands Beitrittskandidatur, im letzten Juli eingereicht, erhielt eine positive Reaktion, da empfunden wird, dass das nordische Land den politischen Kriterien des Kopenhagener Europäischen Rats von 1993 gerecht wird. Der Europäische Rat entschied deswegen, dass Beitrittsverhandlungen eröffnet werden sollten, heißt es in dem Dokument.

Miguel Angel Moratinos, der spanische Außenminister, dessen Land augenblicklich die rotierende Ratspräsidentschaft innehat, bestätigte, dass seine Kollegen gestern (14. Juni) bei einem Treffen in Luxemburg prinzipiell beschlossen hätten, die Verhandlungen mit Island zu eröffnen.

EU-Chefs merkten an, dass Island für seine „Schwachpunkte [untersucht werden würde], die in der Stellungnahme der Kommission identifiziert worden waren, unter anderem im Bereich der Finanzdienstleistungen“. Im Vergleich zu anderen Wunschbeitrittsländern ist Island generell als unproblematisch gesehen. Jedoch könnte eine Reihe an Fragen noch zum Hindernis in den Beitrittsgesprächen werden.

Ein wichtiger Bereich der Uneinigkeit ist die isländische Fischereipolitik. Quellen sagten EurActiv, dass Islands Position seine Beitrittsverhandlungen stören könnte. Meeresfrüchte betragen insgesamt fast die Hälfte der isländischen Exporte und zehn Prozent des BIP.

Bilaterale Streitigkeiten mit Großbritannien und den Niederlanden stehen auch nicht außer Frage. Im März lehnten die Isländer in einem Volkentscheid die Ratifizierung eines Deals ab, der darauf abzielte, den beiden Ländern mehr als fünf Milliarden Dollar an ausstehenden Schulden zu zahlen, nachdem die isländischen Banken zusammengebrochen waren (EurActiv 08.03.10). 

Etwa 300.000 Menschen in Großbritannien und insgesamt 128.000 in den Niederlanden verloren einen nennenswerten Teil ihrer Ersparnisse nach dem Kollaps der Landsbanki im September 2008.

London bietet Versicherungen

Großbritannien „wird nicht den Beginn der isländischen Beitrittsverhandlungen blockieren, doch [wird es] von Anfang an klarstellen, dass Island verpflichtet ist, seinen finanziellen und gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen“, sagte der britische Außenminister William Hague in Luxemburg einem Zitat der DPA zufolge.

Die Niederlande hatten bereits angekündigt, dass sie den Beginn der Verhandlungen mit der EU nicht blockieren würden, trotz des laufenden Streits über die Rückzahlung der verlorenen Bankersparnisse (EurActiv 19.03.10). 

Derweil bildet die öffentliche Meinung in Island eine weitere Herausforderung. Eine Reihe an Umfragen, die zwischen August 2005 und September 2006 von verschiedenen Umfrageunternehmen durchgeführt wurden, zeigten, dass, obwohl es Unterstützung für den Beginn der Verhandlungen gab, die meisten Isländer eine vollständige Mitgliedschaft ablehnten.

Dies könnte zum unüberwindbaren Hindernis werden, wenn dem Bestreben der Unabhängigkeitspartei, die Mitgliedschaft in einem Volksentscheid zu beschließen, Folge geleistet werden sollte.

Stellungnahmen: 

In Bezug auf Island heißt es in den vorläufigen Ratsbeschlüssen:

„Der Europäische Rat heißt die Stellungnahme der Kommission zu Islands Bewerbung um Mitgliedschaft der EU willkommen, sowie die Empfehlung, dass Beitrittsverhandlungen eröffnet werden sollten. Nachdem er die Bewerbung auf der Grundlage der Stellungnahme und den Beschlüssen vom Dezember 2006 zum erneuten Konsens für Erweiterung in Betracht gezogen hat, merkt er an, dass Island die politischen Kriterien des Kopenhagener Europäischen Rats von 1993 erfüllt, und entscheidet, dass Verhandlungen eröffnet werden sollten.

„Der Europäische Rat bittet den Rat, ein allgemeines Rahmenwerk zu Verhandlungen anzunehmen. Er erinnert daran, dass Verhandlungen darauf abzielen werden, dass Island den acquis communautaire integral annimmt und dessen vollständige Umsetzung und Durchsetzung sicherstellt, wobei die existierenden Verpflichtungen, wie die, die von der EFTA-Überwachungsbehörde identifiziert werden, und andere Schwachstellen, die in der Stellungnahme der Kommission identifiziert werden, unter anderem im Bereich der Finanzdienstleistungen, behandelt werden.

„Der Europäische Rat heißt Islands Engagement willkommen, diese Fragen anzugehen, und drückt sein Vertrauen in Island aus, die Anstrengungen aktiv zu verfolgen, alle ausstehenden Fragen zu lösen. Der Europäische Rat bestätigt, dass die Verhandlungen auf Islands eigenen Verdiensten basieren werden und dass das Tempo von Islands Fortschritten bei der Erfüllung der ausstehenden Bedingungen des Verhandlungs-Rahmenwerks abhängen wird, welches die oben stehenden Bedingungen ansprechen wird.“

Hintergrund : 

Island wurde schwer getroffen von der wirtschaftlichen und finanziellen Krise. Seine Probleme kamen zu einem Knackpunkt im September 2008, als alle drei größten isländischen Banken (Glitnir, Landsbanki und Kaupthing) unter die Kontrolle der isländischen Finanzaufsichtsbehörde kamen.

Seither hat Island auf EU-Mitgliedschaft gedrängt, da es sie als realisierbare Lösung seiner Probleme sah. Das nordische Land, das bereits ein Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) ist, bewarb sich formell am 16. Juli 2009 um EU-Mitgliedschaft (siehe auch EU-Island Linksdossier). 

Unterstützung für Islands EU-Beitrittskandidatur ist weit verbreitet unter den Mitgliedsstaaten der Union, trotz der problematischen Wirtschaftslage des Landes. Am 8. März sagte der Erweiterungskommissar Štefan Füle, die mögliche Rückzahlung der 3,9 Milliarden Euro, die britische und niederländische Bankkunden im Kollaps der Icesave-Bank verloren, sei ein bilaterales Thema, welches die Beitrittschancen des Landes nicht beeinflussen solle (EurActiv 09.03.10). 

Mehr über dieses Thema

More in this section

Advertising