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Isländische Ministerpräsidentin zuversichtlich über Icesave-Referendum [DE]

Veröffentlicht 11. Januar 2010 - Aktualisiert 26. Juli 2010
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Iceland
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Die isländische Ministerpräsidentin sagte am 8. Januar, sie sei bereit, den Bürgern bei der Ratifizierung einer Einigung zu vertrauen, mit der Großbritannien und die Niederlande mehr als 5 Milliarden Euro erstattet bekommen sollen, die sie aufgrund des Bankenzusammenbruchs des Landes verloren haben.

Eine Einigung mit den beiden Staaten der Europäischen Union ist für eine Fortsetzung der Hilfen für Island lebenswichtig, das sich nach der Finanzkrise 2008 noch im Griff einer verheerenden Rezession befindet.

Doch der isländische Präsident Olafur Grimsson weigerte sich unerwartet, ein geändertes Gesetz über Rückzahlungen zu unterzeichnen. Er berief sich dabei auf eine Welle der Entrüstung über die Bestimmung. Nach der isländischen Verfassung führt dieser Schritt zu einem nationalen Referendum über die Angelegenheit.

Gesetzgeber kehrten am Freitag – fast drei Wochen eher als geplant – zur Arbeit zurück, um Datum und Wortlaut zu klären.

„Ich habe volles Vertrauen in die isländischen Wähler und bin mir sicher, dass sie die richtige Entscheidung treffen werden“, sagte Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir vor dem Parlament. 

Die Entscheidung des Präsidenten führte zu politischen Unruhen und zwang isländische Regierungsvertreter, bei nordeuropäischen Gläubigern um weitere Unterstützung zu bitten. Die Nachbarländer sind Teil eines multinationalen Hilfsprogramms des Internationalen Währungsfonds. 

Finnland, Norwegen und Dänemark wiederholten am Freitag, dass Island als Bedingung für ihre Darlehen seine internationalen Pflichten erfüllen müsse. Islands Finanzminister Steingrimur Sigfusson versprach nach einem Treffen mit seinem dänischen Amtskollegen in Kopenhagen, Reykjavik werde allen seinen Verpflichtungen nachkommen.

Die Regierung hatte das Referendum für den 20. Februar vorgesehen, aber nun wird die Abstimmung voraussichtlich spätestens am 6. März stattfinden.

Eine Umfrage Anfang letzter Woche zeigte eine Mehrheit gegen das Gesetz, während eine zweite, von Gallup durchgeführte Umfrage, eine Mehrheit für das Gesetz sah. Britische und niederländische Anleger der hoch verzinsten Icesave-Konten verloren ihr Geld, als die isländischen Banken 2008 nach Jahren aggressiver Expansion durch Schulden zusammenbrachen. Die beiden Staaten kompensierten die Anleger vollständig und fordern nun das Geld zurück.

Wenn die Wähler das Gesetz ablehnen, wird auf eine frühere Version zurückgegriffen werden, die im August abgesegnet wurde. Großbritannien und die Niederlande lehnten jenen Entwurf jedoch ab, da Rückzahlungen nach 2024 nicht garantiert wurden.

‚Ist das gerecht?’

Viele Isländer sind gegen eine unbefristete staatliche Bürgschaft und glauben, dass ihnen zu Unrecht lähmende Schulden aufgebürdet werden, um für die Fehler ihrer Banken zu bezahlen. Andere sehen das Gesetz als einzige Möglichkeit zur Wiederherstellung wirtschaftlicher Normalität, für den Zugang zu den internationalen Märken und für einen EU-Beitritt.

„Ich bin in der Sache hin und her gerissen“, sagte Gunnar Hansson, ein 38-jähriger Schauspieler mit Frau und zwei Kindern. Sein Kapital in seiner Zwei-Zimmerwohnung wurde von der Finanzkrise des Landes vernichtet und seine Kreditzahlungen steigen.

„Trotz all dem Gerede während des letzten Jahres weiß ich nicht, ob ich alle Informationen habe, die ich brauche, um mir eine Meinung zu bilden. Ist dies eine gerechte Abmachung? Könnten wir etwas Besseres bekommen? Auf wie viel genau wird sich die endgültige Rechung belaufen? Sollen wir das alles überhaupt bezahlen?“

Ministerpräsidentin Sigurdardottir versprach „die Wähler genau zu informieren und damit das Thema Icesave zum Abschluss zu bringen.“

Scheitert die Unterstützung der Maßnahme – die einige auf der Insel als ‚Iceslave bill’ titulierten –, könnte dies das wirtschaftliche Elend verlängern und weit reichende Auswirkungen haben.

Großbritannien hat bereits gedroht, dass Island mit finanzieller Isolation rechnen müsse, wenn die Wähler das Gesetz nicht genehmigen.

(EurActiv mit Reuters.) 

Stellungnahmen: 

Island teilte am 9. Januar mit, es habe Versicherungen der EU-Präsidentschaft erhalten, dass die Sackgasse bezüglich der isländischen Schulden bei Großbritannien und den Niederlanden die Bewerbung Reykjaviks um den EU-Beitritt nicht gefährden werde. 

Die isländische Regierung erklärte, dass der isländische Außenminister Ossur Skarphedinsson und sein spanischer Amtskollege Miguel Angel Moratinos die Lange besprochen hätten. Die Erklärung gab nicht an, ob die Diskussion telefonisch oder persönlich stattgefunden hatte.

„Im Gespräch erklärte Herr Moratinos, dass die spanische EU-Präsidentschaft das Thema Icesave und die isländische EU-Bewerbung als zwei verschiedene Dinge betrachtet und dass die neue Lage in Island seitens der EU keine Auswirkungen auf die Beurteilung des Antrags hat“, heißt es in der Erklärung.

Paul Rawkins, leitender Direktor bei Fitch, sagte, dass die Bewertung bei einer umgehenden Lösung der Icesave-Frage stabiler aussehen könnte; derzeit werde die Agentur jedoch abwarten.

„Wir haben Island stark heruntergestuft, also denke ich, wir werden nun abwarten, was passiert“, sagte Rawkins gegenüber dem Fernsehsender Reuters Insider. Neben Schulden bei Großbritannien und den Niederlanden hat Island 2,6 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden. Ein Großteil davon wird im Jahr 2011 fällig.

Bjarni Benediktssson, Chef der oppositionellen Partei der Unabhängigen, sagte, er ziehe Neuverhandlungen vor, sei aber nicht gegen eine Volksabstimmung. „Mich interessiert nicht, ob wir das Abkommen in einem Referendum ablehnen oder ob wir nun neu verhandeln. Ich suche nach Lösungen“, sagte er.

Benediktsson sagte Reuters, er glaube, dass die Briten und Niederländer nun verstünden, dass sie versucht hätten ein Abkommen durchzudrücken, das vom isländischen Volk nicht akzeptieren werden könne.

Hintergrund : 

Von der Wirtschaftskrise erfasst, hat Island eine Stabilisierung seiner Wirtschaft durch einen EU-Beitritt als realistische Lösung für seine Probleme ausgemacht. Das nordische Land, das als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) bereits gute Beziehungen zur EU hat, bewarb sich am 27. Juli 2009 offiziell um die EU-Mitgliedschaft.

Island wurde von der Wirtschafts- und Finanzkrise schwer getroffen. Die Krise erreichte ihren Höhepunkt, als im September 2008 alle drei führenden isländischen Banken – Glitnir, Landsbanki and Kaupthing – unter die Aufsicht der isländischen Finanzaufsichtsbehörden genommen wurden.

Eine EU-Mitgliedschaft wird als Weg zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit unter Gläubigern und zur Stabilisierung der Währung durch eine Euro-Einführung gesehen. In der Tat sind ökonomische Erwägungen Kern der isländischen Bemühungen um eine EU-Mitgliedschaft.

Island hat eine Bevölkerung von 320.000 Einwohnern. Sollte es der EU beitreten, wäre es das bevölkerungsärmste Land und würde voraussichtlich das gleiche Stimmgewicht und dieselbe Anzahl von MdEPs wie Malta (400.000 Einwohner) erhalten. Eine zusätzliche Sprache würde zu den bestehenden 23 hinzukommen.

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