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Stellenangebot registrierenDas Versprechen von Kanzler Helmut Kohl, dass für niemanden das Leben nach der deutschen Wiedervereinigung schlechter werde als vorher, wurde nicht eingehalten, sagte György Fehéri, Wissenschaftler für Literaturgeschichte gegenüber EurActiv Ungarn.
Während die Feierlichkeiten zum Gedenken an den zwanzigsten Jahrestag des Falls der Berliner Mauer in Gang kommen, untersucht EurActiv die Bedeutung dieses Ereignisses in einer Reihe von Interviews.
György Fehéri, Wissenschaftler am Collegium Hungaricum Berlin, ist ein ungarischer Staatsbürger, der in Ostberlin lebte. Seit Mitte der 1980er besaß er einen so genannten „Weltpass“, der ihm das Reisen in den Westen erlaubte.
„Ich habe diesen Vorteil ausgenutzt und bin nach Westberlin gegangen, um dort Zeit in der Bibliothek oder im Museum zu verbringen“, sagte er gegenüber EurActiv Ungarn. Deswegen war ihm beim Fall der Mauer die Bedeutung des Ereignisses nicht ganz bewusst.
Fehéri hatte bereits in den vorhergehenden 6-12 Monaten einen frischen Wind verspürt. Mehr als zwei Monate vor dem Fall der Berliner Mauer organisierten ungarische Dissidenten und österreichische Intellektuelle am 19. August 1989 ein gemeinsames „pan-europäisches Picknick“. Für dieses Ereignis willigten die ungarischen Behörden ein, eines der Grenztore für einen kurzen Zeitraum zu öffnen. An dem Tag flüchteten etwa 900 in Ungarn lebende Ostdeutsche aus dem Land.
Weniger als einen Monat später, am 11. September, baute Ungarn seine Grenze zu Österreich ab. Dieser Augenblick „schuf eine große Spannung, die man hier in Ostberlin spüren konnte“, sagte Fehéri.
Zudem „verschwanden mehr und mehr meiner deutschen Freunde aus Ostberlin”, sagte er, da sie eine Übersiedlung nach Westdeutschland beantragt hätten.
Der Wissenschaftler für Literaturgeschichte erklärte die schwierige Situation, vor der sie nur wenige Wochen vor dem Fall der Mauer standen, da sie bei den ostdeutschen Beamten als Auswanderer registriert waren.
In den ersten Tagen nach der Nacht des 9. November 1989 „war es ein aufregendes Spiel, weil alles, was man früher wollte und nur im Fernsehen gesehen hatte, auf einmal Wirklichkeit wurde“, sagte Fehéri.
Aber die mit der Wiedervereinigung verbundenen Hoffnungen schwanden schnell. „Der berühmte Satz von Kanzler [Helmut] Kohl, dass es niemandem schlechter gehen werde als zuvor, erfüllte sich nicht“, so Fehéri.
Laut Fehéri „haben die vergangenen zwanzig Jahre gezeigt, dass die Vereinigung der beiden deutschen Staaten und deren Auswirkungen auf die Stärkung der europäischen Integration extrem bedeutsam ist und eine positive Veränderung darstellte.”
Jedoch „existieren die Grenzen weiter”, sagte er in Bezug auf die vielen Einwanderer, denen der Zugang zu europäischem Boden verweigert wird. „Europa muss diese sehr komplexe Frage bewältigen“, sagte er.
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