Die Ablösung des scheidenden Präsidenten Stjepan Mesić fand auf dem Sankt-Markus-Platz in Zagreb unter den Augen europäischer Staatschefs (aus Ungarn, Slowenien, Polen, Mazedonien, dem Kosovo, Bulgarien, der Slowakei, Montenegro und Bosnien-Herzegowina) sowie diplomatischer Abordnungen aus etwa 80 Ländern statt, darunter der schwedische Außenminister Carl Bildt, die kanadische Staatsministerin Lynnie Yelich und der chinesische Kulturminister Cai Wu.
"Herr Saubermann"
Der neue Präsident, ein Komponist und Rechtsexperte, hat bereits während seines Wahlkampfs zu Hause und im Ausland viel Lob auf sich gezogen, da er versprach, sich für Rechtstaatlichkeit und die Bekämpfung der Korruption einsetzen zu wollen. Aufgrund seiner Rechtschaffenheit und Integrität ist er in seinem Land unter dem Spitznamen "Herr Saubermann" bekannt (EurActiv vom 21. Januar 2010).
Bei der diplomatischen Zusammenkunft anlässlich der Amtsübernahme Josipovićs war die Abwesenheit des serbischen Präsidenten Boris Tadić jedoch nicht zu übersehen.
Dieser boykottierte die Veranstaltung, da seine Anwesenheit ihm zufolge als stillschweigende Anerkennung der Souveränität des kosovarischen Präsidenten Fatmir Sejdiu hätte ausgelegt werden können, der bei der heutigen Veranstaltung zugegen war.
Diplomatischen Experten zufolge wäre dies jedoch nicht unbedingt der Fall, da die Staats- und Regierungschefs auf großen Konferenzen einfach nicht mit Vertretern von Ländern reden würden, mit denen sie im Clinch lägen.
Der serbische Außenminister Vuk Jeremić lieferte denn auch eine andere Erklärung für den Boykott und deutete an, dass Tadić ein persönliches Problem mit Josipović habe. Ihm zufolge sei Josipović bereits vor Versand der Einladung von Belgrad gewarnt worden, dass Tadić bei einer Anwesenheit Sejdius nicht an der Veranstaltung teilnehmen werde.
"Der kroatische Präsident traf seine Entscheidung. Er entschied sich für Vertreter des Kosovos statt Serbiens", so Jeremić
Im Gespräch mit der serbischen Presseagentur FoNet drückte Präsident Josipović sein Bedauern über die Abwesenheit von Präsident Tadić aus. Er halte dies für eine verpasste Gelegenheit, so schnell wie möglich einen Dialog einzuleiten.
Zudem drückte Josipović seine Zweifel über den Sinn eines derartigen selbst auferlegten Embargos aus, das Serbien von der Teilnahme an Zusammenkünften abhält, bei denen das Kosovo offiziell oder inoffiziell vertreten ist (EurActiv vom 20. Januar 2010).
Die Europäische Union wurde durch die spanische Präsidentschaft in der Person des spanischen Parlamentssprechers Javier Roja Garcia sowie durch Štefan Füle vertreten, der zum ersten Mal in seiner Eigenschaft als EU-Erweiterungskommissar den Balkan besuchte.
Füles Besuch findet gleichzeitig mit einer Reise der außenpolitischen Chefin der EU Catherine Ashton durch die Region statt, bei der sie Bosnien-Herzegowina, Serbien und das Kosovo besuchen wird.




