Es wird erwartet, dass Bajnai heute (14. April 2009) offiziell vom ungarischen Parlament ernannt wird.
Bajnai, ein 41-jähriger Geschäftsmann, der zum Politiker geworden ist, übernimmt die Amstsgeschäfte vom unpopulären Ferenc Gyurcsány und hat nur noch ein Jahr bis eine Neuwahl ansteht, um das zentraleuropäische Land mit seinen zehn Millionen Einwohnern aus der Wirtschaftskrise zu steuern.
Den neuen Ministerpräsidenten erwarten eine unbarmherzige Opposition, schlechte Umfragewerte und andauernde öffentliche Kritik über ein gescheitertes Geschäft des Politikers. Er übernimmt eine Volkswirtschaft, die Erwartungen zufolge dieses Jahr um 6 Prozent schrumpfen wird und durch ein Rettungspaket des IWF in Höhe von 25.1 Milliarden Euro am Leben gehalten wird.
Bajnai ist politisch unabhängig und semiprofessioneller Fußballspieler. Er war während des letzten halben Jahres Wirtschaftsminister. Seine öffentliche Popularität als Finanzminister liegt bei 29 Prozent und die Opposition, die ihn als „Klon Gyurcsánys“ bezeichnete, weigert sich sogar sich mit ihm an einen Tisch zu setzen. Der neue Premierminister kann auch kaum auf sichere Unterstützung der regierenden Sozialisten hoffen, die ihn ins Amt wählen sollen. Die Partei befindet sich in Unordnung und kämpft mit schlechten Umfragewerten. Hinzu kommt, dass Bajnai wohl schmerzliche Kürzungen im Sozialbereich und bei Pensionen von ihnen fordern wird.
„Gänse-Gordon”
Bajnais eigene Vergangenheit könnte ihn auch einholen.
Er war während des Untergangs des Geflügelproduzenten Hajdu-Bet im Jahre 2003 im Amt, bei dem hunderte von Produzenten ihre Ersparnisse verloren. Oppositionelle Zeitungen, die in „Gänse-Gordon“ nannten sagten, wer es nicht schaffe, eine Geflügelfirma durch schwierige Zeiten zu bringen, dem sollte kein Land anvertraut werden.
Bajnai ist ebenfalls Torwart des „43. Epitok“, oder „Baumeister“- Sportclubs, ein Fußballverein in der vierten Liga. Er sagt, dass seine Erfahrung als Torwart eine wichtige Erfahrung für ihn bleibe, da es ihm gelehrt habe, wie man in einem Team spiele und dass seine Aufgabe gewesen sei, im Hintergrund zu bleiben und zu verteidigen und nicht seine Aufgaben zu missachten und nach vorne zu stürmen und dort zu versuchen Kunststücke zu vollbringen.
(EurActiv und Reuters)



