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Kriminelle Immigranten stören Beziehungen zwischen Italien und Rumänien [DE]

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Veröffentlicht 24. Februar 2009, aktualisiert 29. Januar 2010

Die rumänischen Behörden haben Rom dazu aufgerufen, die Rechte von tausenden ehrlichen rumänischen Immigranten zu schützen. Zuvor hatte die italienische Regierung auf eine Welle von Vergewaltigungen, für die hauptsächlich rumänische Einwanderer beschuldigt wurden, mit drastischen Mitteln reagiert und umstrittene Bürgerwehrpatrouillen zugelassen, sowie Strafen für Sexualdelikte drastisch angehoben.

Daten der italienischen Regierung zufolge, ist die Zahl der Sexualdelikte im letzten Jahr sogar zurückgegangen. Vor zehn Tagen riefen allerdings drei Fälle von Vergewaltigungen in Rom, Mailand und Bologna großen Medienrummel hervor, in dessen Folge der Ruf nach schärferen Maßnahmen laut wurde.

Das am Freitag (20.Februar 2009) vom italienischen Kabinett verabschiedete Gesetz, sieht verbindlich eine lebenslängliche Gefängnisstrafe für Tötungen vor, denen eine Vergewaltigung vorausgegangen ist, ermöglicht Schnellverfahren für auf frischer Tat ertappte Sexualtäter, entfernt die Möglichkeit Hausarrest zu verhängen und ermöglicht kostenlose Rechtsberatung für die Opfer.

Außerdem führt es lebenslängliche Freiheitsstrafen für die Vergewaltigung von Minderjährigen ein. Das Gesetz wird sofort wirksam, muss allerdings innerhalb von 60 Tagen von beiden Parlamentshäusern bestätigt werden.

Eine der kontroversesten Maßnahmen des Gesetzes ist der Einsatz von Streifen der Bürgerwehr, die von unbewaffneten und unbezahlten Freiwilligen durchgeführt werden.

Dies sei schon lange notwendig gewesen. Er müsse jeden Tag um fünf Uhr morgens aufstehen um seine Tochter zum Bahnhof zu bringen, weil die Straßen nicht sicher seien, sagte ein Bewohner von Guidona, einer östlich von Rom gelegenen Stadt mit einer großen Einwandererbevölkerung, dem italienischen Fernsehen.

Bürgermeister werden die Möglichkeit haben, Teilnehmer der Bürgerwehr zu ernennen, wobei für leitende Positionen bevorzugt pensionierte Polizisten und Reservesoldaten eingesetzt werden sollen.

Dieser Schritt wurde getan, nachdem Gruppen von selbsternannten und unkontrollierbaren Wachmännern angefangen hatte in einigen Städten zu patrouillieren, sehr zur Sorge der Behörden.

Der Vatikan kritisiert Berlusconi

Die Mitte-Links Opposition kritisierte das neue Gesetz als Propaganda, während der Vatikan, dessen Ansichten über moralische Fragen in Italien große Bedeutung haben, verlauten ließ, die Regierung würde den „Regeln der Gesetzesherrschaft entsagen“ indem sie Bürgerwehren einsetze.

Dies ist nicht der Weg, den man gehen soll, sagte Kurienerzbischof Agostino Marchetto, Leiter des päpstlichen Rates für Migranten.

Das Gesetz erhöht außerdem die Zeit, in der Behörden Immigranten festhalten können von zwei auf sechs Monate. So sollen die Behörden genug Zeit haben, die Immigranten zu identifizieren, Asylanträge zu bearbeiten und Entscheidungen zu treffen, ob die Anträge gewährt werden.

Der Premierminister Silvio Berlusconi hatte vor kurzem noch gesagt, dass die Zahl der sexuellen Übergriffe 2008, im Vergleich zu 2006 und 2007 um zehn Prozent gefallen seien, was zeigen würde, dass die Anstrengungen der Regierung die Sicherheit zu verbessern, nun funktionierten.

Viele Italiener sind davon jedoch nicht überzeugt, da Vergewaltigungen aktuell die Schlagzeilen der Zeitungen und des Fernsehens bestimmen. Die Medien spielen die Rolle von Ausländern als Täter oft hoch.

Einige Gesetzgeber haben auch die Debatte über die chemische Kastration von Sexualstraftätern wieder aufgeworfen.

Es gäbe zweimal am Tag eine Vergewaltigung und es sei Zeit dies zu beenden, sagte ein weiterer Bewohner von Guidonia, wo eine Gruppe von Rumänen im letzten Monat eine Frau vergewaltigt und ihren Freund zusammengeschlagen hatten, dem italienischen Fernsehen.

Rumänischer Minister besucht Rom

Auf eine Einladung seines italienische Amtskollegen Franco Frattini hin, besuchte der rumänische Außenminister Cristian Diaconescu gestern (23. Februar 2009) Italien, berichtete die rumänische Presse. Diaconescu erklärte, dass er plane, die italienischen Behörden in der Bekämpfung von Delikten zu unterstützen und gleichzeitig die Rechte und die Würde aller Rumänen, die in Italien lebten, schützen wolle.

Der rumänische Minister betonte, dass die aktuellen Vorfälle, bei denen Rumänen in Italien auffällig wurden, vereinzelte Vorkommnisse gewesen seien. Er erklärte, dass sie vom Gesetz bestraft werden sollten, aber dass andere Rumänen in Italien deshalb nicht zu Opfern werden sollen.

(EurActiv mit Informationen von Reuters)

Stellungnahmen: 

Die rumänischen Europaabgeordneten Daciana Sarbu  and Corina Cretu (Mitglieder der Sozialdemokraten (PSD), Mitglied der Regierungskoalition) protestierten in einem offenen Brief an den italienischen Premierminister Silvio Berlusconi und an den italienischen Innenminister Roberto Maroni gegen die neue Welle von diskriminierenden Anschuldigungen, die italienische Politiker gegen rumänische Immigranten in Italien ausgesprochen hatten, berichten die rumänischen Medien.

In diesem Brief betonen die Europaabgeordneten, dass ihre Landsleute wieder einmal nur negative Aufmerksamkeit erhalten, obwohl der Beitrag von ehrlichen rumänischen Einwanderern zur italienischen Wirtschaft insgesamt bei über 1% des italienischen Bruttoinlandsproduktes liegt.

Trotz dieser Tatsachen seien nur rumänische Diebe und Vergewaltiger im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit, schreiben die Abgeordneten und fügen hinzu, es werde so viel über diese Kriminellen gesprochen, dass Rumänien Gefahr laufe, europaweit als Synonym für „Verbrecher“ bekannt zu werden.

Was ihnen große Sorge bereite sei die Beharrlichkeit, mit der italienische Politiker Rumänien als Quelle des Verbrechens und als Land, das hauptsächlich aus Kriminellen und Straftätern bestehe, darstellten.

Die beiden kommen zu dem Schluss, dass man Verbrechen bestrafen sollte und nicht das Herkunftsland der Verbrecher. Die einzige Waffe, die man gegen Verbrecher einsetzen sollte, seien die Gesetze. Diebe, Vergewaltiger und andere Straftäter seien nicht in erster Linie Rumänen, sondern Übeltäter die für ihre Taten bestraft werden sollten. Bestraft werden solle die Person selbst, nicht ein ganzes befreundetes Land.

Die rumänische Identitätspartei (PIR), die in Italien gemeldet ist, organisierte am Samstag (22. Februar 2009) eine Pressekonferenz, bei der sie die italienischen Medien dazu aufrief, die übertriebenen Medienberichte über Delikte von Rumänen zu stoppen. 

Laut der Daten von der römischen Polizei, habe die Zahl der Vergewaltigungen in Rom seit 2009 um zehn Prozent abgenommen, wenn man jedoch die Presse der letzten Tage lese, bekomme man den Eindruck, dass sie eigentlich hundertfach zugenommen habe, sagte der PIR Vorsitzende und Rechtsanwalt, Giancarlo Germani. Er forderte die Einführung einer Art Strafe für italienische Journalisten, die das Problem in einer fremdenfeindlichen Weise darstellen.

Der nationale Sekretär der PIR, Mihai Muntean, unterstrich die Tatsache, dass die Betonung der rumänischen Nationalität der Straftäter, eine Rückwirkung auf italienische Extremisten habe, die sich daraufhin gegen unschuldige Rumänen wendeten und bezog sich dabei auf die vor kurzem geschehenen Angriffe auf drei rumänische Geschäfte. 

Nächste Schritte: 

1. März: Die Frage der Feindseligkeit gegen Rumänen in Italien soll bei Gelegenheit gemeinsam auf dem nächsten informellen EU-Gipfel besprochen werden. 

Hintergrund : 

Ressentiments gegenüber Roma nahmen infolge der Errichtung von illegalen Lagern in den vergangenen Jahren zu. Einige Siedlungen im Umkreis von Neapel wurden gar von Einheimischen in Brand gesetzt.

Es leben schätzungsweise 160 000 Roma in Italien, von denen 70 000 italienische Staatsangehörige sind. Die übrigen sind laut der NGO Opera Nomadi Immigranten aus Osteuropa, hauptsächlich aus Rumänien (etwa 60 000).

Silvio Berlusconi gründete seine Wahlkampagne stark auf der Feindseligkeit gegenüber Roma. Nur zwölf Tage nachdem seine Regierung gebildet wurde, warnte die Europäische Kommission die italienische Regierung, keine „extremen Maßnahmen“ gegen die Roma zu ergreifen. Die rumänischen Behörden haben ebenfalls ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht, dass Ressentiments gegenüber Roma gesetzestreue, in Italien lebende Rumänen treffen würden (EurActiv vom 21. Mai 2008).

Berlusconi hat kürzlich von einem umstrittenen Gesetzesentwurf Abstand genommen, der illegale Einwanderung zu einer strafbaren Handlung gemacht hätte. Dieser Entscheidung war scharfe Kritik seitens der Vereinten Nationen, des Vatikans und des Europäischen Parlaments vorausgegangen (EurActiv vom 4. Juni 2008).

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