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Kroatien will anderen ex-jugoslawischen Staaten bei EU-Beitrittsgesuch helfen [DE]

Veröffentlicht 08. Dezember 2009 - Aktualisiert 20. Mai 2010
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Wie EurActiv erfahren hat, möchte Zagreb die EU-Gesetzgebung, die es bereits in nationales Recht umgesetzt hat, mit drei anderen Staaten des ehemaligen Jugoslawiens teilen, die in ihrem jeweiligen Beitrittsprozess weniger weit fortgeschritten sind.

Zeljko Kupresak, kroatischer Botschafter in Serbien, sagte am Samstag (5. Dezember), Kroatien sei im Westlichen Balkan das auf dem Weg zu einer EU-Mitgliedschaft am weitesten fortgeschrittene Land und sei willens, allen anderen Ländern in der Region bei ihren eigenen Beitrittsangeboten zu helfen, berichtete die kroatische Agentur HINA.

„Kroatien hat zugestimmt, dass es die Übersetzungen des ‚acquis communautaire’ nicht nur Serbien, sondern auch allen anderen Staaten zur Verfügung stellen wird, sobald diese mit den EU-Beitrittsverhandlungen beginnen“, sagte Kupresak auf einer internationalen Konferenz nichtstaatlicher Jugendorganisationen in Belgrad.  „Damit meine ich Länder mit ähnlichen Sprachen wie Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro.“

Kupresak fügte hinzu, dass Kroatien keinerlei Gegenleistung erwarte und es eine Geste des guten Willens sei, da eine beschleunigte europäische Integration der Länder in der Region auch in Zagrebs Interesse sei. Er wies den Bericht einer serbischen Zeitung zurück, wonach Kroatien trotz seines Versprechens Serbien die Übersetzung nicht zur Verfügung stellen werde.

Kupresak sagte, das europäische Integrationsprojekt könne nicht als abgeschlossen angesehen werden, bis alle Staaten des Westlichen Balkans vollständig in die Europäische Union integriert seien. Dies sei der einzige Weg zur Erhaltung von dauerhafter Stabilität, Sicherheit und Wohlstand in der Region.

Pierre Mirel, Vorsitzender der Abteilung Westlicher Balkan in der Europäischen Kommission, wies die Bedenken einiger Beamter in den Balkanstaaten zurück, dass die EU ihre Türen nach der Aufnahme Kroatiens für andere Mitgliedschaften schließen werde.

Zu den größten Herausforderungen, denen die Staaten des Westlichen Balkans auf dem Weg zum EU-Beitritt ausgesetzt sind, gehören nach Mirel die Stärkung von Rechtsstaatlichkeit, Lösung der gegenseitigen Grenzkonflikte, Verfolgung der Kriegsverbrecher und die Notwendigkeit weiterer regionaler Zusammenarbeit, um den Status von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen zu klären.

Hintergrund : 

Das EU-Regelwerk, das auf Französisch als ‚acquis commmunautaire’ bekannt ist, ist rund 80.000 Seiten lang und muss vollständig in die Sprache der Beitrittsländer übersetzt werden, da es die Gesamtheit der bisher angenommenen EU-Regelungen und Rechtsvorschriften enthält. 

Serbien, Kroatien, Montenegro und Bosnien und Herzegowina sprechen alle eine sehr ähnliche Sprache. Als „serbokroatisch“ im ehemaligen Jugoslawien bezeichnet, wird die Sprache jetzt als „serbisch“ in Belgrad, „kroatisch“ in Zagreb und „bosnisch“ in Sarajevo bezeichnet.

Derzeit ist der Begriff ‚serbokroatisch’ noch in Gebrauch, auch wenn er als politisch-unkorrekt angesehen wird.

Es gibt sogar eine Bewegung zur Schaffung einer montenegrinischen Sprache (Serbien und Montenegro trennten sich 2006), obwohl die in Podgorica gesprochene Sprache sich kaum vom Serbischen unterscheidet.

Von den drei genannten Ländern ist Serbien das einzige, das zwei Alphabete gleichzeitig verwendet: Kyrillisch und Latein. Kroatien und Montenegro verwenden derzeit lediglich das lateinische Alphabet.

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