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Eine aktuelle Studie von einer NGO, die sich mit Einwanderungsfragen befasst, hat die Debatte über die wirtschaftlichen Effekte der Arbeitsmigration aus Osteuropa mit dem Argument entfacht, der Gewinn sei für Großbritannien nur marginal. Die Labour-Regierung und Industrieverbände widersprechen den Ergebnissen der Studie.
Die Bedenken der Öffentlichkeit bezüglich der Einwanderungswelle von Arbeitnehmern aus Mittel- und Osteuropa, die der EU-Erweiterung des Jahres 2004 folgte, haben die britische Regierung dazu veranlasst, künftig einen strikteren Ansatz zu verfolgen.
Großbritannien ist demnach gegenüber rumänischen und bulgarischen Arbeitnehmern von seiner „Politik der offenen Tür“ abgewichen und hat gegenüber beiden Ländern, die am 1. Januar 2007 der EU beigetreten sind, Arbeitsmarktbeschränkungen eingeführt.
Die am 3. Januar 2007 veröffentlichte Studie von Migrationwatch UK kommt zu dem Ergebnis, dass die Arbeitsmigration aus Osteuropa sowie weiteren Ländern nur wenig zu dem britischen Wirtschaftswachstum beigetragen habe. Umgerechnet entspräche das Wachstum 4 Pence pro Woche für jeden britischen Bürger, womit man nicht sich nicht einmal einen Marsriegel im Monat kaufen könnte, so die Studie. Zudem würden die mit der Einwanderung für Großbritannien entstandenen Kosten größer sein, als die tatsächlich erlangten Vorteile. Außerdem seien die zugewanderten Arbeitnehmer dafür verantwortlich, dass die Niedriglöhne sich in einer Abwärtsspirale befänden, was für viele britische Arbeitslose nicht hinnehmbar sei.
Die Labour-Regierung betont ihrerseits, dass die britische Wirtschaft in starkem Maße von der Einwanderungswelle profitiert habe und auch ein positiver Einfluss auf die Beschäftigung zu verzeichnen sei. Die Confederation of British Industry (CBI) sagte, dass ausländische Arbeitnehmer wertvolle Fähigkeiten nach Großbritannien gebracht und Stellen besetzt hätten, die von Briten nicht ausgefüllt werden konnten, weil entsprechende Kompetenzen fehlten oder britische Arbeitnehmer kein Interesse daran zeigten.
Eine Studie des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie kommt derweilen zu dem Schluss, dass in Deutschland der Fachkräftemangel wächst, da immer mehr hochqualifizierte Deutsche das Land verließen und gleichzeitig weniger Einwanderer nach Deutschland kämen. Im Gegensatz zu Großbritannien hält Deutschland seinen Arbeitsmarkt weiter für Arbeitnehmer aus Mittel- und Osteuropa geschlossen.
Deutschland, das seit dem 1. Januar 2007 die EU-Ratspräsidentschaft innehat, will als Beitrag zur Wiederbelebung der Lissabon-Strategie einen europäischen Ansatz fördern, durch den qualifizierte Arbeitnehmer nach Europa gelockt werden sollen.
Migrationwatch UK äußert in seiner Studie, dass Einwanderung nicht ausschlaggebend für das britische Wirtschaftswachstum sei. Die Löhne sollten steigen dürfen, damit Niedriglohnjobs attraktiver würden und die Produktivität gesteigert würde. Produktivitätszuwachs sei der einzige Weg zu mehr Reichtum für ein Land.
Ein Sprecher der Labour-Regierung veranschlagte, dass Einwanderung für ungefähr 10-15% des Wachstums verantwortlich sei. Unabhängige Forschungsergebnisse hätten gezeigt, dass Einwanderer einen Zuwachs bedeuteten. Es gäbe auch keine Erkenntnisse, dass Einwanderung zu höherer Arbeitslosigkeit führe.
Der Sprecher der Konservativen Tories, David Davis, betonte, Einwanderung könnte ein echter Vorteil für ein Land sein, jedoch nur dann, wenn sie angemessen kontrolliert werde.
Susan Anders von der Confederation of British Industries (CBI) betonte, dass die Steuerzahlungen von Einwanderern britischen öffentlichen Dienstleistungen und Renten zugute kämen – oftmals lange, nachdem die Einwanderer in ihr Herkunftsland zurückgekehrt seien. Einwanderung trage ebenfalls dazu bei, die Inflation niedrig zu halten - in einer Zeit, in der viele Tendenzen gegenläufig seien.