Sechs der zehn Richter sprachen sich für das Verbot der Partei aus, wobei die erforderliche Zweidrittelmehrheit um nur eine Stimme verfehlt wurde.
Dennoch befanden zehn von elf Richtern die AKP für schuldig, ein Zentrum für antisäkulare Aktivitäten zu sein, eine ernste Anschuldigung in einem Land, in dem es mehrere Militärcoups gegen Regierungen gegeben hatte, die angeblich versuchten, den Islam als Staatsreligion durchzusetzen.
Die Entscheidung, die die Partei die Hälfte der öffentlichen Finanzhilfen kosten wird, solle eine „ernste Warnung“ für die AKP sein, die traditionelle Trennung von Staat und Religion in der Türkei nicht in Frage zu stellen, sagte Hasim Kilic, der Gerichtsvorsitzende, in seiner Urteilsbegründung.
Er forderte auch die anderen politischen Parteien auf, die nötigen Rechtsvorkehrungen zu treffen, um weitere Verbotsverfahren zu vermeiden.
Erleichterung in EU
Der Rechtsfall wurde von der EU aufmerksam verfolgt, die ihn als nicht vereinbar mit den demokratischen Standards, die von einem potentiellen Mitgliedstaat erwartet werden, bezeichnet.
Der EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn hatte bereits im März gesagt, dass politische Angelegenheiten in einer normalen europäischen Demokratie nicht in einem Gerichtssaal, sondern im Parlament diskutiert und an der Wahlurne entschieden würden.
Das endgültige Urteil wurde von EU-Beamten und Beobachtern gleichermaßen mit großer Erleichterung aufgenommen, da es den Streit zwischen islamischen und säkularen Kräften im Land entschärfen und die politische Stabilität wiederherstellen könnte.
Nur drei Tage vor der Urteilsverkündung waren in Istanbul zwei Bomben explodiert und hatten mindestens 16 Menschen getötet und mehr als 150 verletzt (EurActiv vom 28. Juli 2008). Die Regierung beschuldigte umgehend die Terrorgruppe PKK, obwohl sich bisher noch keine Gruppierung zu dem Attentat bekannt hat.
Zur selben Zeit laufen in der Türkei Anklagen gegen ehemalige säkulare Eliten, die so genannte Ergenekon-Gruppe, die beschuldigt werden, eine terroristische Vereinigung gegründet zu haben, um die Regierung zu stürzen (EurActiv vom 15. Juli 2008). Ministerpräsident Erdogan versuchte, dieses Ereignis mit dem Verbotsverfahren in Verbindung zu bringen und sagte, nicht der Staat, sondern die AKP werde bedroht.



