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Krise in der Türkei: Testfall für EU-Mitgliedschaft? [DE][en][fr

Erschienen: Montag 30. April 2007   

Die EU hat das türkische Militär gewarnt, sich aus den politischen Angelegenheiten der Türkei herauszuhalten, nachdem dieses angekündigt hatte, das säkulare System des Landes notfalls mit Gewalt zu verteidigen.  Nach der gescheiterten ersten Runde der Präsidentschaftswahlen befindet sich die Türkei in einer ernsthaften politischen Krise.

Hintergrund:

In der ersten Runde der türkischen Präsidentschaftswahlen am 27. April 2007 hat der Kandidat der Regierungspartei, Außenminister Abdullah Gül, nur knapp die notwendige zwei-drittel Mehrheit im Parlament verfehlt (ihm fehlten nur 10 Stimmen).

Gül wird jedoch voraussichtlich den dritten Wahlgang am 9. Mai 2007 gewinnen, in dem eine einfache Mehrheit der Stimmen für den Sieg ausreicht.

Die Aussicht, dass eine gemäßigte islamistische Partei die Kontrolle über sowohl die Regierung als auch das Präsidentenamt übernehmen könnte, hat die laizistischen Kräfte in der Türkei, sowohl das Militär als auch die größte Oppositionspartei, die Republikanische Volkspartei (CHP), in Alarmbereitschaft versetzt. Diese beschuldigten die regierende Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP), die säkularen Grundlagen des Landes zu untergraben.

Die türkische Armee hat in der Vergangenheit drei militärische Putsche durchgeführt und 1997 dazu beigetragen, ohne Gewalt die gewählte Regierung zu verdrängen.

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Weitere Nachrichten:

Erweiterungskommissar Olli Rehn forderte angesichts der politischen Krise in der Türkei, dass auch das Militär die Regeln der Demokratie und seine eigene Rolle in diesem System respektieren müsse.

Das Militär hat angekündigt, es sei bereit, das türkische säkulare System zu verteidigen, nachdem fast eine Millionen Menschen auf die Straße gegangen waren, um gegen Abdullah Gül als Kandidaten zu demonstrieren.

Rehn fügte hinzu, dass es sich hierbei um einen Testfall handele, in dem sich zeigen werde, ob das türkische Militär demokratische Säkularisation und demokratische Werte respektiere.

Die EU hat den Einfluss des Militärs auf die türkische Politik mehrfach kritisiert. Die Kontrolle der zivilen Mächte über das Militär ist eine der politischen Voraussetzungen für eine türkische EU-Mitgliedschaft.

Trotz des Drucks, den Militär und Opposition ausüben, weigerte sich Abdullah Gül, seine Kandidatur zurückzuziehen.

Positionen:

Das türkische Militär äußerte, dass die während der Präsidentschaftswahl zum Vorschein gekommenen Probleme, Fragen des Säkularismus berührten. Das türkische Militär sehe sich berufen, seine rechtmäßige Pflicht gegenüber der Türkei zu wahren, und daher den unveränderbaren Charakter des Landes zu beschützen.

Laut eines Kommentars in der Frankfurter Rundschau riskiere das türkische Militär die Perspektive auf die EU-Mitgliedschaft der Türkei. Es heißt, einige innerhalb der türkischen Armee stünden der Integration der Türkei in die EU kritisch gegenüber, da dies gleichzeitig eine Einschränkung des Einflusses des Militärs auf die Politik bedeuten würde.

Terry Davis, Generalsekretär des Europarats, äußerte seine Bedenken hinsichtlich der Aussagen des türkischen Militärs: die aktuellen Ereignisse erschienen wie ein bewusster Versuch des Militärs, Einfluss auf die Wahl des neuen Präsidenten in der Türkei auszuüben. Das Militär solle sich jedoch aus den politischen Angelegenheiten heraushalten. Davis sagte, er sei geschockt, dass sich das Militär eines Mitgliedstaates des Europarates inmitten eines demokratischen und konstitutionellen Prozesses, wie die Wahl des Regierungschefs eines Landes, in dieser Form verhalten könne.

Andrew Duff, Europaabgeordneter der liberalen Fraktion und stellvertretender Vorsitzender der parlamentarischen Delegation für die Beziehungen mit der Türkei, sagte, er sei sehr besorgt, über die Art und den Zeitpunkt der Äußerungen des türkischen Militärs, die eine Bedrohung der Demokratie des Landes darstellten. Er hoffe, dass es sich dabei jedoch nur um eine persönliche Einstellung handele, anstelle eines Signals des Militärs, tatsächlich bereit zu sein, den demokratischen Prozess in der Türkei zu gefährden.

TÜSIAD, der türkische Wirtschaftsverband, erklärte, dass die demokratischen Grundsätze erforderten, dass der Wille des Parlaments respektiert werde. Er forderte jedoch gleichzeitig, dass die Präsidentschaft die öffentliche Meinung und demokratische Legitimität beachte und die Grundsätze der Republik aufrechterhalte.

Nächste Schritte:

Die Oppositionspartei CHP hat den Fall vor das Verfassungsgericht gebracht, das darüber entscheiden soll, ob der erste Wahlgang gültig ist oder nicht. Die Entscheidung des Gerichts, die noch diese Woche erwartet wird, könnte zu vorgezogenen Neuwahlen in der Türkei führen.

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