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Kosovo: Serbien gibt harten Kurs auf

Veröffentlicht 10. September 2010
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Serbien, das auf eine europäische Zukunft hofft, hat gestern (9. September) eine von EU-Diplomaten abgestimmte Kompromissresolution über den Kosovo bei der UN unterstützt. Dabei hat Serbien seine früheren Forderungen, Gespräche über den Status seiner ehemaligen Provinz wieder zu eröffnen, gestrichen. BETA, EurActivs Partner in Serbien, trug zu diesem Artikel bei.

Nachdem es seinen Entwurf mit der EU „abgestimmt“ hatte, stimmte Serbien einem von der EU unterstützten Dialog mit dem Kosovo zu. Dieser soll der unverbindlichen Resolution der Generalversammlung auf die Förderung der Zusammenarbeit abzielen. Die Resolution wurde in der Versammlung, die 192 Nationen beträgt, durch Zuruf angenommen.

Die Generalversammlung der UN begrüßt die Bereitschaft der EU, dem Prozess des „Dialogs zwischen den Seiten“ zu helfen, und erkannte an, dass ein solcher Dialog an sich schon einen Faktor des Friedens, der Sicherheit und der Stabilität in der Region darstellen würde.

Der Dialog würde darauf abzielen, die Zusammenarbeit zu verbessern, den Fortschritt auf dem Weg zur Europäischen Union zu sichern und den Alltag der Menschen zu verbessern, so die Resolution, die das im Juli getroffene Urteil des Internationalen Gerichtshofes (ICJ) „anerkennt“, der zufolge die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo keine Verletzung des internationalen Gesetzes darstelle (siehe „Background“).

Der überarbeitete Text streicht auch die Verurteilung der kosovarischen Unabhängigkeitserklärung.

Präsident gibt grünes Licht

Die diplomatische Pattsituation schien gelöst zu sein, als der serbische Präsident, Boris Tadić, am 8. September erklärte, dass die gemeinsame EU-serbische Resolution den Dialog erleichtern würde, der die Lösung der Kosovo-Problematik ersuche und dessen Ergebnisse vom Sicherheitsrat der UN bestätigt werden würden.

Tadić zufolge ist die gemeinsame Resolution das Resultat vereinter Anstrengungen und stellt den Konsens der Stellungnahmen verschiedener Länder dar - derer, die die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt haben, derer, die es nicht getan haben und Serbiens, das seine legitimen nationalen Interesse auf eine friedliche und diplomatische Art verteidige.

Der gemeinsame Nenner, den man erreicht habe, sei auf einen Kompromiss zurückzuführen, was bedeutete, dass man nach dem Urteil des Internationalen Gerichtshofes eine Formel gefunden habe, die den Dialog über zukünftige Lösungen eröffne, die UN-Charta zitiere und keinesfalls eine Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo beinhalte, steht in Tadićs schriftlicher Stellungnahme.

Der Präsident sagte weiter, dass der abgestimmte Text durch ein „ehrliches Verlangen“, in Partnerschaft mit der EU und allen anderen wichtigen internationalen Akteuren alle Probleme zu lösen, erreicht worden sei. Sie seien überzeugt, es handele sich um den einzigen Weg, wahrlich eine Lösung zu finden.

Tadić sagte, dass der Prozess, der die Resolution mit der EU abstimmen sollte, bei einer Parlamentssitzung am 26. Juli angefangen habe, als er Gespräche mit der EU und anderen Hauptakteuren in der internationalen Gemeinschaft versprach.

Hindernis in der letzten Minute

Als Zeichen, dass die Feindseligkeit zwischen Belgrad und Pristina noch lange nicht vorbei ist, wurde die Versammlungssitzung um beinahe drei Stunden verzögert, nachdem Serbien gegen die Anwesenheit von kosovarischen Verwaltungsbeamten in der Hinterseite des Saales Einspruch erhoben hatte, wie Reuters berichtete. Der Kosovo ist kein Mitglied der UN.

Der Anfechtung konnte erst ein Ende gesetzt werden, als die Beamten als Gäste von fünf westlichen Ländern eingetragen wurden, erklärten Diplomaten.

Der serbische Außenminister, Vuk Jeremic, sagte, die Resolution sei über den Status des Kosovo neutral, als er sie einführte. Er betonte noch einmal, dass Serbien die Unabhängigkeit des Kosovo weder anerkenne, noch anerkennen sollte.

Serbische Beamte unterstrichen, dass die Resolution die Unabhängigkeit des Kosovo keineswegs anerkenne.

Stellungnahmen: 

Die Hohe Vertreterin der EU für Außenpolitik, Catherine Ashton, hieß Serbiens Zustimmung herzlich willkommen, die Änderungen der EU bezüglich der Resolution anzunehmen.

Man habe mit Serbien zusammengearbeitet und das Ergebnis sei eine Widerspiegelung des gemeinsamen Engagements zur europäischen Perspektive Serbiens, so Ashton.

Das wichtigste werde es sein, dass der Dialog zwischen Belgrad und Pristina beginnen könne. Dieser werde selbst ein Faktor für den Frieden, die Sicherheit und die Stabilität in der Region sein.

Die amerikanische Botschafterin bei der UN,Rosemary Di Carlo, beantwortete die Sorge einiger Länder, dass das Urteil des Internationalen Gerichtshofs Separatistenbewegungen weltweit ermutigen könnte, und sagte laut Reuters, der Kosovo sei ein Sonderfall, nicht ein Präzedenzfall für andere Konflikte.

Der britische Botschafter bei der UN, Mark Lyall Grant, sagte Journalisten, die Resolution markiere eine neue Phase für Serbien und den Kosovo, einen Aufbruch aus der Vergangenheit.

Der Sprecher derSozialisten und Demokraten (S&D) für außenpolitisache Angelegenheiten im Europäischen Parlament, derEuropaabgeordnete Adrian Severin (Rümänien), hieß die Tatsache willkommen, dass die Zustimmung den Vorschlägen seiner Fraktion folge. Sie hatte darauf bestanden, dass eine politische Lösung zum Status des Kosovo nicht ohne eine Einigung der beiden Parteien in Betracht kommen noch ohne Verhandlungen zwischen ihnen, die die EU auf den Weg brachte.

Severin zahlte der Arbeit der Hohen Vertreterin der EU für Außenpolitik, Catherine Ashton, ihren Tribut bei der Sicherung der Einigung. Dies sei eine bedeutsame Leistung.

Man sei optimistisch, dass diese Entwicklung bald schon zu Gesprächen zur Stärkung und Vertiefung der Beziehungen zwischen der EU und Serbien führen könne. Die langfristige Aussicht seien Verhandlungen zum EU-Beitritt für sowohl Serbien als auch den Kosovo, so Severin.

In einem Kommentar zum Kompromiss sagte die grüne österreichische Europaabgeordnete Ulrike Lunacek, der Kompromiss, den die EU und Serbien bei der UN erreicht hätten, sei ein bedeutsamer Durchbruch für den Kosovo, Serbien und die ganze Region. Indem Serbien zustimmte, seine umstrittene Resolution zu streichen, habe es sich ganz klar dem Weg des Kompromisses und des Dialogs über den Status des Kosovo verschrieben. Präsident Tadićsollte dazu beglückwünscht werden. Dies stelle auch einen wichtigen Schritt für die serbischen Beziehungen mit der EU dar und für seinen weiteren Weg der Integration.

Das Urteil des Internationalen Gerichtshofs zur Unabhängigkeitserklärung des Kosovo müsse eine zentrale Rolle bei den Überlegungen spielen, wie es für den Kosovo vorangehen solle. Es sei deswegen so willkommen, dass sich Serbien entschlossen habe, seinen Resolutionsentwurf zu streichen, in dem das Urteil als „inakzeptabel“ bezeichnet wurde. Das Land solle nun einen konstruktiven Dialog mit den Behörden in Pristina beginnen, um die Beziehung zwischen Serbien und dem Kosovo voranzutreiben, so Lunacek.

Der Präsident des Europäischen Parlaments,Jerzy Buzek, der sich gestern (9. September) mit Ramë Manaj, dem stellvertretenden Premierminister des Kosovo, traf, sagte nach dem Treffen, das Europäische Parlament habe den Kosovo und seine europäische Zukunft schon immer unterstützt. Das Parlament habe in seiner letzten Entschließung (8. Juli) die letzten übrigen Mitgliedsstaaten gedrängt, dessen Unabhängigkeit anzuerkennen. Doch könne man sowohl die Politiker des Kosovo als auch die Serbiens auffordern, die Fragen, über die sie uneins seien, durch friedlichen und konstruktiven Dialog zu klären.

Die Zeit sei gekommen, sich am Verhandlungstisch zusammenzusetzen und einander zuzuhören, um eine Einigung zu erreichen, die stabil ist und endgültig, im Interesse der kosovarischen und serbischen Bürger.

Er heiße die Einigung willkommen, die von der Hohen Vertreterin der EU, Catherine Ashton, und dem serbischen Präsidenten, Boris Tadić, erreicht worden sei, was die Resolution betreffe, über die heute in der UN-Generalversammlung abgestimmt werden solle. Diese zeige, dass gute Diplomatie und Wohlwollen zu Ergebnissen führen könnten.

Die kosovarische Regierung begrüßte die Einigung, die jegliche weitere Verhandlungen über den Status des abtrünnigen Territoriums „abwerfe“, wie die AFP berichtete.

Die kosovarische Regierung freue sich, dass der von Serbien vorbereitete Resolutionsentwurf aus den Diskussionen widerrufen worden sei, und begrüße Serbiens Entscheidung, einen neuen Resolutionsentwurf, der die EU und die US vorbereitet hätten, anzunehmen.

Serbiens Regierungbeschrieb den Kompromiss als „in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union“ erreicht, aber machte keinerlei Angaben zur Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo.

Tadić: 'Honest desire for partnership with EU'
Hintergrund : 

Kosovo spaltete sich 2008 von Serbien ab, neun Jahre nach Ende des Krieges von 1998-1999 zwischen Belgrader Sicherheitskräften und ethnisch albanischen Guerilla-Kämpfern. In den folgenden Jahren war Kosovo ein internationales Protektorat, das von NATO-Friedenstruppen patrouilliert wurde.

Nachdem der Kosovo am 17. Februar 2008 seine Unabhängigkeit erklärte, führte die Republik mit einer Bevölkerung von 2 Millionen, von denen 90 Prozent ethnische Albaner sind, viele Merkmale der Eigenstaatlichkeit ein, so auch eine neue Verfassung, Armee, Nationalhymne, Flagge, neue Pässe, Personalausweise und einen neuen Nachrichtendienst.

Die meisten EU-Mitglieder außer Spanien, Griechenland, Rumänien, Zypern und der Slowakei haben den Kosovo anerkannt. Von den Mitgliedern der UN haben bislang 69 den Staat anerkannt.

Im Oktober 2009 stimmten die Vereinten Nationen Serbiens Bitte zu, den in den Niederlanden ansässigen Internationalen Gerichtshof (ICJ) zu fragen, ob die Abspaltung des Kosovo legal sei. Am 22. Juli 2010 gab der ICJ sein Urteil ab, welches in vielerlei Hinsicht zweideutig war, doch sagte es, der Kosovo habe kein internationales Recht gebrochen, als er sich von Serbien abspaltete (EurActiv 23.07.10).

Da es mit dem Urteil des Internationalen Gerichtshofes unzufrieden ist (EurActiv 23.07.10), hat Serbien die Frage vor die UN gebracht. Dabei hofft es, dass ihre Mitglieder einen verständnisvolleren Ansatz zur Frage der territorialen Integrität haben werden.

Der ursprüngliche Resolutionsentwurf Serbiens forderte erneute Gespräche über alle offenen Fragen, aber verurteilte auch die unilaterale Unabhängigkeitserklärung seitens des Kosovo.

Aber die EU hat Belgrad gewarnt, dass, sollte Serbien auf der Resolution beharren, dies die Beziehungen zu Brüssel und eventuell auch sein Bestreben, der EU beizutreten, beeinträchtigen könnte. Große EU-Länder haben Serbien gewarnt, es solle in Brüssel, und nicht in New York, nach einer Lösung seines Problems suchen (EurActiv 31.08.10).

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