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Osteuropa großer Verlierer bei Rennen um Parlamentsposten [DE]

Veröffentlicht 23. Juli 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Prominente osteuropäische MdEP haben das Gefühl, dass ihre Länder bei den Ausschussvorsitzen des Europäischen Parlamentes unterrepräsentiert sind, erfuhr EurActiv. Unterdessen kam auf, nachdem der Kuhhandel beendet war, dass Frankreich schlechter abschnitt als erwartet. 

Wie von EurActiv berichtet (EurActiv vom 9. Juli 2009), haben die Verhandlungen, um zu bestimmen welches MdEP von welcher Fraktion welchen Sitz bekommt, traditioneller Weise hinter veschlossenen Türen stattgefunden, und ist ein Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels der Hierarchien, um die endgültige Balance zu bestimmen. Kriterien umfassen große versus kleine Länder, das Gewicht der politischen Gruppierungen, die Gestalt und das Profil des MdEP, sowie ein ausgewogenes Verhältnis nach Geschlechtern.

Bei dieser Gelegenheit scheint es jedoch so, dass eine Reihe prominenter Politiker unglücklich mit der Balance zwischen “alten” und “neuen” Mitgliedstaaten sind. Ungeachtet der Tatsache, dass ein Osteuropäer zum ersten Mal Parlamentspräsident sein wird (EurActiv vom 14. Juli 2009), wird mit Danuta Hübner in nur einem Ausschuss, dem Ausschuss für Regionale Entwicklung, der Vorsitz von einem MdEP aus einem neuen Land geführt. Unter anderen “neuen” Ländern konnte nicht ignoriert werden, dass diese hochrangigen MdEP, ein ehemaliger Premierminister und eine frühere Kommissarin, aus Polen kommen.

Gestern in einem Gespräch mit EurActiv, beklagte der Bulgarische sozialistische MdEP, Ivaylo Kalfin, die endgültige Entscheidung, indem er seiner von vielen MdEP aus den neuen Ländern, insbesondere aus den kleinen Ländern, mitempfundenen Frustration Ausdruck verlieh, dass sie in den Machtpositionen des Parlaments unterrepräsentiert seien.

Kalfin, der bis vor ein paar Tagen der stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister seines Landes war, erklärte EurActiv, dass der Grund für die bescheidene Vertretung der Osteuropäer in den Ausschüssen bis zu einem gewissen Grad technisch bedingt sei. 

Der Haupgrund sei die d'Hondt Methode [die höchste Mittelwertmethode, um Sitze in einer Parteiliste proportional zur Vertretung zu verteilen, welche nach dem belgischen Mathematiker Victor d'Hondt benannt ist], welche den Vertretern aus den größten Mitgliedstaaten die höchsten Anzahl Sitze garantiere, sagte Kalfin. Aber er fügte hinzu: “Wenn man aus einem kleinen Land zum ersten Mal in das Europäische Parlament kommt, wo wenige Menschen dich oder deine Qualifikationen kennen, sinken deine Chancen beträchtlich.

Nichtsdestoweniger, war Kalfin, der selbst ein Neuling im Parlament ist, erfolgreich darin, den Vize-Vorsitz im mächtigen Haushaltsausschuss zu bekommen. Elaine Cruikshanks, CEO bei Hill & Knowlton Brüssel und Vorsitzende von H&K Western Continental Europe, stimmte ihm zu und erklärte EurActiv, dass Persönlichkeitsstärke etwas sei, das man im Parlament “wieder und wieder” zählen sehe, da die Versammlung eine “konsensorientierte Institution” sei “und die Menschen fähig sein müssen, über Fraktionsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten.”

Desgleichen deutete Russell Patten, Geschäfstführer der Brüsseler Consultancy Grayling, an, dass MdEPs aus neuen Mitgliedstaaten immer noch einige Distanz hätten auf der Lernkurve des Europäischen Parlaments zu reisen, bevor the den Status etblierterer MdEPs erreichten. In einem Gespräch mit EurActiv erklärte der Chef von Grayling: “Wenn man auf die letzten fünf Jahre zurückschaut, wenn wir ehrlich sind, waren viele der MdEPs aus den neuen Mitgliedstaaten enttäuschend in der Art, wie sie verschiedene Aufträge behandelt haben. Es nahm für sie einige Jahre in Anspruch, nur um sich an die Art zu gewöhnen, wie das Parlament funktioniert.

Er fügte hinzu, dass die neuen Mitglieder “noch immer unter diesem Nachholbedarf leiden, sich selbst nicht als Individuen bewiesen zu haben” und “wenn man sich die Vorsitze der neuen Ausschüsse ansieht, haben sie eine unglaubliche Erfolgsgeschichte zu erzählen, welche viele der MdEPs aus den “neuen” Ländern nicht haben.

Frankreich verliert im Club der “großen Länder

Inzwischen haben Cruikshanks und Patten angedeutet, daß unter den traditionellen “Großmächten” Frankreich auf den ersten Blick als der große Verlierer für diese Amtsperiode erscheint, weil es über weniger Vorsitzpositionen als in der vorangegangenen Fünfjahresperiode verfügt.

Russel Patten argumentierte in Anbetracht dieser Tatsache, dass “Deutschland, Italien und das Vereinigte Königreich besonders erfolgreich gewesen seien”, wohingegen Frankreichs Teilhabe “eher enttäuschend” sei.

In der Analyse, weshalb dies der Fall sein könnte, legte er genau dar, dass “es immer die Frage gegeben hat, wie engagiert Frankreichs MdEPs tatsächlich sind” und argumentierte, dass französische MdEPs “nicht so versessen darauf, wie andere große Länder waren, an den entscheidenden Debatten teilzuhaben.”

Dennoch fügte er hinzu, dass aller Kuhhandel nicht vollständig sei, da die Schlüsselpositionen der Berichterstatter und Koordinatoren aufgeteilt werden müssten. “Man muss die Frage stellen: Wie mächtig ist ein Ausschussvorsitz? Wer hat tatsächlich die Macht? Es sind wahrscheinlich die Berichterstatter über Dossiers und die Koordinatoren; daher könnte es nützlich sein, nachzusehen, wieviele Berichterstatter Franzosen sind”, stellte Patten in Frage. “Irgendwann könnte man finden, dass die Franzosen ein bisschen besser sind” folgerte er, obwohl ihm H&K's Cruikshanks widersprach, indem sie argumentierte, dass französische MdEPs “einen relativen Mangel an Teilhabe” in Bezug auf Berichterstattung hätten, was gegen sie sprechen könnte, weil die Menschen MdEP in einflussreichen Positionen, die sie besetzen werden und auf denen sie Teilhabe ausüben, wollten.

EurActiv Frankreich berichtete zu Beginn dieser Woche, dass der Agarausschuss des Parlaments, welcher für französische strategische Interessen von Bedeutung ist, in der Folge von Kämpfen zwischen verschiedenen französischen Gruppen nicht von einem französischen MdEP geführt werden wird. Der AGRI-Ausschuss wird stattdessen vom italienischen sozialistischen MdEP, Paolo de Castro geführt.

Stellungnahmen: 

Der bulgarische sozialistische EU-Abgeordnete Ivaylo Kalfin, der vor zwei Tagen noch Vizepremier und Außenminister seines Landes war, erklärte EurActiv gegenüber, dass der Grund für die bescheidene Repräsentanz der Osteuropäer in den Ausschüssen bis zu einem gewissen Grad technische Ursachen habe. "Der Hauptgrund ist die d'Hondt Methode [eine Methode bei der die höchsten Durchschnittswerte zur Verteilung der Sitze verwendet werden, nach dem belgischen Mathematiker d'Hondt], die Repräsentanten der größten Länder die größte Zahl an Sitzen garantiert", sagte Kalfin.  

Er fügte aber hinzu: "Wenn man aus einem kleinen Land zum ersten Mal ins europäische Parlament kommt, wo wenige Menschen wissen wer man ist und wie man qualifiziert ist, sinken die Chancen erheblich." 

Elaine Cruikshanks, Geschäftsführerin bei Hill & Knowlton Brüssel und Vorsitzende von H&K Western Continental Europe, erklärte EurActiv gegenüber: "Puristen im Europäischen Parlament würden argumentieren, dass es falsch sei, über Nationalitäten zu sprechen, da es transnationale politische Fraktionen gibt". Jedoch fuhr sie fort:

"Offensichtlich diktieren nationale Delegationen innerhalb der großen Fraktionen schon einige Veränderungen".

Sie ging dazu über, die Bedeutung der "Persönlichkeit und der Erfolgsbilanz" anzusprechen und argumentierte, "Persönlichkeitsstärke ist etwas, von der man im Parlament sieht, dass sie wieder und wieder zählt", unter der Voraussetzung, dass die EU-Versammlung "eine einvernehmliche Institution ist und Menschen in der Lage sein müssen quer über die einzelnen Gruppen zu arbeiten".

In Bezug auf Frankreichs relativen Mangel an Ausschussvorsitzen dieses Mal, argumentierte Cruikshanks, dass die französischen MdEP wenig Teilnahme zeigten, was die Berichterstattung angehe, was während dem Rennen um die Spitzenpositionen gegen sie verwendet worden sein könnte. 

"Ich glaube das zählt nicht", sagte sie, weil "die Menschen Abgeordnete auf Einflusspositionen wollen die Engagement und Teilnahme zeigen". 

Jedoch folgerte Sie, dass man die Bedeutung dieser Vorsitze im Vergleich zu den Berichterstattern nicht überschätzen sollte. 

Russel Patten, Geschäftsführer der Brüsseler Beratungsfirma Grayling, erklärte EurActiv, dass ein Abgeordneter aus einem "neuen" Land immer noch viel lernen müsse, bevor er den Status eines etablierteren MdEP erreiche. 

Er argumentierte: "Wenn man auf die letzten fünf Jahre zurückblickt, haben viele der MdEP aus den neuen Ländern in der Art wie sie verschiedene Akten gehandhabt haben enttäuscht. Viele von Ihnen haben einige Jahre gebraucht, um sich daran zu gewöhnen, wie das Parlament funktioniert. Ich glaube, dass sie immer noch unter dem Rückstand leiden, sich als Individuen nicht behauptet zu haben".

Er ging dazu über zu sagen: "Wenn man sich die Vorsitzenden der neuen Ausschüsse ansieht, können diese unglaubliche Erfolgsbilanzen vorweisen, was viele der MdEP aus den neuen Ländern nicht können". 

In Bezug auf die "großen" Länder glaubt Patten, dass Deutschland, Italien und Großbritannien besonders gut abgeschnitten hätten, Frankreichs Anteil aber ziemlich enttäuschend sei. 

In einem Urteil darüber, warum dies der Fall sein könnte, sagte er: "Es könnte auch tatsächlich sein, dass die Franzosen für die letzten 10 oder 15 Jahre nicht so sehr daran interessiert waren, sich in Schlüsseldebatten einzubringen. Es gab schon immer die Frage, wie engagiert französische MdEP wirklich sind". 

Jedoch fügte er hinzu, dass man in dieser Debatte wirklich fragen müsse: "Wie einflussreich ist ein Ausschussvorsitz? Wer hat die wahre Macht? Es sind wahrscheinlich die Berichterstatter der Dossiers und die Koordinatoren, also könnte es nützlich sein zu erfahren, wie viele französische Berichterstatter es gibt". "Am Ende könnte man sogar feststellen, dass die Franzosen etwas besser abschneiden", folgerte er. 

Hintergrund : 

Die Ausschussvorsitze des Europäischen Parlamentes sind unter den MdEP als hochstrangigste und einflussreichste Positionen besonders begehrt. 

Wie immer, wurde die Verteilung der Ausschussvorsitzenden durch Verhandlungen zwischen den politischen Gruppierungen bestimmt, auf der Basis eines Systems, das den Fraktionen aufgrund ihrer Größe proportionale Repräsentation zuspricht (die so genannte "D'Hondt Methode'). 

Die mitte-rechtsgerichtete EVP Fraktion behielt neun Vorsitzposten, die Sozialdemokraten sechs und die Liberalen drei, während die Grüne Fraktion und die ECR jeweils einen Vorsitz abbekamen (EurActiv von 17. Juli 2009).  

Die Vorsitze der Ausschüsse mit der meisten gesetzgebenden Macht werden zwischen den beiden größten Gruppen, den mitte-rechtsgerichteten Europäischen Volkspartei (EVP) und der Allianz der Sozialdemokraten und Demokraten Europas (S&D) vergeben, die sie jeweils für zweieinhalb Jahre innehaben. 

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