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Deutschland Erster beim Verbot von ungedeckten Leerverkäufen

Veröffentlicht 19. Mai 2010 - Aktualisiert 21. Mai 2010
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Deutschland wurde heute (19. Mai) das erste europäische Land, dass ungedeckte Leerverkäufe in Aktien der zehn wichtigsten Finanzinstitute des Landes verboten hat, was den aktuellsten Schritt in Europas Kampf gegen Spekulanten darstellt.

Ein Sprecher des deutschen Finanzministeriums sagte am Dienstag (18. Mai), dass das Verbot der ungedeckten Leerverkäufe ebenfalls Credit Default Swaps (CDS) auf Euro-Staatsanleihen betreffe, von denen manche Politiker glauben, dass sie die griechische Schuldenkrise noch weiter befeuert hätten.

„Das Verbot tritt Mitternacht in Kraft“, so der Sprecher.

Die zehn Finanzinsitute, die von dem Verbot betroffen sind, schließen die Allianz, Commerzbank, Deutsche Bank, Deutsche Postbank, Generali Deutschland und Munich Re ein.

Es wird erwartet, dass Kanzlerin Angela Merkel die Maßnahme heute (19. Mai) formell ankündigt. Das Verbot wird zunächst für ein Jahr lang gültig sein.

Bei ungedeckten Leerverkäufen verkauft ein Händler Aktien oder Anleihen - und wettet darauf, dass diese an Wert verlieren - ohne dass er sie besitzt oder sicherstellt, dass sie verliehen werden können, wie es für konventionelle Leerverkäufe nötig ist.

Ein ungedeckter CDS-Vertrag ist typischerweise eine Wette, die von Investmentfirmen wie Hedgefonds darauf aufgenommen wird , dass die Anleihe des Ausstellers in Probleme geraten wird.

Der Schachzug stellt den aktuellsten Versuch dar, die Finanzinstitute vor spekulativen Angriffen zu schützen, nachdem die globale Finanzkrise europäische Regierungen dazu zwang, hunderte Milliarden Euro in die Rettung von maroden Banken zu pumpen.

Deutschland wird EU-Pionier

In den letzten Monaten hat die deutsche Regierung daran gearbeitet, ein neues Gesetz aufzulegen, dass den Schutz von Investoren erhöhen und die Funktionalität der Kapitalmärkte verbessern soll.

Der Regelentwurf, eine Antwort auf die Finanzkrise, sollte von Merkels Kabinett Mitte Juli angenommen werden und später in diesem Jahr nach der Parlamentsabstimmung als Gesetz verabschiedet werden.

Koalitionsquellen sagten, dass der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble das Verbot durch eine Rechtsverordnung erlassen will.

Plänen zufolge, die früher in diesem Jahr erstellt wurden, sollten ungedeckte Leerverkäufe durch ein Gesetz verboten werden, da sie ein Risiko für die Stabilität von Finanzmärkten darstellten. Ein elektronisches System für die Anmeldung und Veröffentlichung von Leerverkäufen und für Sanktionen zur Sicherstellung der Einhaltung durch Leerverkäufer würde aufgebaut werden.

Das deutsche Verbot folgt auf Aufrufe von Griechenland, Deutschland, Frankreich und Luxemburg im März, die eine rasche Aktion zur Eingrenzung oder sogar ein Verbot von CDS-Verträgen verlangten (EurActiv 11.03.10). 

Die Finanzminister der Europäischen Union diskutierten am 16. März Möglichkeiten im CDS-Markt, nachdem die Exekutive des Blocks sagte, sie werde ein Verbot von ungedeckten Verkäufen in Erwägung ziehen.

Großbritannien, die Heimat der großen Mehrheit von Europas Hedgefonds, hat Bedenken über die Effizienz der Maßnahme angemeldet.

„Wir müssen darüber nachdenken, und gründlich nachdenken, doch trotz allem ist es nicht der Schlüsselfaktor, der die Wahrnehmung der griechischen Schulden bestimmt hat“, sagte der Vorsitzende der britischen Finanzdienstleistungsbehörde, Adair Turner, im März.

Zweifel

Tim Ghriskey, Chef-Investor bei Solaris Asset Management in New York, sagte, er habe Zweifel, was die Effizienz des deutschen Verbots betreffe.

„Das einzige Problem ist, dass Investoren anderswo hingehen können, um Leerverkäufe abzuschließen, sie können überall hingehen, also ist dieses Gesetz unserer Auffassung nach zahnlos, außer es wird eine globale Restriktion“, sagte er. „Ich nehme an, das macht es etwas schwieriger, doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Lawrence Glazer, Managementpartner von Mayflower Advisor in Boston, sagte: „Das Motiv ist vermutlich eher, Preisschwankungen zu begrenzen und zu versuchen, eine Art Angriff auf Schulden oder Kapital zu vermeiden. Wir haben dies zuvor schon gesehen, doch immer, wenn regulierende Änderungen vorgenommen werden, ist es wichtig, aufmerksam zu sein.“

Robert Savage, Geschäftsführer von Track.com, fügte hinzu: „Dies ist keine Verzweiflungsmaßnahme. Es ist nur ein weiteres Instrument, das europäische Gesetzgeber nutzen, um diese Krise einzudämmen. Die Auffassung, dass ungedeckte Leerverkäufe eine destabilisierende Kraft sind, ist nicht neu in Europa, doch kürzlich wurden diese Bedenken von Ängsten begleitet, dass ihre Banken angegriffen werden, und sie agieren, um die Aktienwerte ihrer Banken zu schützen.“

Negative Marktreaktion

Händler reagierten zuerst alarmiert. Aktienkurse fielen diesen Morgen (19. Mai) in ganz Europa steil ab, nachdem die Nachrichten bekannt wurden, und erreichten ein Vier-Jahres-Tief gegenüber dem Dollar.

Die gemeinsame europäische Währung fiel unter $ 1,215 bevor sie sich bei $ 1,2202 erholte.

Die deutsche Vorgehensweise brachte japanische Händler dazu, es zu vermeiden, europäische Schulden während der asiatischen Handelszeiten am Montag zu verkaufen. „Heute ist die Situation so, dass es für uns schwierig ist, Bestellungen für europäische Anleihen aufzunehmen“, sagte Yasutoshi Nagai, Chefökonom bei Daiwa Securities Capital Markets.

Am Tag zuvor stieg Bund Future um 80 Punkte und erweiterte so Gewinne im späten europäischen Handel am Dienstag, nachdem Deutschland bekannt gegeben hatte, ungedeckte Leerverkäufe auf Staatsanleihen der Eurozonenländer und Credit Default Swaps zu verbieten.

Der June Bund Future stieg bis auf 127,40 nach den Nachrichten und stabilisierte sich bei 126,86.

US-Notenbanken konnten wegen der Neuigkeiten ihre Gewinne ausdehnen. Die 30-Jahres-Anleihen stiegen zuletzt um 1-7/32 im Tagespreis an, was einem Ertrag von 4,29 Prozent entspricht.

(EurActiv mit Reuters.)

Stellungnahmen: 

Die deutsche Initiative wurde von Eurointelligence, einer Euro-Kommentarseite, die von FT-Herausgeber Wolfgang Münchau betrieben wird, als „beinahe komisch“ beschrieben. „Die politische Idee ist, unsere Entschlusskraft gegen gierige Spekulanten zu zeigen, die angeblich den Euro destabilisieren“, so die Seite.

„Das Problem ist jedoch, dass es in Deutschland kaum CDS-Handel gibt. Der größte Teil davon findet in Großbritannien statt.“

Münchau zufolge „ist es unvorstellbar“, dass die neue Tory-Liberale-Regierung in Großbritannien das Verbot unterstützen wird, obwohl die Idee die Unterstützung von Lord Turner, dem Finanzregulierer, hat.

Vorausschauend glaubt der FT-Mitherausgeber, dass mehr zu erwarten ist, da Merkel von ihrer Partei unter Druck gesetzt wird, eine neue Steuer für das Bankensystem anzunehmen.

Hintergrund : 

Die Europäische Kommission sagte am 9. März, dass sie erwäge, ungedeckte Leerverkäufe von Derivativverträgen zu verbieten, und Griechenland sagte, die Einschränkung von Spekulanten würde von den G20 geprüft werden (EurAcitv 10.03.10). 

Die Maßnahme wurde durch die verzweifelte wirtschaftliche Situation des EU-Mitgliedsstaates Griechenland ausgelöst.

Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, die EU-Exekutive möchte, dass die G20 Spekulationen von Credit Default Swaps (CDS), einer Form von Ausfallsversicherungen, diskutiere.

Einige EU-Politiker beschuldigen Spekulanten, diese komplexen Finanzinstrumente benutzt zu haben, um auf einen griechischen Schuldenausfall zu wetten.

So genannte „ungedeckte“ Verkäufe bedeuten den Verkauf eines CDS an einen Käufer, der nicht die notwendigen autonomen Anleihen besitzt. Ein ungedeckter CDS Vertrag ist typischerweise eine Wette, die von Investmentfirmen wie Hedgefonds darauf aufgenommen wird,, dass der Aussteller der Anleihen in eine problematische Situation geraten wird.

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