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Grünes Licht der Kommission für isländischen EU-Beitritt

Veröffentlicht 25. Februar 2010 - Aktualisiert 26. Februar 2010
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Iceland
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Island nahm gestern (24. Februar) eine wichtige Hürde für einen EU-Beitritt, als die Europäische Kommission offiziell die Eröffnung von Beitrittsgesprächen mit dem Inselstaat empfahl.

Wie erwartet teilte der tschechische EU-Erweiterungskommissar Štefan Füle mit, die Kommission habe Island grünes Licht erteilt, da das Land die Kopenhagener Kriterien für einen EU-Beitritt erfülle. Den Kriterien zufolge müssen beitrittswillige Länder eine institutionelle Stabilität als Garantie für eine demokratische und rechtsstaatliche Ordnung verwirklicht haben, über eine funktionsfähige Marktwirtschaft verfügen sowie in der Lage sein, die aus einer Mitgliedschaft erwachsenden Verpflichtungen zu übernehmen.

Die Mitteilung der Kommission berücksichtigt politische, wirtschaftliche und rechtliche Kriterien. In dieser Hinsicht wurde Islands Leistung als befriedigend eingestuft, daher die positive Empfehlung.

Doch Füles betonte ausdrücklich, dass es auf dem Weg zur Erweiterung keine Abkürzungen gebe. Bei künftigen Entscheidungen werde er nur die tatsächlichen Fortschritte Islands berücksichtigen.

Steuerung von Erwartungen

Nun liegt vieles in den Händen der Mitgliedstaaten. So wurde der Kommissar über mögliche Rückschläge befragt, die sich aus dem Problem der Icesave-Entschädigungen ergeben könnten (siehe "Hintergrund").

Füle vermittelte die Botschaft, dass bilaterale Probleme keinen Einfluss auf Einschätzungen haben sollten, ob sich ein Land an die EU-Regeln halte.

Es gebe keine direkte Verbindung zwischen den bilateralen Gesprächen einerseits und der Kommissionsmitteilung andererseits.

Jedoch könnten Großbritannien und die Niederlande wenig geneigt sein, sich an das europäische Regelwerk zu halten, wie die intensiven Gespräche nicht nur über den isländischen EU-Beitritt, sondern auch über den IWF-Streit gezeigt haben.

Selbst wenn die isländische Beteiligung am Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) eine gute Ausgangsbasis für das Land darstellt, die Regeln des acquis communautaire zum Binnenmarkt umzusetzen, so wies die Mitteilung der Kommission nichtsdestotrotz auf Bereiche hin, in denen weitere Fortschritte nötig sind.

So stufte sie die Unabhängigkeit der Justiz als einen derartigen Problembereich ein. Die Vorherrschaft des Ministers für Justiz und Menschenrechte bei Ernennungen im Justizwesen werfe in Anbetracht der beratenden Funktion des Evaluationsausschusses und des Obersten Gerichts Fragen über die tatsächliche Unabhängigkeit von Richtern auf.

Ein weiterer Problembereich betrifft mögliche Interessenskonflikte. Der Bericht weist darauf hin, dass die Finanzkrise Fragen über mögliche Interessenskonflikte im öffentlichen Leben des Landes aufgeworfen habe, die unter anderem die engen Verbindungen zwischen Politik und Wirtschaft in einem bevölkerungsarmen, geografisch isolierten Land beträfen.

Die Beitrittsgespräche könnten ebenfalls in den Bereichen Fischerei, ländliche Entwicklung, freier Kapitalverkehr und Finanzdienstleistungen auf Probleme stoßen.

Die bedeutendste Hürde auf dem Weg zu einem isländischen EU-Beitritt könnte jedoch im Euroskeptizismus liegen, der sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Parteienlandschaft eine bedeutende Rolle spielt. Hier kann Brüssel nur sehr wenig ausrichten.

Mehrere Umfragen, die zwischen August 2005 und September 2009 von verschiedenen Umfrageinstituten durchgeführt wurden, zeigen zwar Unterstützung für einen Beginn der Beitrittsverhandlungen. Die Mehrheit der Isländer lehnt eine volle EU-Mitgliedschaft jedoch durchweg ab.

Dies spiegelt sich auf politischer Ebene im Widerwillen der Links-Grünen Bewegung und der Unabhängigkeitspartei wider, sich dem Europagedanken zu verpflichten.

Stellungnahmen: 

"Ich schätze das von der Europäischen Kommission in diesem ausgewogenen, konstruktiven und insgesamt sehr positiven Bericht ausgedrückte Vertrauen in Island. Er bestätigt, dass Island die Kopenhagener Kriterien erfüllt und aufgrund der bereits bestehenden tiefen Integration mit der Europäischen Union gut auf die Beitrittsgespräche vorbereitet ist", sagte der isländische Außenminister Össur Skarphédinsson.

Der Präsident des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek begrüßte die Mitteilung der Kommission, die eine Eröffnung der Beitrittsverhandlungen mit Island empfahl. Islands Beitrittsgesuch zeige, dass die europäischen Ideale selbst in entlegene Ecken Europas ausstrahlten und Hoffnung, Perspektive und Solidarität anregten. Er sei der festen Überzeugung, dass Island zur Familie der Europäischen Union gehöre. Über einige wichtige Fragen müsse zwar verhandelt werden, aber er hoffe, dass der Beitrittsprozess glatt verlaufen werde. Er habe sich gefreut, den Präsidenten des ältesten Parlaments der Welt im letzten November zu treffen und man habe sich damals darauf geeinigt, in naher Zukunft einen gemeinsamen parlamentarischen Ausschuss von isländischen und EU-Abgeordneten einzurichten. Er sei der festen Überzeugung, dass Island – eine der ältesten parlamentarischen Demokratien der Welt – einen Platz in der Familie der Europäischen Union habe.

Die Europaabgeordnete Diana Wallis, die als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments für die arktische und nordische Region verantwortlich ist, drückte als Reaktion auf die Mitteilung der Europäischen Kommission zum isländischen Beitrittsgesuch ihre Sorge darüber aus, dass einige Isländer einen EU-Beitritt und eine Einführung des Euro als schnelle Lösung der wirtschaftlichen Probleme des Landes sehen könnten. Bis zu einem gewissen Grad sei dies der Fall, doch Island müsse aufgrund einer ganzen Reihe von Gründen beitreten. Sie hoffe daher, dass die heutige Veröffentlichung der Mitteilung einen Prozess einleite, der auf beiden Seiten zu einem besseren Verständnis und vielleicht auch zu mehr Ehrlichkeit führen werde.

"Natürlich müssen wir die Icesave-Frage berücksichtigen, aber wir können nicht zulassen, dass eine einzige bilaterale Frage (mit Großbritannien und den Niederlanden) die europäische Zukunft Islands gefährdet", sagte Wallis weiter. Der Beitrittsprozess solle in einem respektvollen Tempo erfolgen, damit sich beiden Seiten – und vor allem das isländische Volk, das harte Zeiten durchlebt habe – mit der endgültigen Entscheidung wohl fühlten.

"Ich bin der festen Überzeugung, dass beide Seiten darüber ehrlich sein müssen, was eine isländische Mitgliedschaft bedeutet. Das heißt, dass die EU ebenfalls sagen muss, warum sie Island als Mitglied begrüßen würde. Alle neuen Mitgliedstaaten tragen etwas Einmaliges zur EU bei. Island hat im Bereich der Fischerei viel zu bieten und könnte einen einzigartigen Beitrag in Bezug auf erneuerbare Energieressourcen und der strategischen Position des Landes als Land der Arktis leisten. Island sollte daher selbstbewusst zeigen, was es der EU anbieten kann, und die EU wiederum muss eine positive Haltung gegenüber Island vertreten", schloss Wallis.

Fuele: No shortcuts to accession
Hintergrund : 

Letzten Sommer unterstützte das isländische Parlament den Plan der Regierung zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union – eine nahezu undenkbare Aussicht vor der globalen Finanzkrise, die im vergangenen Jahr die isländische Wirtschaft zerstörte (EurActiv vom 17. Juli 2009).

Das krisengebeutelte nordische Land übergab seinen offiziellen EU-Mitgliedsantrag am 17. Juli 2009 auf Botschafterebene und wird voraussichtlich Ende nächsten Jahres zum Abschluss der Beitrittsverhandlungen bereit sein (EurActiv vom 20. Juli 2009).

Als Reaktion auf politischen Druck aus Großbritannien und den Niederlanden vereinbarte Reykjavik Entschädigungen für beide Länder, die Personen mit Beteiligungen an den so genannten Icesave-Konten bei der Landesbanki entschädigt hatten. Die Landesbanki, eine der drei isländischen Hauptbanken, war 2008 unter der Last massiver Schulden zusammengebrochen.

Am 18. Oktober 2009 teilte Island mit, dass es einer neuen Vereinbarung zugestimmt habe, mit der Großbritannien und die Niederlande Milliarden von Dollar für verlorene Einlagen zurückerstattet bekämen (EurActiv vom 19. Oktober 2009).

Die Entschädigung wurde als wichtiger politischer Faktor für das isländische EU-Beitrittsgesuch gesehen. So hatte der niederländische Außenminister Maxime Verhagen gesagt, sein Land werde Islands EU-Beitritt blockieren, wenn das Land die niederländischen Opfer vom Zusammenbruch der Landesbanki nicht erstatte.

Am 5. Januar 2010 weigerte sich der isländische Präsident Olafur Grimsson jedoch, das Entschädigungsgesetz zu unterzeichnen. Stattdessen verlangte er eine Volksabstimmung, die bis zum 6. März gehalten werden muss.

Am 8. Januar erklärte die isländische Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir, sie habe vollstes Vertrauen, dass die isländischen Wähler bei der Volksabstimmung dafür stimmen würden, Großbritannien und den Niederlanden die mehr als 5 Milliarden Euro zu erstatten (EurActiv vom 11. Januar 2010).

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