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Kommission kritisiert rassistische Roma-Aussage eines bulgarischen Ministers

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Veröffentlicht 28. September 2010

Die Europäische Kommission hat gestern (27. September) eine Aussage des bulgarischen Innenministers, Tswetan Tswetanow, als „unakzeptabel“ beschrieben. Er hatte gesagt, die Roma-Gemeinschaft sei ein „Brutkasten des Verbrechens“. Dnevnik, EurActivs Partner in Bulgarien, berichtet.

Die Pressesprecherin der Europäischen Kommission Pia Ahrenkilde Hansen antwortete mit einem kurzen aber kräftigen „Nein“ auf die Frage, ob die Aussage des bulgarischen Ministers Tswetanow akzeptabel sei.

Der Minister sagte in einem Interview mit der Tageszeitung „24 chasa“, dass man eine „sehr gründliche Analyse“ der Roma-Problematik benötige, da „diese Umgebung ein Brutkasten des Verbrechens“ sei

Tswetanow gab das Interview nach einem Besuch in Brüssel am gestrigen Tag, während dessen er unter anderem den Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration, László Andor, getroffen habe. Sie hätten angeblich über Zusammenarbeit in der Integration der Roma diskutiert.

Im Hintergrund des Besuchs stand die Kontroverse um die Ausweisungen rumänischer und bulgarischer Roma durch die französischen Behörden. In dieser Kontroverse stellte sich Bulgarien auf die Seite Frankreichs und sagte, Paris sei berechtigt, diese Ausweisungen durchzuführen.

Auf eine Frage des Brüsseler Korrespondenten der bulgarischen Tageszeitung „Trud“, die Tatsache zu kommentieren, dass er eine ethnische Gemeinschaft gebrandmarkt habe, indem er sie „einen Brutkasten des Verbrechens“ genannt habe, antwortete Tswetanow, er habe diese Aussage in einem internen Kontext gemacht.

„Sie leben in Brüssel“, sagte er dem Journalisten. Er solle in Dörfer gehen, die neben den großen bulgarischen Städten liegen, und Tswetanow deutete an, dass Journalisten sehr rasch kritisierten aber das wahre Ausmaß des Problems nicht verstünden.

Er erklärte weiter, dass Analysen des Verbrechens gezeigt hätten, dass Roma hinter den meisten Fällen der Kleinkriminalität stünden, auf die in seinen Worten die Gesellschaft am empfindlichsten reagiere.

Er sage nur, was Tatsache sei, und man müsse das Kind beim rechten Namen nennen, erklärte Tswetanow.

Der bulgarische Minister wiederholte Aussagen des Premierministers, Bojko Borissow, beim letzten EU-Gipfel, dass Gelder zur Roma-Integration an den Staat und nicht an NRO gehen sollten.

In den letzten 20 Jahren hätten NRO viel Geld bekommen, doch nichts gemacht, sagte Tswetanow.

Der Minister betonte auch, dass sein Land Schengen, dem grenzlosen Raum der EU, im März 2011 beitreten solle.

Auf EurActivs Frage, ob der Schengen-Beitritt Rumäniens und Bulgariens auf Grund des Widerstands von EU-Mitgliedern, die unterstreichen, beide Länder stehen noch unter EU-Überwachung für Mängel in ihrer Rechtsdurchsetzung (siehe „Background“ und „Rumänien und Bulgarien drängen auf Schengenbeitritt“), blockiert werden könnte, versäumte es die Europäische Kommission, klar zu antworten.

Der Pressesprecher Michele Cercone sagte, dass auf der einen Seite der Schengen-Beitritt von der Erfüllung einer Reihe an spezifischen technischen Parametern abhänge. Aber auf der anderen Seite fügte er hinzu, die Entscheidung, neue Länder aufzunehmen, sei politisch, da sie von allen Mitgliedsstaaten einstimmig getroffen werde.

Stellungnahmen: 

Krassimir Kanev, Präsident des bulgarischen Helsinki-Komitees, einer unabhängigen Nichtregierungsorganisation für den Schutz der Menschenrechte, bezeichnete Tswetan Tswetanows Aussage in seinem Interview für „24 chasa“ als „rassistisch“.

Eine gesamte Roma-Gruppe zu brandmarken, indem man sage, sie sei ein „Brutkasten des Verbrechens“ sei einfach eine rassistische Aussage, die auf keinen Fall mit der Funktion ihres Autors, eines Innenministers, also eines Minister aller bulgarischen Bürger, vereinbar sei, sagte Kanev.

Es sei extrem unakzeptabel, so etwas zu sagen. Es sei dasselbe wie zu sagen, die Polizei sei ein „Brutkasten des Verbrechens“. Es gebe Roma, die Verbrechen begehen würden, es gebe auch Polizisten, die Verbrecher begehen würden, so Kanev.

Hintergrund : 

Viele Roma aus Osteuropa zogen nach der EU-Erweiterung in den Westen, was insbesondere in Italien Spannungen verursachte (EurActiv 30.06.09).

Geschätzte 15.000 Roma aus Rumänien und Bulgarien leben in Frankreich. Die französische Regierung schiebt zur Zeit große Mengen von ihnen in Gruppen ab (EurActiv 19.08.10).

Frankreich betont, dass seine Maßnahmen nicht diskriminierend seien und darauf abzielten, die Sicherheit seiner Bürger und die öffentliche Ordnung zu schützen.

Als Rumänien und Bulgarien am 1. Januar 2007 der EU beigetreten sind, gab es noch Mängel in den Bereichen Justizreform und Korruptionsbekämpfung – und im Falle Bulgariens zudem bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens. Diese Mängel bargen das Risiko, dass Bulgarien und Rumänien nicht in der Lage sein würden, das Gemeinschaftsrecht korrekt anzuwenden und dass die Bulgaren nicht ihre vollen Rechte als EU-Bürger in Anspruch nehmen könnten. 

Ein System der Zusammenarbeit und Kontrolle wurde eingerichtet, um Rumänien und Bulgarien zu helfen. Außerdem behielt sich die Europäische Kommission das Recht vor, bestimmte Sicherheitsklauseln zu nutzen. Wenn sie in Anwendung treten, könnten sie dazu führen, dass Gerichtsentscheidungen abgelehnt würden oder gar die Auszahlung von EU-Geldern eingefroren würde. Sollten sie angewendet werden, würde diese nie da gewesene Entscheidung darüber hinaus den Ruf beider Länder schwer beschädigen.

Aber seit dem 1. Januar 2010, drei Jahre nach dem EU-Beitritt der Länder, hat die Kommission das Recht verloren, die Klausel zu nutzen (EurActiv 24.03.10).

Am 13. September haben die EU-Außenminister beschlossen, die Überwachung Rumäniens und Bulgariens für ein weiteres Jahr auszuweiten.

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