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Spanische Präsidentschaft trägt zu Kosovo-Wirren bei [DE]

Veröffentlicht 27. Januar 2010 - Aktualisiert 01. März 2010
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Der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos, dessen Land die rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat, trug gestern (26. Januar) zur Verwirrung über den Status des Kosovo bei. Die ehemalige serbische Provinz wird von den meisten europäischen Staaten als unabhängig anerkannt, nicht jedoch von Madrid.

Beim gestrigen Gespräch mit Journalisten in Brüssel schien sich Moratinos auf die Seite seines serbischen Kollegen Vuk Jeremic zu schlagen, der die Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten bezüglich des Kosovo herausstellte. Spanien gehört zu denjenigen EU-Ländern, die den Balkanstaat nicht als unabhängigen Staat anerkannt haben (siehe ‚Hintergrund’).

Jeremic hielt sich in Brüssel auf, um dem EU-Beitrittsgesuch seines Landes nachzugehen, das sein Land kurz vor Weihnachten eingereicht hatte (EurActiv vom 4. Januar 2010). Dabei wies er im Namen seines Landes einen internationalen Plan zurück, mit dem die Beziehungen zwischen der albanischen Mehrheit und den ethnischen Serben im Nordkosovo stabilisiert werden sollten. In der Region Kosovska Mitrovica lebt eine kleine serbische Minderheit größtenteils unter Missachtung Pristinas und unterhält stattdessen enge Verbindungen zu Serbien.

Jeremic sagte, der Plan komme einer aufgezwungenen Entscheidung gleich.

Strategie des Gebens und Nehmens

Der Plan war vom Leiter des Internationalen Zivilbüros im Kosovo (ICO), dem niederländischen Diplomaten Peter Feith, entwickelt worden. Dieser ist Sondergesandter der EU im Kosovo (EUSR). Das ICO wurde von den Ländern eingerichtet, die eine Unabhängigkeit des Kosovo unterstützen, darunter einige Länder der EU sowie die USA.

Die offizielle serbische Nachrichtenagentur Tanjug berichtet nach Einsicht in den Plan, dass das ICO eine Strategie des gegenseitigen Gebens und Nehmens vorsieht. So soll einerseits mit dem EU-Beitrittsgesuch Belgrads fortgefahren werden, andererseits soll Belgrad einem Auslaufen seiner Unterstützung für das nördliche Kosovo zustimmen.

Das Dokument betont, dass Belgrad davon abgehalten werden soll, Serben im Kosovo an der Teilnahme der von Pristina organisierten Wahlen zu hindern. Berichten zufolge sieht der Entwurf zudem vor, dass die EU-Rechtsstaatlichkeitsmission EULEX ihre Sichtbarkeit und Präsenz im Norden verstärkt, indem sie dort ein Büro eröffnet.

Vielschichtige Diplomatie

Unter seinem Mandat als EUSR soll Feith EULEX betreuen, der größten Zivilmission, die je unter der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) der EU eingerichtet wurde. EULEX strebt eine Mitarbeiterzahl von 3.200 an: 1.950 internationale Mitarbeiter und 1.250 Mitarbeiter, die vor Ort rekrutiert wurden.

Das ursprüngliche Ziel von EULEX war die Übernahme von UNMIK, der UN-Mission, die nach dem Konflikt ins Land geschickt wurde. EULEX entstand dabei als Ergebnis eines Kompromisses, mit dem der Westen auf die serbische Forderung einging, eine Mission nur mit Segen des UN-Sicherheitsrats zu entsenden und die Mission „statusneutral” zu halten – mit anderen Worten würde sie die Abspaltung des Kosovo von Serbien nicht offiziell machen und den Ahtisaari-Plan der UN nicht umsetzen (EurActiv vom 28. Oktober 2008).

In seiner Eigenschaft als EUSR muss Feith alle EU-Länder, einschließlich Spanien, vertreten. Zudem unterhält die Europäische Kommission zusätzlich zu den bereits genannten Institutionen ein Verbindungsbüro im Kosovo.

Moratinos ging auf seinen serbischen Amtskollegen ein, indem er sagte, die spanische Präsidentschaft arbeite „im nördlichen Kosovo auf pragmatische und konstruktive Weise”. Damit gestand er ein, dass die internationale Gemeinschaft in der von Serben bevölkerten Region nur über einen geringen Einfluss verfügt.

Währenddessen haben serbische Behörden in Kosovska Mitrovica Berichten zufolge Pläne für Kommunalwahlen abgelehnt, die im Plan von Peter Feith vorgesehen sind.

Wenn Moratinos jedoch als das eine Extrem der EU-Diplomatie zum Kosovo gesehen werden kann, so sehen viele EU-Länder Feith als das andere Extrem. Diplomaten sagten gegenüber EurActiv, er erweise sich zunehmend als kontroverse Wahl für den Posten im Balkan.

Hintergrund : 

Im Februar 2008 erklärte das Kosovo einseitig seine Unabhängigkeit von Serbien, neun Jahre nach Ende des Krieges von 1999 zwischen den Belgrader Sicherheitskräften und ethnisch albanischen Guerilla-Kämpfern. In den folgenden Jahren war das Kosovo ein internationales Protektorat unter UN-Mandat, das von NATO-Friedenstruppen patrouilliert wurde.

Nachdem das Kosovo seine Unabhängigkeit erklärte, führte die Republik mit einer Bevölkerung von 2 Millionen, davon 90% ethnische Albaner, viele Merkmale der Eigenstaatlichkeit ein, so auch eine neue Verfassung. Bisher haben mehr als 50 Länder das Kosovo anerkannt, darunter die USA und die meisten EU-Mitglieder (außer Spanien, Zypern, Rumänien und der Slowakei). Serbien ist strikt gegen eine Unabhängigkeit des Kosovo und wird dabei von Russland unterstützt.

Im Februar 2008 beschloss die EU, eine Rechtsstaatlichkeitsmission – ‚EULEX Kosovo’ – in das Land zu entsenden. Ziel war es, die Verwaltung des Gebiets, das auf dem europäischen Kontinent liegt, nach der Krise zu übernehmen. Die Operation soll die Behörden des Kosovo bei der Rechtsstaatlichkeit mit Rat und Tat zur Seite stehen, insbesondere bezüglich Polizei, Justizwesen und Zoll.

Jedoch ist EULEX im Norden des Kosovo, wo eine kleine serbische Minderheit lebt, kaum wirksam. Am 15. November 2009 hielt das Kosovo seine ersten Wahlen seit der Unabhängigkeitserklärung ab. Dabei zeigten sich die ethnischen Serben darüber gespalten, ob sie an der Wahl teilnehmen sollten.

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