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Kriegsdokumente stehen kroatischem EU-Beitritt im Weg [DE]

Veröffentlicht 26. November 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Croatia
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Ein führender Europaabgeordneter, der Berichterstatter des Europäischen Parlaments für Kroatien, hat gewarnt, das Land müsse den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) davon überzeugen, dass es bezüglich der Kriege auf dem Balkan keine Informationen zurückhalte.

Der österreichische Sozialdemokrat Hannes Swoboda, Vizevorsitzender der S & D-Fraktion im EU-Parlament, sagte, Kroatien müsse alles unternehmen, um die vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gesuchten und als ‚Artillerie-Akten’ bekannten Dokumente (siehe Hintergrund) aufzuspüren. Anderenfalls müsse es beweisen, dass jene Dokumente niemals existierten oder vernichtet wurden, berichtete die kroatische Agentur HINA.

Allerdings sagte Swoboda auch, dass die EU-Mitgliedschaft des Landes nicht von einem einzigen Element der Zusammenarbeit wie die Artillerie-Akten abhängen sollte, da ansonsten Kroatiens Zusammenarbeit mit dem ICTY seinen Worten nach „sehr gut“ sei.

„Der einzige Konflikt besteht noch über diese Dokumente [zum Artilleriebeschuss von Knin], welche das Gericht für den Prozess gegen den ehemaligen kroatischen General Ante Gotovina benötigt. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, ob die Dokumente noch vorhanden sind oder zerstört wurden. In letzterem Falle wäre es sehr schwierig, die Dokumente zu liefern“, sagte der österreichische Abgeordnete.

Die Aussichten, dass Kroatien in der Lage sein werde, die Dokumente zu liefern oder ihre Vernichtung zu beweisen, bevor am 3. Dezember der ICTY-Chefankläger Serge Brammertz vor dem UN-Sicherheitsrat über die Kooperation Kroatiens berichten wird, seien völlig unrealistische Erwartungen, sagte Swoboda.

Hilfe ausländischer Dienste nötig?

„Wenn sie bis heute nicht geliefert wurden, glaube ich nicht, dass sie in den nächsten Tagen geliefert werden. Dies würde auch beweisen, dass sie geheim gehalten werden und tatsächlich existieren. In meinem Bericht habe ich einen Vorschlag erwähnt: nämlich, dass Personen außerhalb Kroatiens wie Sicherheits- und Polizeiexperten Kroatien helfen sollten, die Dokumente zu finden. Dies könnte ein deutlicher Beweis sein, ob Kroatien kooperiert oder nicht“, sagte Swoboda.

Großbritannien, die Niederlande, Finnland, Belgien und Dänemark blockieren bei den EU-Beitrittsverhandlungen Kroatiens die Öffnung von Verhandlungskapiteln über Justiz und Grundrechte aufgrund Brammertz’ Bedenken bei den Artillerie-Berichten, die das ICTY für den Prozess von Gotovina und zwei weiteren kroatischen Generälen im Ruhestand angefordert hat, schreibt HINA.

Hintergrund : 

Kroatien steht kurz davor, das erste Neumitglied der EU seit dem Beitritt von Rumänien und Bulgarien 2007 zu werden. Es wird erwartet, dass die Beitrittsverhandlungen mit der ehemaligen jugoslawischen Republik 2010 abgeschlossen werden und das Land 2012 der EU beitreten kann (EurActiv vom 6. November 2009).

Allerdings gibt es im kroatischen Beitrittsprozess noch erhebliche Herausforderungen hinsichtlich des Zugangs des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) zu wichtigen Dokumenten über die Anwendung von Artillerie durch kroatische Truppen während der Balkan-Kriege in den 1990er Jahren.

Diese werden für den Prozess von General Ante Gotovina benötigt, der vom ICTY für Kriegsverbrechen während der Vertreibung von Krajina-Serben aus Kroatien 1995 in der „Operation Sturm” angeklagt wurde. Diese ethnische Säuberung führte zu unschuldigen Opfern sowie zur Flucht von etwa 200.000 Serben aus der ehemaligen jugoslawischen Republik am Ende des Krieges, der von 1991 bis 1995 andauerte.

Gotovina verbrachte mehrere Jahre im Untergrund, bevor er 2005 auf Teneriffa gefasst wurde. Viele Kroaten sehen ihn immer noch als Nationalhelden an.

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