EurActiv Logo
 
20. November 2008
Breaking News:

Zypern: Wiedervereinigungsgespräche stehen bevor [DE][en][fr

Erschienen: Montag 28. Juli 2008   

Griechische und türkische Zyprioten haben sich am 25. Juli 2008 darauf geeinigt, direkte Gespräche über die Wiedervereinigung der Insel aufzunehmen und dafür die volle Unterstützung der EU erhalten. Ein neu ernannter UN-Vermittler ist gestern (27. Juli 2008) in Zypern eingetroffen, um die Aufnahme der historischen Gespräche am 3. September zu unterstützen. 

Hintergrund:

Die Wahl von Demetris Christofias zum Präsidenten Zyperns im vergangenen Februar brachte vielversprechende Aussichten mit sich, was die Wiedervereinigung der Insel betrifft, da Christofias ein gutes persönliches Verhältnis zu dem Anführer der türkischen Gemeinschaft, Mehmet Ali Talat pflegt. Zypern ist zweigeteilt, seit türkische Truppen im Jahr 1974 einmarschierten, um Griechenland davon abzuhalten, die Insel zu annektieren.

Das neue, von Vertrauen geprägte Klima, wurde durch die Öffnung der Ledra-Straße im Herzen der Hauptstadt Nikosia auf bemerkenswerte Weise veranschaulicht (EurActiv vom 4. April 2008). 

Christofias ist der Generalsekretär von AKEL, einer marxistisch-leninistischen Partei und der erste kommunistische Staatschef der EU. Er pflegt ein gutes persönliches Verhältnis mit dem Präsidenten der nicht als unabhängigen Staat anerkannten „Türkischen Republik Nordzypern“ Mehmet Ali Talat, der ebenfalls dem linken Flügel angehört.

Zum gleichen Thema:

Weitere Nachrichten:

Zyperns Präsident Dimitris Christofias und der türkisch-zypriotische Volksgruppenführer Mehmet Ali Talat werden die Gespräche am 3. September 2008 aufnehmen. Diese werden von Alexander Downer, dem neuen UN-Zypernbeauftragten und ehemaligen australischen Außenminister, geleitet. 

Während der Gespräche müssen schwierige Themen wie die militärische Besetzung Nordzyperns durch die Türkei angesprochen werden. Die Rückgabe von im besetzten Gebiet beschlagnahmten Besitztümern an deren rechtmäßige Besitzer stellt ebenfalls eine große Herausforderung dar.

Presseberichten zufolge, in denen UN-Quellen zitiert werden, werde die künftige Einigung in getrennten Referenden von beiden Teilen der Insel bestätigt werden müssen.

Ein früherer Friedensplan, der von der UN unter der Präsidentschaft Tassos Papadopoulos entworfen worden war, wurde im Jahr 2004 von den griechischen Zyprioten in einem Referendum abgelehnt, die damit eine Unterbrechung der Friedensgespräche für vier Jahre herbeiführten. Die türkischen Zyprioten hatten den Friedensplan angenommen. 

In der Zwischenzeit stellte Christofias die Struktur eines wiedervereinigten Zyperns dar. In einer Rede im Fremdenverkehrsort Paphos sagte er, Zypern nähme die Form eines Föderalstaats an, mit einer wechselnden Präsidentschaft und einem kleinen inneren Kabinett, das für EU-Angelegenheiten zuständig wäre. 

Positionen:

Der UN-Sonderbeauftragte für Zypern, Alexander Downer, der heute (28. Juli 2008) in Larnaka eintraf, sagte, man sei sehr erfreut über die Entscheidung, direkte Gespräche aufzunehmen. Auch der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüße diesen Schritt.

Auch Kommissionspräsident José Manuel Barroso brachte in einer Stellungnahme seine Zufriedenheit zum Ausdruck. Nicht nur die Zyprioten selbst, sondern auch der Rest der Europäischen Union würde von einem vereinten und integrierten Zypern profitieren, so Barroso.

Der Anführer der türkischen Zyprioten Mehmet Ali Talat soll gesagt haben, eine Lösung des Zypern-Problems solle in einigen Monaten, nicht Jahren gefunden werden.

Nächste Schritte:

  • 3. September 2008: Beginn der direkten Gespräche, die zur Wiedervereinigung Zyperns führen sollen.

Links

Advertising
Advertising