Nach einem Mittagessen mit Politikern der liberalen Parteien Europas, sprach Cowen zu Journalisten und schien optimistisch zu sein, dass Fortschritte erzielt wurden, der irischen Regierung die nötige Absicherung zu geben, um die ihre Bevölkerung ein zweites Mal über den Vertrag abstimmen zu lassen.
Er fügte hinzu, dass der Vertrag von Lissabon die Institutionen der Union modernisieren solle. Dies sei nötig, um die brisanten Fragen des Tages, wie zum Beispiel die Arbeitsmarktpolitik, die Wirtschaftspolitik und den Klimawandel effektiv bewältigen zu können. Weiter sagte er, dass es Themen gäbe die lieber in der Europäischen Union angesprochen werden sollten.
Trotz der vorhandenen Ängste, die instabile politische und wirtschaftliche Lage könne dazu führen, dass die Iren ein zweites Mal mit „Nein“ abstimmten sagte Cowen, dass weitgehend Einsicht herrsche, dass der wirtschaftliche Abschwung einer gemeinsamen Reaktion der EU bedarf. Dies würde auch den richtigen Hintergrund für das zweite Referendum darstellen.
Am Mittwoch (18. März 2009) sagten der irische Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy und der Chef des Europabüros in Dublin, Martin Territ vor einem Treffen mit allen 27 EU-Kommissaren, dass die schwierige wirtschaftliche Lage, schwerwiegende Konsequenzen für eine wiederholte Abstimmung haben könne. Ein Notfallbudget das im April vorgestellt wird, könnte ein weiteres Problem für die Beliebtheit von Cowens Regierung darstellen, obwohl die Bevölkerung den Vertrag, aktuellen Umfragen zufolge, größtenteils unterstützt hatte
Der Premierminister wird den derzeitigen Stand in Irlands Debatte um den Vertrag von Lissabon vorstellen, obwohl erwartet wird, dass es auf dem Gipfel dieser Woche zu keiner Einigung kommt. Der Beschlussentwurf sieht stattdessen eine Einigung auf dem Treffen im Juni vor.
Was man in dieser schwierigen Situation brauche, sei ein eindeutiger Zeitplan, sagte Hans-Gert Pöttering, der Präsident des Europäischen Parlamentes gestern (EurActiv vom 20. März 2009). Egal was auch passiere, man wolle, dass die Wahl des Kommissionspräsidenten am 15. Juli 2009 bei der ersten Sitzung des Europäischen Parlamentes stattfinde.
Experten sind sich einig, dass wenn es im Juni Vereinbarungen gäbe, diese Frage zu klären, es nicht genug Zeit geben würde, ein zweites Referendum zu organisieren und bekannt zu geben. In den vergangen Wochen hat es Spekulationen gegeben, dass die irische Regierung, zeitgleich mit den Europawahlen, im Juni ein Referendum abhalten könnte, um von der Unterstützung die von den Wahlbarometern ausgeht zu profitieren. Jedoch wies der irische Minister für europäische Angelegenheiten, Dick Roche, diese Idee zurück und sagte, ein Referendum das am gleichen Tag stattfinde wie die Europawahlen, sei ein gefundenes Fressen für Euroskeptiker (EurActiv vom 13. Februar 2009).
Unterdessen plant die Europäische Kommission 1,8 Millionen Euro für eine öffentliche Informationskampagne auszugeben, um das Verständnis des Lissabon-Vertrages zu verbessern.



