Die Umfrage wurde von der Bogaziçi-Universität in Istanbul und zwei spanischen Institutionen – der Universität Granada und der Autonomen Universität Madrid – durchgeführt.
Die scheinbare Diskrepanz zwischen den Ergebnissen erklärt Hakan Yilmaz, Professor an der Bogaziçi-Universität, folgendermaßen: „Wenn Menschen bei einer Volksabstimmung zu einer Entscheidung gezwungen werden, dann sind sie Veränderungen gegenüber abgeneigt und beugen sich stattdessen eher dem Status Quo“.
Die Menschen „sind deutlich kühner, wenn sie zu einer einfachen Position befragt werden, mit Abstufungen wie ‚sind Sie dafür’ oder ‚etwas dafür’”, fügte Yilmaz hinzu.
Die Umfrage wurde im August und September 2009 in fünf EU-Ländern – Frankreich, Deutschland, Polen, Spanien und Großbritannien –durchgeführt und am 23. Januar in Istanbul vorgestellt.
Ihr zufolge würden 62% der Deutschen und 64% der Franzosen in einer Volksabstimmung zur Türkei mit ‚Nein’ stimmen. In Großbritannien würde das ‚Nein’ mit 46% schwächer ausfallen. In Polen und Spanien würden 54% bzw. 53% mit ‚Ja’ stimmen.
Generationsfaktor
Zu den Argumenten gegen einen türkischen EU-Beitritt befragt, stimmten 39% der Befragten der Aussage zu, die Türkei sei „ein muslimisches Land […] unvereinbar mit den gemeinsamen christlichen Wurzeln“ Europas.
Die Umfrage zeigte außerdem, dass die ausschlaggebende Variable Alter und Generation war. „Die Unterstützung wächst mit abnehmendem Alter und nimmt mit zunehmendem Alter ab”, führte Yilmaz aus.
Spanische Avancen
Währenddessen hat sich der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos stark für einen EU-Beitritt der Türkei eingesetzt. Spanien hält derzeit die rotierende EU-Präsidentschaft inne. In einem Interview mit der deutschen Welt am Sonntag sagte Moratinos: „Die Türkei ist Teil der europäischen Völkerfamilie“.
„Die Türkei in der EU zu haben ist besser, als sie draußen vor der Tür stehen zu lassen“, sagte Moratinos weiter. „Wir glauben, dass Europa daraus mehr Vorteile als Nachteile entstehen würden. Da gibt es unter den EU-Mitgliedsländern Meinungsunterschiede, aber alle sind damit einverstanden, zunächst den Verhandlungsprozess abzuwarten.“
Moratinos wiederholte zudem das spanische Versprechen, sich während seiner sechsmonatigen EU-Präsidentschaft – also bis Ende Juni – für die Öffnung vier weiterer Verhandlungskapitel in den Beitrittsgesprächen einzusetzen.
Bisher sind nur 12 der 35 Kapitel während der türkischen Beitrittsverhandlungen geöffnet worden (siehe EurActiv LinksDossier).



