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Webseite bringt Abstimmungsverhalten von Abgeordneten vor Europawahl ans Licht [DE]

Veröffentlicht 12. Mai 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Bürger werden in der Lage sein, das Abstimmungsverhalten der Europaabgeordneten vor der Wahl im nächsten Monat einzusehen, nachdem gestern (11. Mai 2009) eine neue Webseite gestartet wurde, die diese Art von Details öffentlich zugänglich macht. 

Das VoteWatch.eu Projekt, das versucht die Transparenz der EU-Entscheidungsfindung und die Qualität der Debatte zu verbessern, vergleicht auf öffentlich zugänglicher Basis die Anwesenheit, das Abstimmungsverhalten und weitere Aktivitäten von Europaabgeordneten auf einem gemeinsamen durchsuchbaren Portal.

Das Projekt biete detaillierte Informationen über das Abstimmungsverhalten der Parlamentarier und ihre formellen politischen Aktivitäten, von der Arbeit in den Ausschüssen, bis hin zu parlamentarischen Berichten und umfasse einfachen Zugang zu den politischen Koalitionen die um politische Themen herum geschlossen würden, so eine Erklärung auf der Webseite. 

Weder sei man wahlkampforientiert oder parteipolitisch noch erhalte man Gelder von einer der EU-Institutionen oder Regierungsorganisationen, sagte Projektleiterin Sara Hagemann vom European Policy Centre (EPC), einem in Brüssel ansässigen Think-Tank. Alle Informationen seien öffentlich zugänglich, seien aber schwer zu finden. Man habe nun all diese zusammengefügt, sagte sie.

Nutzer könnten die individuellen Abstimmungsverhalten von Europaabgeordneten einsehen oder Zugang zu Daten bekommen, die nach Nationalitäten oder politischen Gruppen geordnet seien.

Punkte für Zusammenhang mit der Partei die zusammen mit den Daten aufgeführt werden, sollen zeigen in wie weit die Mitglieder in vorherigen Abstimmungen über ähnliche Themenfelder abgestimmt haben, oder ob sie auf Parteilinie geblieben sind, was den Benutzern die Möglichkeit gibt, zu sehen, wie sich das Abstimmungsverhalten ihrer Europaabgeordneten über die Jahre verändert hat.  Es gäbe sich verändernde Koalitionen im Europäischen Parlament, wie sich verändernde Koalitionen im US-Kongress, sagte Simon Hix von der London School of Economics, der auch an der Webseite mitgearbeitet hat. 

Keine öffentliche Demontage

Hix unterstrich rasch, dass die Information auf VoteWatch.eu rein objektiv sei. „Es sei keine Seite die eine öffentliche Demontage betreibe und er glaube dass es schwierig sei, die Seite dafür zu benutzen. Sie sei nicht nachträglich manipuliert worden. Dies bedeute, dass man die Informationen nun nutzen könne, die das Parlament bereitstelle. Vorher sei dies nicht der Fall gewesen. 

Ein Nachteil der Seite sei, dass man nur Abstimmungen erfassen könne, die offiziell dokumentiert wurden (so genannte Roll-Calls) und nicht die elektronische Abstimmung oder die Abstimmung per Handzeichen erfasst. Aber alle wichtigen Abstimmungen oder solche die Lobbying erfordern sind offiziell dokumentiert. 

In der Tat sagte Guillaume McLaughin, ein Mitglied des Generalsekretariats der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE), dass das Europäische Parlament entschieden habe, dass alle letztendlichen Abstimmungen namentlich sein sollen. Er fügte hinzu, dass politische Gruppen wahrscheinlich die Seite nutzen werden um zu sehen, wie sich ihre Mitglieder verhalten.

Webseite darf nicht das Versagen der EU-Institutionen verdecken

Der Ombudsmann der EU P.Nikiforos Diamandouros sagte jedoch, dass die Initiative nicht dazu verwendet werden sollte, die eigenen Kommunikationsprobleme des Europäischen Parlaments zu verstecken, insbesondere nicht die des Rates. 

Die Bürger werden nicht zufrieden sein, bis die rechtlichen Beratungen öffentlich gemacht wurden, sagte Diamandouros und äußerte seine Zuversicht, dass die anstehende schwedische EU-Ratspräsidentschaft die Transparenz verbessern werde. Das Thema werde in den nächsten Jahren noch brisanter werden.  Rat bereitet sich auf ähnliche Überwachung vor.

Die Gründer des Projekts haben sogar vorgeschlagen, ein ähnliches System für den Ministerrat der EU einzuführen, der die 27 Mitgliedsstaaten der Union repräsentiert.  Die Überwachung der Aktivitäten des Rates durch die nationalen Parlamente sei nicht einfach. Es seien zwar viele Daten zugänglich, aber die Qualität sei eingeschränkt, so Hagemann vom EPC.

Die Abstimmungsverhalten seien geschwärzt und zeigen nicht, welches Land für etwas gewesen sei und welches Land gegen etwas gewesen sei, so Hagemann weiter. Sie sagte weiterhin, dass VoteWatch.eu später im Jahr oder früh im nächsten expandieren würde, um Informationen über Abstimmungsverhalten von Regierungen im Ministerrat zu zeigen. 

Während des nächsten halben Jahres müsse man die Daten für den Rat in einer ähnlichen Art und Weise präsentieren. Allerdings würde es etwas anders von statten gehen und man bräuchte die Kooperation des Generalsekretariats des Rates, so Hagemann weiter. 

Stellungnahmen: 

In Aufforderung an den Rat die Transparenz zu verbessern, sagte Giullaume McLaughlin, Mitglied der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) sagte, dass der Rat hier unbestraft bleibe, da ähnliche Daten nicht existierten. 

Für das Europäische Parlament werde es, aufgrund von VoteWatch.eu zahlreich an Kritik hageln, sagte McLaughlin voraus. 

David Galloway vom Generalsekreteriat des Rates wies Behauptungen, dass der Rat bei der Transparenz versage und vorschlage die Neuigkeit, dass ein ähnliches Programm zur Entscheidung unterwegs sei zurück und sagte, dass Brüssel eine der transparentesten Städte der Welt sei und genau genommen würden viele der Überlegungen des Rates veröffentlicht. 

Der Financial Times Journalist Tony Barber sagte, dass VoteWatch.eu sehr beeindruckend und benutzerfreundlich aussehe und fügte hinzu, dass eine ähnliche Studie für den Rat großartig wäre.  

Ein weiterer Journalist sagte, dass die Webseite gut sei, um herauszufinden ob die Liberalen nach den nächsten Wahlen eher für die SPE oder die EVP stimmen würden, was sogar wichtiger sei als wer gewinne. 

Der EU-Bürgerbeauftragte P. Nikiforos Diamandouros begrüßte das Tool und sagte, dass der beste Weg, um das Vertrauen in die Union zu stärken, die Verbesserung der Transparenz der Entscheidungsprozesse sei. Ein Fehlen an Transparenz im legislativen Prozess neben Schwierigkeiten in der Prüfung von Dokumenten sei mit Abstand der häufigste Punkt, den die Bürger beklagten, sagte er. 

Transparenz sei bis jetzt keine hohe Priorität auf der EU-Agenda eingeräumt worden, aber dies stehe nun im Vordergrund. Die Richtlinie zum Zugang zu Dokumenten sei ein entscheidender Meilenstein, da sie die Offenheit zur Regel und Geheimhaltung zur Ausnahme mache. Jedoch sei die Situation noch weit davon entfernt perfekt zu sein, so Diamandouros.

Jana Mittermaier, die das EU-Büro von Transparency International leitet drückte ihre Unterstützung für die Initiative aus und sagte, dass die Nutzung neuer Medien helfen würde neue Transparenz zu fördern. Es würde mir gefallen, ein ähnliches Programm für den Rat zu sehen, fügte sie hinzu. 

Initiativen wie VoteWatch.eu und Farmsubsidy.org  zeigten wie schwierig es für Bürger sei, an die Informationen zu gelangen, die von den EU-Instutionen angeboten würden, trotz entscheidender Schritte, die sie bisher unternommen hätten, so Mittermaier.

Der Rat sei extrem schwierig. Man könne solche Informationen bekommen wenn man sie verlange, aber die Abstimmungsverhalten seien ausgeschwärzt.   Sie sprach über das gemeinsame Lobbyregister, das von der Kommission und von Parlament gestartet wurde, als „sehr wichtiges Instrument”, warnte aber, dass es damit Probleme gebe. 

Man ermutige alle Interessensvertreter, sich zu registrieren und es zu nutzen. Ein interinstitutionelles Register würde nur funktionieren, wenn alle Institutionen es auch aktiv nutzen würden, womit dann die Registrierung fast obligatorisch würde, sagte sie. 

In Bezug auf den Rat, sagte Mittermaier, dass es keinen Grund gebe warum er nicht das Lobbyregister nutzen solle, um mit den Regeln zum Dokumentenzugang überein zu stimmen. 

Daniel Pentzlin von Friends of the Earth Europe, sprach im Namen der Alliance for Lobbying Transparency and Ethics Regulation (ALTER-EU), einer weiteren Transparenz NGO und beschrieb VoteWatch.eu als großartiges Instrument zum Ankurbeln der Transparenz. 

Auch einige ehemalige Verbindungen zu Europaabgeordneten im aktuellen Archiv für vorheriges Abstimmungsverhalten in der Zukunft zu erreichen wäre sehr nützlich zur Identifizierung von widersprüchlichen Abstimmungsverhalten, so Pentzlin.

Nächste Schritte: 
  • 4.-7. Juni: Europawahlen. 
  • Ende 2009-Anfang 2010 : VoteWatch.eu soll ausgeweitet werden, um mehr Information über Regierungsentscheidungen zu Abstimmungsverhalten im Rat zu beinhalten.
Hintergrund : 

VoteWatch.eu was developed by political scientists from the London School of Economics (LSE) and the Free University of Brussels (ULB). 

Those involved include Sara Hagemann of the European Policy Centre, a Brussels-based think-tank, LSE professor Simon Hix, Doru Frantescu of the Qvorum Institute in Bucharest and Adbul G. Noury, associate professor of economics at ULB. 

VoteWatch.eu is described as a "not-for-profit organisation" supported by the Open Society Institute, an NGO, Burson Marsteller, a consultancy, and Electionmall.com. 

Yesterday's announcement follows the recent launch of other schemes to raise awareness of the European elections, including a new broadcasting service to "connect voters and candidates" by YouTube and Euronews (EurActiv 06/05/09) and a European Commission-backed campaign by MTV to engage young voters in EU politics (). 

A similar website launched last week allows users to collate the information on beneficiaries on EU farm subsidies under the Common Agricultural Policy (EurActiv 11/05/09). 

In November 2008, a panel of election strategists told MEPs that the power of the Internet could be harnessed to "reinvigorate and rejuvenate" EU politics and boost turnout in June's elections to the European Parliament (EurActiv 19/09/08). 

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