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Ungarn: Slowakisches Gesetz verstößt gegen EU-Vorschriften [DE]

Veröffentlicht 17. Dezember 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Ungarns Ministerpräsident sagte am Mittwoch, dass ein slowakisches Gesetz, welches den Gebrauch von Minderheitssprachen bestraft, inakzeptabel sei und gegen die Grundwerte der Europäischen Union und des Lissabon-Vertrags verstoße.

Ministerpräsident Gordon Bajnai sagte in einer Erklärung, die Slowakei habe gegen das so genannte ‚Szecseny' verstoßen, einer Einigung, die von beiden Ländern im September unterzeichnet wurde.

Damals wollten die beiden mitteleuropäischen Nachbarn zu einem Abbau von Spannungen beitragen, indem sie einer Annahme der Empfehlungen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zur Lösung ihrer Unterschiede über das slowakische Sprachengesetz zustimmten. Nach ungarischer Auffassung verstößt dieses Sprachengesetz gegen Minderheitenrechte.

Die Regierung des slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico stimmte am Mittwoch den Bestimmungen für eine Umsetzung des Gesetzes zu. Es wird im Januar 2010 in Kraft treten. „Die angenommenen Richtlinien stehen nicht nur im Widerspruch zur Szecseny-Einigung, sondern auch zu den OSZE-Empfehlungen, die der slowakische Ministerpräsident Robert Fico gänzlich akzeptiert hatte”, sagte Bajnai.

„Die Regierung fordert die Slowakei nachdrücklich dazu auf, die Anwendung von Strafmaßnahmen für den Zeitraum der andauernden Gespräche auszusetzen, da sie zu moralischem und sozialem Schaden führen und zu weiteren Ängsten in den Minderheitengemeinden beitragen.“

Sollte die Slowakei die Maßnahmen nicht aussetzen, so Bajnai, werde Ungarn der ethnisch ungarischen Minderheit in der Slowakei finanzielle Unterstützung und rechtlichen Beistand zukommen lassen, um ihren Kampf gegen das Gesetz zu unterstützen. Etwa 10% der 5,4 Millionen Einwohner der Slowakei haben ungarische Wurzeln.

Das slowakische Sprachgesetz sieht vor, dass in den meisten öffentlichen Behörden und Institutionen nur Slowakisch benutzt werden darf. Von vielen Angehörigen der ungarischen Minderheit wird dies als jüngster einer Reihe von Schritten von nationalistisch motivierten Regierungen bewertet, ihre Kultur zu unterdrücken.

Die OSZE hatte Bedenken bezüglich der Umsetzung des Gesetzes und der laut Gesetz vorgesehenen Strafen angemeldet. Das Gesetz erlaubt dem Kulturministerium, Strafen in Höhe von bis zu 5.000 Euro zu verhängen. Das Ministerium hat 21 Kriterien für die Bewertung möglicher Gesetzesverstöße festgelegt.

„Bei dem Gesetz über die Amtssprache geht es nicht um die Nutzung von Minderheitssprachen. Es geht um den Schutz der Amtssprache, um den Schutz für slowakische Bürger, ihre Amtssprache zu benutzen […] Wir respektieren die Minderheitenrechte“, sagte der slowakische Kulturminister Marek Madaric nach dem Regierungstreffen.

Das Ministerium sagte, es habe mit der OSZE in Europa beim Entwurf der Ausführungsbestimmungen zusammengearbeitet. Die Beziehungen zwischen den beiden ehemals kommunistischen Staaten sind seit jeher angespannt, doch die Lage verschlechterte sich, als Fico die rechtsgerichtete Slowakische Nationalpartei (SNS) nach den Wahlen von 2006 in seine Koalition aufnahm. Die SNS ist für ihre harte Rhetorik gegenüber Minderheiten bekannt.

(EurActiv mit Reuters.) 

Hintergrund : 

Eine ungarische Minderheit lebt in der Slowakei, wo der letzte EU-Wahlkampf durch nationalistische Rhetorik geprägt war. Eine ethnisch ungarische Partei in der Slowakei, SMK, wurde von der Partei des Ministerpräsidenten Robert Fico (SMER, mit den Sozialisten und Demokraten im Europaparlament verbunden) beschuldigt, nicht-slowakische Interessen (EurActiv vom 5. Juni 2009) zu verfolgen. Schließlich gewann die SMK (die der Europäischen Volkspartei nahe steht) zwei Sitze bei den Wahlen.  

Im selben Zusammenhang verschärften ungarische Politiker, darunter der Oppositionsführer Viktor Orbán, welcher der Europäischen Volkspartei zuzurechnen ist, die Spannungen mit Äußerungen, die andeuteten, dass Budapest zu seinen künftigen Vertretern im Europäischen Parlament alle Vertreter „über das Karpatenbecken“ zählen werde. 

Ungarn hat beim Europäischen Parlament und den Vereinten Nationen über das neue Sprachgesetz der Slowakei Protest eingelegt, von dem es sagt, es diskriminiere die ungarische Minderheit. Laut dem Gesetz können bis zu 5.000 Euro Strafgeld bei Gebrauch von Minderheitensprachen im Parlament und anderen öffentlichen Einrichtungen auferlegt werden.  

In einem kürzlich mit EurActiv Ungarn geführten Interview sagte der ungarische Außenminister und ehemaliger EU-Kommissar Péter Balázs, dass die jetzige slowakische Regierung – eine Koalition zwischen der SMER und den Nationalisten der SNS– „kein idealer Partner“ für sein Land sei (EurActiv vom 27. April 2009). Die SNS erhielt einen Sitz bei den Wahlen zum Europaparlament. 

Die Spannungen verstärkten sich, nachdem dem ungarischen Präsidenten Laszlo Solymon die Einreise für eine Gedenkveranstaltung verwehrt wurde (EurActiv vom 24. August 2009).

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