Die Entscheidung den Leitzins der Europäischen Zentralbank nicht zu verändern, fällt kurz nach der vierten aufeinander folgenden Absenkung des Zinssatzes seit Oktober 2008. Damals lag der Leitzins in der Eurozone noch bei 3,75%.
Dennoch schloss der Zentralbankchef Jean-Claude Trichet nicht aus, in der nahen Zukunft weitere Schritte zu einzuleiten. Auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am 5. Februar 2009 sagte er, zwei Prozent seien noch nicht das niedrigste mögliche Niveau und er schließe nicht aus, dass der Leitzins beim nächsten Treffen wieder gesenkt werde.
Während er neue Zinssenkungen andeutete, sprach Trichet erneut seinen Widerspruch gegen eine „Liquiditätsfalle“ aus, bei welcher der Zinssatz auf 0% abstürzt, wie in Japan geschehen. Ein Zinssatz von 0% sei zu diesem Zeitpunkt nicht angemessen, erklärte der Zentralbankchef.
Ebenso betonte er, dass noch keine Gefahr der Deflation in Aussicht sei. Man erwarte, dass die Inflation unter, aber nahe bei zwei Prozent verankert bleibe. Eurostat schätzt, dass die Inflationsrate innerhalb der Eurozone im Januar bei 1,1% lag.
Trotz der Entscheidung der EZB, verlor der Euro gestern gegenüber dem britischen Pfund an Wert, da die Bank of England entschied ihren Referenzzinssatz um 50 Punkte auf einen Prozent zu senken. Dies stellt einen neuen Tiefpunkt in einer Reihe von aufeinander folgenden drastischen Kürzungen dar.
Die Währungsschwankungen verdeutlichen die momentanen wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Eurozone und obwohl die Zinssätze weiter sinken, zögern die Banken bei der Kreditvergabe. Trichet rief die Banken erneut dazu auf, Kredite an Unternehmen und Privathaushalte zu vergeben.
Unterdessen nutzen die EU-Mitgliedstaaten verstärkt die von der Kommission bereitgestellten Mittel, um die Wirtschaft anzukurbeln. Gestern genehmigte Brüssel drei Finanzpakete von Großbritannien, Frankreich und zuletzt von Deutschland.
Großbritannien folgte dem Vorbild Deutschlands, Frankreichs und Portugals und verabschiedete einen Plan, der jedem bis jetzt von der Krise betroffenen Unternehmen, sowie den Firmen die 2009 und 2010 in Schwierigkeiten geraten, Unterstützung in Höhe von 500.000 Euro zusagen soll.
Derweil akzeptierte Brüssel Pläne Frankreichs in Schwierigkeiten geratenen Firmen mit reduzierten Zinssätzen auf Kredite von beliebiger Dauer auszuhelfen, die bis 2010 abgeschlossen werden. Dies ist, unter den vier von der Kommission, im Rahmen der Krisenbewältigung beschlossenen Hilfspaketen, die dritte von Paris getroffene Maßnahme, um den Zugang zu Krediten zu erleichtern.
Deutschland wurde grünes Licht für eine Maßnahme gegeben, die darauf abzielt den Zugang zu Risikokapital für kleine und mittelständische Unternehmen zu erleichtern.



