EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Click here for EU news »
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Parlamentsbericht setzt Verhältnis zwischen EU und Türkei auf die Probe [DE]

Veröffentlicht 28. September 2006 - Aktualisiert 29. Januar 2010
DruckversionSend by email

Das Europäische Parlament hat für die Annahme eines Berichts gestimmt, in dem die Türkei aufgefordert wird, weitere Reformen einzuleiten. Die umstrittene Forderung, die Türkei müsse den Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg anerkennen, wurde jedoch fallengelassen. 

Der Bericht wurde mit 429 gegen 71 verabschiedet. 125 Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Eine umstrittene Forderung, die als Voraussetzung für einen Beitritt der Türkei die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern nannte wurde fallengelassen. 

Der Berichterstatter der Christdemokraten (EVP-ED) nannte den Bericht „hart aber fair“. Der Bericht weist auf die größten Hindernisse auf dem Weg der Türkei zu einer EU-Mitgliedschaft hin. Zu diesen gehören vor allem Reformen in den Bereichen Religions- und Redefreiheit und des berüchtigten Artikel 301, der die Verunglimpfung des „Türkentums“ unter Strafe stellt und zu Verfahren gegen Schriftsteller und Journalisten geführt hat. Die Weigerung der Türkei, ihre Häfen und Flughäfen für zypriotische Schiffe und Flugzeuge zu öffnen, trübt ebenfalls das Verhältnis zur EU.

Stellungnahmen: 

Die finnische Präsidentschaft betonte, dass bedeutende Erfolge erzielt worden seien. Sie fügte jedoch hinzu, dass greifbare Resultate notwendig seien. Die Europaministerin Paula Lehtomäki forderte die Türkei auf, die Reformen anzukurbeln und den Reformprozess zielstrebig weiterzuführen. Eine vollständige und effektive Umsetzung der Reformen sei entscheidend dafür, dass die Reformen dauerhaft Wirkung zeigen könnten.

Erweiterungskommissar Olli Rehn bedauerte die „fehlenden Fortschritte“ bei den Reformbemühungen. Er unterstrich, dass Verhandlungen immer ein „offener Prozess“ seien – ohne Garantien. Der Beitritt der Türkei wäre für beide Seiten von Vorteil, so Rehn, der hinzufügte, dass die EU eine stabile und von Wachstum geprägte Türkei brauche.

Berichterstatter Camiel Eurlings (EVP-ED) sagte zusammenfassend, das Europäische Parlament bedauere die „Verlangsamung der Reformen“ in der Türkei. Gleichzeitig beglückwünschte er jedoch die türkische Regierung zu ihrem neunten Reformpaket.

Der christdemokratische Abgeordnete Elmar Brok (EVP-ED) betonte die Bedeutung der Menschenrechte, der Rechte von Minderheiten sowie der Religions- und Redefreiheit. Dies seien „Voraussetzungen“ für einen EU-Beitritt der Türkei. Bisher hätte die Türkei noch nicht einmal das Ankara-Protokoll umgesetzt. Brok betonte, die finanziellen Aspekte der Verhandlungen dürften nicht außer Acht gelassen werden und dass die finanzielle Vorausschau der EU wenig „Spielraum“ lasse.

Der liberale Abgeordnete Andrew Duff (ALDE) unterstrich, die Rolle des Europäischen Parlaments sei, „parlamentarische Demokratie in der Türkei“ zu fördern. Dazu würde gehören, Modernisierung in der Türkei zu unterstützen und ihr keine „Steine in den Weg“ zu legen. Er fügte hinzu, dass wenn es zu einem „Zusammenstoß“ auf Zypern käme, zwei Seiten beteiligt wären: auf der einen die Türkei, mit ihren Bemühungen, eine realisierbare Reform des europäischen Islams – Prophet trifft Aufklärung - einzuleiten“, auf der anderen Europa und die Bemühungen der Union, eine starke gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik zu schaffen, zu der die Türkei einen „außerordentlichen Beitrag“ leisten könnte.

Joost Lagendijk (Grüne) erklärte, der Absatz, in dem nach Druck von Interessenverbänden die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern als „Bedingung“ für einen Beitritt der Türkei zur EU genannt wurde, sei ein großes Problem gewesen. Er betonte, das Parlament müsse „Menschen in der Türkei unterstützen, die für das gleiche kämpfen wie wir“.

Die türkische Stiftung ARI Movement warnte davor, dass diese Entwicklung die türkischen Ambitionen und den Enthusiasmus bei den Reformbestrebungen bremsen könnte.

Nächste Schritte: 

Die Veröffentlichung des Fortschrittsberichts der Kommission ist auf den 8. November 2006 verschoben worden.

Advertising