Der Binnenstaat mit einer Bevölkerung von zwei Millionen, meist albanischen Ursprungs, gehört zu den ärmsten Ländern Europas und hat seit Ende des Kriegs mit Belgrad im Jahr 1999 Finanzhilfen in Höhe von vier Milliarden Euro verschlungen.
Das Land begeht den Jahrestag seiner Unabhängigkeit am Mittwoch, aber die wirtschaftlichen Probleme stellen immer noch eine schwere Last dar. Internationale Finanzhilfen machen 15% des BIP aus und Finanzminister Ahmet Shala hat bereits angekündigt, das Kosovo werde weitere Hilfen benötigen, um die diesjährige Haushaltslücke zu füllen.
Westliche Länder haben derzeit jedoch mit ihren eigenen Finanzproblemen zu kämpfen und wollen daher, dass das Kosovo mit dem Aufbau einer eigenständigen tragfähigen Volkswirtschaft beginnt.
"Die internationalen Hilfen werden weiterlaufen, aber dies wird nicht ausreichend sein, um die wirtschaftlichen Probleme zu lösen und wirkliche Fortschritte im Land anzustoßen", sagte Michael Giffoni, italienischer Botschafter in Pristina, dessen Land ein bedeutender Geldgeber bleibt.
Der Teufelskreis aus Abhängigkeit von externen Hilfen müsse durchbrochen werden.
Die Volkswirtschaft des Kosovo wird vom Export von Metallen angetrieben und erzielt keine ausreichenden Einnahmen für die Regierung. Zudem kann der Arbeitsmarkt den Neuzugang von etwa 30.000 Jugendlichen jährlich nicht verkraften. Exporte decken nur 10% der Importe ab, wodurch der Druck auf den Staatshaushalt wächst.
Die Arbeitslosigkeit beträgt derzeit 40%.
Der 62-jährige Naxhie Rushiti aus dem Dorf Raskove bei Pristina spricht im Namen vieler Einwohner, wenn er sagt: "Eine griechische Organisation hat 1999 mein Haus gebaut. Heute ist es jedoch unser größter und einziger Wunsch, Arbeit für meine zwei Söhne zu finden."
Junge Bevölkerung
Etwa 65% der Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt. Viele versuchen jedoch, das Kosovo Richtung Westeuropa zu verlassen, oft indem sie zwischen 2.000 und 3.000 Euro an Menschenschlepper zahlen.
Der stellvertretende Ministerpräsident Hajredin Kuci sagte Reuters diese Woche, das Kosovo werde für die nächsten 3-5 Jahre weiterhin auf Auslandshilfen angewiesen sein. Ziel sei es allerdings nicht, Auslandshilfen zum bloßen Überleben, sondern für die wirtschaftliche Entwicklung zu erhalten.
Bisher haben fünfundsechzig Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten und ihrer wesentlichen europäischen Verbündeten, das Kosovo anerkannt. Gegenwind aus Serbien, Russland und China hat die Aufnahme in die Vereinten Nationen jedoch verhindert.
Ständige Spannungen zwischen Albanern und Serben sowie die blühende Kriminalität haben zu einem Mangel an ausländischen Investitionen beigetragen.
"Ohne robuste rechtliche Rahmenbedingungen läuft das Kosovo Gefahr, sich zu einem auf Dauer verarmten Land zu entwickeln. Dies kann jahrzehntelang so weitergehen", warnt Marko Prelec, Direktor für den Balkan bei der Brüsseler Denkfabrik International Crisis Group (ICG).
Obwohl weiterhin 10.000 NATO-Truppen sowie 2.000 Polizisten, Richter und Staatsanwälte aus der EU im Land stationiert sind, bleibt das Kosovo einem Bericht der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2009 zufolge Transitquelle und -ort für Aktivitäten des organisierten Verbrechens.
Zudem hat die Regierung 15% ihres nördlichen Gebiets weiterhin nicht unter Kontrolle. Dort lebt die Hälfte der 120.000 kosovarischen Serben, welche die von Albanern geleiteten Institutionen nicht anerkennen.
"Ohne Rechtsstaatlichkeit werden öffentliche Gelder von Beamten zweckentfremdet und es gibt keine funktionierende Volkswirtschaft. Ohne funktionierende Volkswirtschaft aber lässt sich die Kriminalität nicht bekämpfen. Dieser Kreis setzt sich im Kosovo immer weiter fort", erklärte Engjellushe Morina von der gemeinnützigen Organisation Kosovo Stability Initiative.
Ein Jahrzehnt nach der NATO-Bombardierung, die serbische Kräfte zu einem Ende des gewalttätigen Vorgehens gegen die Albaner bewegte, will das Kosovo seine Wirtschaft auf Grundlage seiner Rohstoffvorkommen – Braunkohle, Blei, Zink und Nickel – sowie der Energie seine schnell wachsenden jungen Bevölkerung wieder aufbauen.
Die Volkswirtschaft soll dieses Jahr um etwa vier Prozent wachsen, mehr als in jeglichem anderen Balkanstaat. Experten zufolge benötigt das Kosovo jedoch ein deutlich höheres Wachstum, um gegen Arbeitslosigkeit und Armut ernstlich vorzugehen. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt im Kosovo lediglich 1.760 Euro, während der EU-Durchschnitt bei 24.000 Euro liegt.
(EurActiv mit Reuters.)




