Während einer Debatte vor der Abstimmung auf dem öffentlichen französischen Fernsehsender France 2 sagte der Präsident der MoDem-Partei, François Bayrou, dass seine Partei gegen die Wiederernennung von Barroso sei, der die Annahme durch das Parlament braucht.
Bayrou stimmte dem Vizevorsitzenden der Europäischen Grünen Daniel Cohn-Bendit zu, der vor langer Zeit die „Stop Barroso“-Kampage startete (EurActiv vom 30. März 2009). Er stimmte damit auch der Vorsitzenden der Sozialdemokraten, Martine Aubry zu, die ebenfalls bei der Debatte anwesend war und die in den letzten Monaten für Poul Nyrup Rasmussen, den ehemaligen dänischen Ministerpräsidenten und derzeitigen Präsidenten der Europäischen Sozialdemokraten, als Nachfolger Barrosos anzutreten geworben hat.
Aubry erklärte, dass die SPE nicht mit einem alternativen Kandidaten ins Rennen gegangen sei, da der spanische Ministerpräsident gesagt habe, er würde Barroso aufgrund der iberischen Solidarität unterstützen auch auf die Gefahr hin, dass die EVP mit „irgendeinem Berlusconifreund“ auftauchen würde. Nach den letzten Umfragen würde Berlusconi wahrscheinlich die größte nationale Gruppe an die EVP schicken, die im nächsten Europäischen Parlament arbeiten wird.
In der Tat erwartet das Parlament, dass man auf der ersten Sitzung am 14. Juli diskutieren und sogar entscheiden werde, wer der nächste Präsident der Europäischen Kommission werden solle (EurActiv vom 20. März 2009).
Aber Bayrou scheint mit Graham Watson, dem bisherigen Vorsitzenden der ALDE-Fraktion im europäischen Parlament nicht überzueinstimmen, der am Donnerstag zu einer Übereinkunft zwischen den Liberalen und der mitte-rechtsgerichteten EVP plädiert hatte.
Er glaube dass die mitte-rechtsgerichteten Parteien eine konservative Mehrheit erreichen würden. Die Sozialdemokraten würden durch die Wahl demoralisiert sein, was wiederum die Tür für eine neue Ordnung im Parlament öffnen könne, sowohl für die Liberalen als auch die rechte Mitte, so zitierte Reuters Watson. Watson selbst ist Kandidat für die Präsidentschaft des nächsten europäischen Parlaments (EurActiv vom 8. Januar 2009) und zwar für ein volles Mandat von fünf Jahren. Beobachter sagen, dass er auf die Unterstützung der EVP hofft.
Nach den Angaben der letzten Umfrage wird die EVP 262 Sitze haben und die Liberalen 85. Auf die Unterstützung der neulich gegründeten Fraktion um die britischen Konservativen (EurActiv vom 2. Juni 2009) zählend, die etwa 53 Mitglieder enthalten wird, sieht es so aus als hätte das Barroso-Lager 400 Mitglieder, mehr als genug für eine einfache Mehrheit in der 736 Mitglieder umfassenden Versammlung.
Die letzten Unfragen sehen zehn Sitze für die französischen liberalen von MoDem. Trotzdem, da die Abstimmung geheim ist, kann die Wiederwahl von Barroso nicht als sicher gelten. In einer informellen Umfrage, die von der Webseite www.predict09.eu durchgeführt wurde, befindet sich die Unterstützung für Barroso im freien Fall.
Von den 4678 Besuchern der Seite, die an der Umfrage Teil genommen hatten, wer der neue Kommissionspräsident werden sollte kam Rasmussen auf 50 Prozent und Monica Frassoni und Daniel Cohn-Bendit von den Grünen auf 22 Prozent. Der liberale ehemalige belgische Premierminister Guy Verhofstadt kam auf 9 Prozent und Barroso erreicht lediglich 8 Prozent der Stimmen.



