Ziel des Senders ist es, den europäischen Bürgern das Parlament auf moderne und kreative Weise näher zu bringen. Seine Befürworter hoffen, mit dem neuen Onlinesender die Wahlbeteiligung bei den Europawahlen im nächsten Juni besonders bei den jüngeren, technikversierten Wählern deutlich erhöhen zu können.
Bei der Inbetriebnahme des Senders sagte EP-Präsident Hans-Gert Pöttering mit Blick auf die anstehende Europawahl im Juni 2009 stelle EuroparlTV "ein hervorragendes Internet-Tool für die Bürger, insbesondere für junge Menschen, dar.
Alejo Vidal-Quadras, der für Information und Kommunikation zuständige Vize-Präsident des EP, erzählte EurActiv, dass EuroparlTV dem „politischen Desinteresse“ entgegenwirken könne, dem man „überall, nicht nur bei den jungen Leuten oder bei europapolitischen Themen“ begegne.
“Die Europäischen Institutionen sind für die EU-Bürgern nicht greifbar genug. Die Leute machen sich ihre Präsenz nicht bewusst“, meint Vidal-Quadras in der Hoffnung, dass die live übertragenen Programme und Debatten daran etwas ändern können. „Wir hoffen darauf, die Menschen zu Hause erreichen zu können – live.“
Kosten und Kritik
Alle Programme werden in mehr als 20 Sprachen übersetzt, wodurch EuroparlTV Vertretern des Parlaments zufolge „einmalig in der Welt“ ist. Einige Programme werden im Off-Ton-Modus übertragen, andere mit Untertiteln versehen, erklärten sie. Damit sollen so viele Bürger wie möglich erreicht werden.
Eine Ausstrahlung über das Internet sei kosteneffizienter, meint Marie-Hélène Descamps, eine französische Europaabgeordnete der Mitte-Rechts-Fraktion EVP-ED. Sie machte aber auch auf die Probleme, ein Interesse an EU-Themen bei einer weitgehend gleichgültigen Öffentlichkeit zu wecken, aufmerksam. „Man bringt einen Esel, der nicht durstig ist, nicht zum Trinken“, meinte sie zu EurActiv France.
Das Projekt ist mit einem Jahresbudget von 9 Millionen Euro ausgestattet, von denen der größte Teil in die Produktion der Programme und die Übersetzung fließen wird. Allein auf die Übersetzungen wird mehr als die Hälfte des gesamten Budgets aufgewendet werden. Von diesen Ausgaben werden hauptsächlich die 44 Vollzeit-Übersetzer bezahlt, die EuroparlTV in 22 Sprachen zum Leben erwecken sollen. Euronews zum Vergleich wird in acht Sprachen ausgestrahlt.



