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Europas Spitzenpolitiker feiern Mauerfall, geloben Bewältigung neuer Herausforderungen [DE]

Veröffentlicht 10. November 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Führende Politiker, die sich am 9. November in Berlin versammelten, feierten die einfachen Leute, mit deren Hilfe die Berliner Mauer fiel, und sagten, dass die historischen Ereignisse von vor 20 Jahren zeigten, dass Nationen in der Lage seien, sich neuen Herausforderungen wie Terrorismus oder Klimawandel zu stellen.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Spitzenpolitiker aus Großbritannien, Frankreich und Russland begrüßten Zehntausende, die dem strömenden Regen am Brandenburger Tor Montagabend trotzten, um den Jahrestag des Mauerfalls zu feiern, der den Weg für die deutsche Wiedervereinigung und das Ende des Kalten Kriegs bereitete.

„Zusammen haben wir den Eisernen Vorhang zu Fall gebracht und ich bin davon überzeugt, dass dies uns Kraft für das 21. Jahrhundert geben kann“, sagte Merkel, die im kommunistischen Ostdeutschland aufwuchs und selbst in der Nacht vom 9. November 1989 die Grenze überquerte.

„Unser Glück verpflichtet uns dazu, uns den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen”, fügte sie hinzu.

Das trostlose Wetter hielt die Menschen nicht davon ab, den Platz vor dem Tor zu füllen, einst trostloses Niemandsland und nun mächtiges Symbol des wiedervereinten Deutschlands.

Unzählige weitere Menschen sahen von Balkonen zu, während einige die Seitenstraßen säumten, um einen Blick auf die Spitzenpolitiker zu erhaschen, wie diese von Ost nach West durch das Tor schritten und damit noch einmal den Weg von Berlinern zurücklegten, die vor 20 Jahren die Mauer stürmten.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte, der Fall der Mauer sei ein Aufruf, um „gegen die Mauern zu kämpfen, die heute noch in unserer Welt existieren und die immer noch Städte, Regionen und Länder teilen.”

Sein russischer Kollege Dimitri Medwedew rief zum Bau einer „neuen, besseren Welt” und zu einem gemeinsamen Kampf gegen Wirtschaftskrise, Kriminalität, Terrorismus und Armut auf.

US-Außenministerin Hillary Clinton rief ihre Kollegen dazu auf, für eine Verbreitung von Freiheit über „jetzige Grenzen“ hinaus zusammenzuarbeiten.

Wałęsa gestürzt

Nachdem die Spitzenpolitiker gesprochen hatten, stieß der ehemalige Anführer der polnischen Bewegung Solidarität, Lech Wałęsa, den ersten einer Reihe riesiger bemalter Dominosteine an, die auf einer 1,5km lange Strecke aufgebaut worden waren, wo einst die Mauer stand.

Sekunden nachdem er den ersten Dominostein umgestoßen hatte, stieß ihn ein Fernsehkameramann von hinten an. Wałęsa fiel weich auf den Dominostein, aber der Kameramann stürzte schwer auf das nasse Pflaster.

Mit Unterstützung der Sowjetunion begann die ostdeutsche Regierung in den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 damit, einen „antifaschistischen Schutzwall“ zu errichten, um die Massenflucht ihrer Bürger ins kapitalistische Westberlin zu beenden.

Zunächst ein provisorischer Zaun aus Stacheldraht, wurde die Mauer zu einer imposanten 156 Kilometer langen Betonmauer ausgebaut, die Westberlin umschloss und von Grenzern bewacht wurde, die Order hatten, auf jeden zu schießen, der einen Fluchtversuch wagte.

Laut einer diesjährigen Studie wurden zwischen 1961 und 1989 mindestens 136 Menschen beim Fluchtversuch an der Mauer getötet.

Tausenden jedoch gelang es den Minenfeldern, Hunden und Wachtürmen zu entgehen, indem sie erfinderische Mittel wie Tunnel, Fluggeräte und versteckte Kammern in Autos benutzten, um in den Westen zu gelangen.

Kein einziger Schuss fiel beim Fall der Mauer vor zwei Jahrzehnten. Die Nacht entwickelte sich zu einer riesigen Feier in der ganzen Stadt, bei der Ostdeutsche ungläubig durch die Straßen Westberlins streiften und sich Anwohner von beiden Seiten in den Armen lagen.

Am Montag erleuchtete ein Feuerwerk den grauen Himmel und schaffte damit erneut die festliche Atmosphäre, die 1989 die Stadt eingehüllt hatte.

„Ich war im Bauch meiner Mutter, als die Mauer fiel”, sagte die 19-jährige Nika Schole. „Es ist schwer sich vorzustellen, was die Leute an dem Tag vor 20 Jahren erlebt haben, aber ich bin hierher gekommen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es war.“

Helmut Kohl, der während des Mauerfalls Kanzler war, versprach den Ostdeutschen bei der Wiedervereinigung ein Jahr später „blühende Landschaften”.

Aber trotz der geschätzten 1,3 Billionen Euro Hilfen zum Wiederaufbau Ost ist die Arbeitslosenquote in den so genannten „neuen Bundesländern” immer noch zweimal höher als im Westen.

Nach einer von der Leipziger Volkszeitung in Auftrag gegebenen neuen Umfrage unter mehr als 1,000 Deutschen will einer von acht Deutschen, dass die Mauer wieder aufgebaut wird – wobei die Zahl in Ost und West fast gleich ist.

(EurActiv mit Reuters) 

Stellungnahmen: 

Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der am „Fest der Freiheit” vor dem Brandenburger Tor in Berlin teilnahm, sagte:

„Der Fall der Berliner Mauer symbolisiert nicht nur den Zusammenbruch des Totalitarismus in Mittel- und Osteuropa, sondern ist auch ein beeindruckendes Symbol der Wiedervereinigung Deutschlands und des gesamten Europas. Der 9. November 1989 war ein Augenblick, in dem alles möglich schien, der von Glück, einem Streben nach Freiheit und der Idee einer friedlichen Revolution gekennzeichnet war. Ein wahrhaft historischer Tag, der mich in vielerlei Hinsicht an die portugiesische Revolution von 1974 erinnerte, die ich als 18-jähriger Student miterlebte.“

„1989 war ein Jahr, das Europa grundlegend verändert hat, und der Fall der Berliner Mauer war eine der eindrucksvollsten symbolischen Bilder unserer Zeit”, sagte Margot Wallström, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, zuständig für institutionelle Beziehungen und Kommunikationsstrategie.

Der Präsident des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek, einst Mitglied von Solidarność, der ersten freien Gewerkschaft in einem Land des Warschauer Pakts, sagte in einer Rede, dass Menschen und Nationen 1989 einen sehr wichtigen Prozess eingeleitet hätten: den Aufbau einer neuen europäischen Identität.

„Aber wir müssen weiter gehen”, fuhr Buzek fort. „Für uns Europäer bleibt der Osten unseres Kontinents weiterhin äußerst wichtig. Wenn Europa mit einer Stimme mit seinen östlichen Nachbarn sprechen will, muss es lernen, den Osten durch die Augen seiner historischen Nachbarn zu betrachten“, sagte er.

„Heute, am 9. November, 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, denke ich vor allem an die Opfer der kommunistischen Diktaturen, wofür diese Mauer das traurige Symbol war”, erklärte der Abgeordnete Joseph Daul, Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament.

Joseph Daul begrüßte die historische Rolle, die Papst Johannes Paul der Zweite, aber auch Lech Wałęsa, Mikhail Gorbatschow und Bundeskanzler Helmut Kohl während der Befreiung spielten. „Zusammen mit vielen anderen, deren Handlungen nicht immer anerkannt wurden, haben diese Persönlichkeiten gezeigt, dass wir etwas verändern können, wenn wir es nur stark genug wollen. Mit ihrem Mut und ihrer Bereitschaft haben sie das Unmögliche möglich gemacht. Und sie haben den Weg dafür bereitet, dass 500 Millionen Europäer heute in einem freien Europa ohne Grenzen leben können“, sagte Daul.

Die Öffnung der Mauer am 9.11.1989 habe große Chancen für eine friedliche europäische Entwicklung und die Beendigung des kalten Kriegs eröffnet, so Lothar Bisky, Fraktionsvorsitzender der Vereinten Europäischen Linken/Nordischen Grünen Linken (GUE/NGL). „Viele dieser Chancen wurden genutzt (Reisefreiheit, Pressefreiheit, Demokratie, Osterweiterung der EU u.v.a.m), manche nicht. So entstanden militärische Konflikte auf dem Balkan und in der Kaukasusregion“, konstatierte Bisky.

Der linksgerichtete Politiker fügte hinzu, dass die Öffnung der Mauer auch für die Link die Chance gebracht habe, sich konsequent mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und die richtigen Lehren aus den Deformationen des Staatssozialismus zu ziehen. „Die Idee des demokratischen Sozialismus, 1968 in Prag mit Gewalt unterdrückt, wurde wieder aufgegriffen und weiterentwickelt. Es gibt keinen Sozialismus ohne Demokratie und Freiheit“, sagte Bisky.

Hintergrund : 

Im Mittelpunkt des „Fests der Freiheit” zum zwanzigsten Jahrestag des Falls der Berliner Mauer stand ein künstlerisches Projekt, das den Dominoeffekt der Ereignisse von 1989 nachstellte.

Von der Stadt Berlin unter Beteiligung von Kommissionsdiensten organisiert, wurden 1000 riesige Dominosteine auf einer 1,2km langen Strecke vom Checkpoint Charlie bis zum Reichstag, wo ehemals die Berliner Mauer stand, wie einst die Mauer zu Fall gebracht.

Die symbolischen Dominosteine wurden auf der ganzen Welt bemalt, vor allem von Schulkindern, aber auch von einigen öffentlichen Personen einschließlich Kommissionspräsident Barroso und Präsident des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek, der am Umstoßen der Dominosteine in Berlin beteiligt war.

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