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Sarkozy unter Beschuss, nachdem er Roma ins Visier genommen hat

Veröffentlicht 29. Juli 2010 - Aktualisiert 30. Juli 2010
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Die französischen Linksparteien haben sich Menschenrechtsgruppen und spezialisierten Organisationen angeschlossen, und an der von Präsident Sarkozy gestern (28. Juli) ins Leben gerufenen Anti-Kriminalitätsinitiative Kritik geübt. Diese visiert vor allem die Roma-Gemeinschaft an.

Sarkozy hat gestern (28. Juli) eine neue Anti-Kriminalitätsinitiative angekündigt, die auf die „Wanderbevölkerung“ ausgerichtet ist, aber besonders auf die Gemeinschaft der Roma Wert legt.

Unter den getroffenen Maßnahmen sind Pläne zur Schließung von circa 300 illegalen Camps, zur Abschiebung aus dem Land aller Roma aus Rumänien und Bulgarien, die Handlungen zur Störung der öffentlichen Ordnung begangen haben, zum Austausch von Polizisten zwischen Frankreich und Rumänien und zu gezielten Überprüfungen durch die Finanzbehörden von Roma, die teure Geländewagen fahren, zu finden.

Letzteres wurde angekündigt, nachdem als Reaktion auf den Tod eines von der Polizei erschossenen 22-Jährigen etwa 50 Mitglieder des „Wandervolkes“ (oder gens du voyage auf Französisch) letzte Woche in Saint-Aignan in Mittelfrankreich ein Polizeirevier und andere Grundstücke im Protest zerstört hatten.

Die französische Menschenrechtsgruppe Ligue des Droits de l’Homme veröffentlichte eine Stellungnahme, die die Stigmatisierung der Roma scharf verurteilt. Sie hat auch an der „Verquickung“ zwischen den französischen gens du voyage, die ihr zufolge französische Bürger sind, die in Wohnwagen wohnen, und den 15.000 Roma, die in Frankreich leben und vorwiegend aus Rumänien und Bulgarien stammen, Kritik geübt.

Als Rumänien und Bulgarien der EU 2007 beigetreten sind, erinnert die Rechtsgruppe, habe die französische Regierung ihren Bürgern den Zugang zum französischen Arbeitsmarkt als Übergangsmaßnahme verweigert. Daraus folge, so die Ligue des Droits de l’Homme, dass Roma-Einwanderer aus diesen beiden Ländern keine andere Wahl hätten, als in Slums zu leben, da sie keine Möglichkeit hätten, legal zu arbeiten.

Die französische Menschenrechtsgruppe forderte die Abschaffung der Übergangsmaßnahmen, damit den Roma der Zugang zum Arbeitsmarkt garantiert wird, und will, dass die Regierung die existierenden Mechanismen zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen verwendet.

Es sei ausschlaggebend, dass die Regierung damit aufhört, Situationen und Taten mit der Herkunft der betroffenen Leute zu verwechseln, schließt die Stellungnahme.

Nicolas Sarkozy ergreife die Initiative für eine Politik rassischen Charakters, erklärte der von der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ zitierte Collectif des Associations Tziganes-Verein. Die NRO warnte, sie könnte ein Gerichtsverfahren für Anstiftung zum Rassenhass gegen den französischen Präsidenten einleiten.

Während eines EU-Außenminister-Treffens am vergangenen Montag forderte Pierre Lellouche, der französische Staatssekretär für EU-Angelegenheiten, eine „europäische Lösung“ des Roma-Problems.

Der rumänische Außenminister, Teodor Baconschi, erklärte Journalisten in Brüssel, Lellouche habe insofern eine „feste Haltung“ bewiesen.

Bukarest reagiert

Bachonschi erklärte, er habe Lellouche  gesagt, dass diese neun Millionen Roma, von denen die Rede ist und die in verschiedenen EU-Ländern wohnen, europäische Bürger seien und dass man ihre Bewegungsfreiheit nicht durch rechtliche Schritte und erst recht nicht durch außergerichtliche Maßnahmen einschränken könne.

Der rumänische Minister habe Lellouche erklärt, die EU könnte durch Programme zur sozialen Eingliederung sowohl in den Heimat- als auch den Bestimmungsländern Unterstützung anbieten

Baconschi zufolge sollten diese Programme mit ausreichenden Beträgen dotiert werden, damit sie das Bildungsniveau in diesen Gemeinschaften, sowie ihre Berufsausbildung und Unterbringung verbessern können, um ihre allgemeinen Wirtschaftsbedingungen günstiger zu gestalten.

Er schloss damit, man wisse wohl, dass Rumänien weder die Abstempelung einer ethnischen Gruppe zu Verbrechern noch ihre Stigmatisierung akzeptiere. Verbrechen würden individuell begangen und das Gesetz sollte angewendet werden. Es sei aber möglich, die Zusammenarbeit der rumänischen und der franzosischen Polizei zu verbessern.

Stellungnahmen: 

Benoît Hamon, Pressesprecher der oppositionellen Französischen Sozialistischen Partei, kritisierte Sarkozy scharf für die populistische Nutzung von Klischees, denen zufolge Roma mit Verbrechen verbunden sind.

Der Präsident der Republik mache leere Aussagen und versuche in einer Wahlperspektive diesen Fall für sein Tauziehen mit Marine Le Pen, der Leiterin der rechtsextremen Front National, am besten zu nutzen, zitierte die AFP Benoît Hamon

Der Europäische Ausschuss der Sozialrechte und der Ministerausschuss des Europarates haben Frankreich vor kurzem angekündigt, es verletze sieben Artikel der Europäischen Sozialcharta, was die gens du voyage und das Roma-Volk betrifft.

Sicher seien die Maßnahmen keine Pflicht, aber ein Land, das die Charta ratifizierte, müsse sich daran festhalten, hieß es aus von der Zeitschrift „Le Point“ zitierten Kreisen aus dem Europarat.

In einer Resolution am 30. Juni 2010 wirft der Europarat Frankreich vor, es habe nicht genügende Infrastrukturen zum Empfang von Vertriebenen hergestellt, trotz eines 2000 verabschiedeten Gesetzes, das verlangt, jede Stadt mit über 5.000 Einwohnern müsse solche Gelände installieren. Nur die Hälfte der 2000 geplanten Gelände sei bisher installiert worden, schreibt „Le Point“ weiter.

Mit seinen Sympathiewerten, die gerade niedriger als je zuvor sind, wird Sarkozy beschuldigt, er spiele die Karte von Recht und Ordnung aus, um die öffentliche Meinung von einem schädigenden Parteifinanzierungsskandal und drohenden Sparpaketen abzulenken, schreibt Hugh Schofield, der Pariser Korrespondent der schottischen Tageszeitung The Herald.

Hintergrund : 

Der Europäischen Kommission zufolge seien die Roma die größte ethnische Minderheit in der EU und ihre Ursprünge lägen im mittelalterlichen Indien . Es existieren viele Untergruppen der Roma.

Die augenblickliche Statistik besagt, dass 535.000 Roma in Rumänien leben, 370.000 in Bulgarien, 205.000 in Ungarn, 89.000 in der Slowakei und 108.000 in Serbien. Es wird geschätzt, dass 200.000 Roma in der Tschechischen Republik leben, die gleiche Anzahl in Griechenland und etwa 500.000 in der Türkei.

Viele Roma aus Osteuropa zogen nach der EU-Erweiterung in den Westen, was insbesondere in Italien Spannungen verursachte (EurActiv 30.06.09).

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