Als die Berliner Mauer am 9. November 1989 fiel, waren die Spannungen zwischen Frankreich und Deutschland groß, erklärte Jouyet, der jetzt Präsident der französischen Finanzmarktbehörde ist.
Tatsächlich hatte der französische Präsident François Mitterrand damals seit dem 1. Juli 1989 den rotierenden EU-Vorsitz inne und war von der Vorstellung eines wiedervereinten Deutschlands besorgt. So bestand er auf den Begriff „Vereinigung“.
Einige Wochen danach verteidigte er als Ratspräsident seine Ansicht vor dem Europäischen Parlament. Anschließend entwickelten Mitterrand und Kohl Schritt für Schritt ein enges politisches Verhältnis, das auf die Gedenkfeierlichkeiten zum Ersten Weltkrieg 1984 zurückging, bei dem die beiden Politiker bekanntermaßen beim Händehalten abgebildet wurden.
Jacques Delors, der seit 1985 Präsident der Europäischen Kommission war, schlug Helmut Kohl vor, die wirtschaftlichen Lasten der deutschen Wiedervereinigung zu teilen, aber der deutsche Kanzler lehnte ab, indem er argumentierte, dass dies von den anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) negativ gesehen werden würde.
Daher wurden nur regionalpolitische Maßnahmen, die vom EU-Haushalt finanziert wurden, auf die ehemals ostdeutschen Bundesländer ausgedehnt.
Der Vertrag von Maastricht, über den zu der Zeit in Brüssel verhandelt wurde, „konsolidierte die Beziehung“ zwischen den beiden Ländern, so Jouyet. In der Tat wird die vom Vertrag 1992 geschaffene Wirtschafts- und Währungsunion, die zur gemeinsamen Währung führte, oft als Tauschgeschäft zwischen Mitterrand und Kohl dargestellt. Gemäß dieser Einigung stimmte der französische Präsident der deutschen Wiedervereinigung zu, während der deutsche Kanzler seine starke Währung, die D-Mark, aufgab.
„Die Wiedervereinigung und der Fall der Mauer führten auch zur Erweiterung der Europäischen Union”, sagte Jouyet. „Der Mauerfall ist der Kern für die EU-27 gewesen“, betonte er. Nach Ansicht des ehemaligen EU-Ministers „ist das französisch-deutsche Verhältnis der Schlüssel, um [mitteleuropäische] Länder zu einem Teil einer stabilisierten Union zu machen“, da „Frankreich und Deutschland die Staaten sind, die hauptsächlich zur EU beitragen.“
„Die Erweiterung wird weitergehen und das ist eine gute Sache”, sagte Jouyet und gab zu, dass „die meisten Franzosen mir bei diesem Thema nicht zustimmen.”
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