Einen Tag, nachdem die Ratingagentur Standard and Poor’s die griechischen Schulden auf Ramsch-Status herabgesetzt hatte, ist die Nachfrage von Hauptinvestoren nach griechischen Anleihen am Mittwoch sprunghaft angestiegen und hat ihr Hoch in 14 Jahren erreicht.
Europäische Aktien sind am Mittwoch gefallen, als die Sorgen über die steuerliche Gesundheit von außenliegenden Mitgliedern der Eurozone sich steigerten, nachdem Standard and Poor’s Spaniens Schuldenrating eine Stufe herabsetzten.
Standard and Poor’s setzten ebenfalls Portugal herab und riefen damit Sorgen hervor, die Krise könne sich auf andere verschuldete Länder am Rand der Eurozone ausbreiten.
„Es scheint nur eine Herabstufung nach der anderen zu sein. Nur vor ein paar Monaten sah es so aus, als sei es auf Griechenland beschränkt, und in den letzten 24 Stunden haben wir gesehen, wie der Ansteckungseffekt einen festen Griff um Europa legt“, so Manoj Ladwa, Börsenhändler bei ETX Capital in London.
Die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde spielte die Ansteckungsgefahr in der Eurozone herunter. „Die Situation in Portugal ist nicht die gleiche wie in Griechenland. Das Schuldenniveau ist bedeutsam, aber die Portugiesen haben nicht [betreffend ihrer Finanzen] gelogen.“
Stark von der EZB sagt, die Beweislast liege bei Regierungen
„Die Chancen einer Nichterfüllung der griechischen Regierung steigen nicht nur täglich sondern stündlich. Wenn der IWF und die europäischen Regierungen nicht schnell eine Idee haben, sehe ich den Markt auf einer steilen Abwärtskurve“, so Koen de Leus, Ökonom bei KBC Securities.
EZB-Vorstandsmitglied Jürgen Stark warnte, dass die Situation gefährlich nahe daran sei, sich in eine ausgewachsene Staatsverschuldungskrise zu entwickeln.
„Der augenblickliche Trend in der Steuerpolitik ist einfach nicht haltbar […] Die Beweislast liegt jetzt bei den Regierungen, um sicherzustellen, dass die Krise, die zuerst den Finanzsektor betraf und dann die Realwirtschaft, sich nicht in eine Staatsverschuldungskrise ausweitet“, so Stark.
„Um sie abzuwenden, brauchen wir ehrgeizige und glaubwürdige Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung. Tatsächlich viel stärkere Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung, als wir sie bisher gesehen haben.“
Finanzhilfe: Summe unklar
Verhandlungen zum Rettungspaket zwischen Griechenland, den europäischen Regierungen und dem IWF begonnen letzte Woche in Athen, nachdem Griechenland dieses Jahr die Regierungen der Eurozone und den IWF um Notfallkredite im Wert von 45 Milliarden Euro gebeten hatte.
Griechenland und Beamte der Europäischen Kommission haben gesagt, die erste Rate der Hilfsgelder werde vor dem 19. Mai gezahlt werden, wenn Athen eine fällige Anleihe von 8,5 Milliarden Euro neu finanzieren muss. Doch als der Druck der Märkte auf Griechenland sich gesteigert hat, sind die Zeichen stärker geworden, dass es viel mehr als 45 Milliarden Euro benötigt, die bereits an Hilfe zugesagt worden sind.
Die Financial Times berichtet, dass der IWF es in Betracht zieht, seine Beteiligung um 10 Milliarden Euro auf 25 Milliarden Euro zu erhöhen.
Der EU-Präsident Herman Van Rompuy sagte, er werde einen Gipfel der Eurogruppe um den 10. Mai herum einberufen, und unterstrich, dass es keine Umstrukturierung der griechischen Schulden geben werde. „Die Verhandlungen gehen voran, sie sind auf dem besten Wege, und es steht außer Frage, die Schulden neu zu strukturieren“, sagte er bei einer Pressekonferenz in Tokio.
Deutschland konzentriert seine Aufmerksamkeit
Jedoch sind die Märkte nicht davon überzeugt, dass die Regierungen den politischen Willen haben, um zu einem Abkommen bezüglich der Hilfe zu kommen und es einzuhalten, besonders in Deutschland, wo die Öffentlichkeit stark dagegen ist, Griechenland zu helfen und wo Angela Merkels Partei eine Niederlage in einer Landtagswahl am 9. Mai riskiert.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und IWF-Vorsitzender Dominique Strauss-Kahn sollten führende deutsche Politiker später am Mittwoch über die neuesten Pläne für die Griechenlandhilfeunterrichten.
Mitglieder von Merkels Christdemokraten (CDU) sagten am Dienstag, dass sie die Frage aufwerfen würden, Investoren zu zwingen, einen Teil der griechischen Schulden zu erlassen.
Kanzlerin Angela Merkel sagte am Mittwoch, dass für Griechenland eine langfristige Lösung und keine Ad-hoc-Verarztung benötigt werde, und dass Athen nicht gestattet werden dürfe, das gleiche Schicksal wie die US Investmentbank Lehman Brothers zu erleiden.
Nach einem Treffen mit dem Vorsitzenden des Internationalen Währungsfonds sprechend, fügte Merkel hinzu: "Wir sind jetzt auf einem guten Weg" zu einer Lösung vom hochverschuldeten Griechenland.
(EurActiv mit Reuters).




