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Verarmte Südosteuropäer heizen mit Holz

Veröffentlicht 03. Juni 2010 - Aktualisiert 11. Juni 2010
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Steigende Strompreise stärken die Nutzung von Holz zum Heizen im südöstlichen Europa auf ein bedenkliches Niveau, was eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit und Umwelt darstellt, warnen Experten.

Regierungen in Südosteuropa sind größtenteils unfähig, das Problem der Energiearmut zu behandeln, was als die fehlende Möglichkeit der Menschen verstanden wird, ihre eigenen Häuser zu heizen, warnte Stefan Bouzarovski, Dozent für Humangeographie an der Universität Birmingham in Großbritannien.

Bei einer von IFRI, dem französischen Institut für Internationale Beziehungen, organisierten Konferenz am 1. Juni, sagte Bouzarovski, dass Bezirksheizsysteme, die noch aus der kommunistischen Ära stammten, „nicht die Lösung“ für das Heizen von Haushalten in der Region seien.

Während Energiepreise explodierten und Gehälter stagnierten, sei die Nutzung von Brennholz zu Heizzwecken zunehmend zu einer Alternative zu Strom geworden. Die Situation könnte sich noch verschlechtern, da der Kilowattstrompreis in der Region weiter steigen soll, warnte er.

Bouzarovski sagte, dass sich seit der Veröffentlichung des Berichts der Vereinten Nationen „In der Vergangenheit gefangen: Energie, Umwelt und Armut in Serbien und Montenegro“ wenig getan hätte.

Dieser Studie zufolge wurde beinahe die Hälfte der Bevölkerung durch die Verknüpfung von Energie und Armut marginalisiert. Über die Hälfte der Bevölkerung nutzt Holz und Braunkohle als Hauptquellen für das Heizen und Kochen, was hohe Level an Innenraumluftverschmutzung bewirkt und zu chronischen Krankheiten führen kann, so der Bericht.

Bouzarovski warnte nicht nur vor dem Einfluss auf die Umwelt in Sachen Entwaldung und CO2-Emissionen, sondern auch vor den Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, da die wenigsten Haushalte, die mit Holz heizen, eine adäquate Belüftung hätten.

Er sagte, dass die problematischsten Länder nicht nur die Bewerber der Westbalkanstaaten seien, sondern auch die EU-Mitglieder Bulgarien und Rumänien. Er bedauerte den Mangel an gezielten EU-Programmen für die „Energiearmen“.

Bouzarovski sagte, dass, obwohl viele Menschen in den letzten zwanzig Jahren in die Städte gezogen seien, die Nutzung von Brennholz nicht abgenommen habe. Dies weise darauf hin, dass Brennholz nicht nur in ländlichen Regionen, sondern auch in Städten genutzt werde.

Er warnte auch vor gewalttätigen Mikro-Konflikten zwischen Waldautoritäten und Wilderern, die seiner Angabe nach bereits stattfänden, doch nur wenig Beachtung erführen.

Hintergrund : 

Die südosteuropäische Region hänge von importierter Energie ab, größtenteils Öl und Gas, so ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Energiegemeinschaft, einem regionalen Organ, das südosteuropäische Länder in den Binnenenergiemarkt der EU integrieren soll.

Einige der Länder seien außerdem stark von importiertem Strom abhängig, so der Bericht.

Zusätzlich wurde das schwankende Stromkonsumverhalten der ärmeren Teile der Bevölkerung als Schlüsselfaktor für die Bedenken hervorgehoben. Schwankender Konsum wird durch den Fakt unterstützt, dass arme Menschen Brennholz zum Heizen nutzen, doch elektrische Heizungen während der Heizsaison oft genutzt werden, wenn die Nachfrage nach Brennholz ansteigt. Dies verschärft saisonale und wetterbedingte Höhepunkte in der Stromnachfrage. Extreme Scheitelpunkte könnten dann Stromausfälle hervorrufen oder eine Zuteilung von Strom erfordern, so der Bericht.

Experten sagten EurActiv, dass nur ein Wunder Südosteuropa vor einem lang anhaltenden Stromausfall infolge der Gaskrise im Januar 2009 bewahrt hätte (EurActiv 19.03.09).

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