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Osteuropäische Staatschefs: Medien Schuld an Panik [DE]

Veröffentlicht 03. März 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Auf dem informellen EU-Gipfel am Sonntag (1. März 2009) haben die Staats- und Regierungschefs der mittel- und osteuropäischen Länder die Berichterstattung der westlichen Medien scharf kritisiert, die ihre Länder als finanzielle „schwarze Löcher“ und große Bedrohungen für die Stabilität der Wirtschaft porträtierten.

Der tschechische Premierminister Mirek Topolànek, der derzeit das Amt des Ratspräsidenten innehat,  sagte, die Berichte über einen anstehenden wirtschaftlichen Totalkollaps der osteuropäischen Staaten seien Teil einer „virtuellen Debatte“, die von den Medien künstlich erzeugt werde und die keinerlei Rechtfertigung in der Realität habe.

Topolànek erwiderte  auf Berichte der sich zunehmend dramatisierenden wirtschaftlichen Bedingungen in Osteuropa, es seien bedeutende Fortschritte gemacht worden und es gebe „sehr gute“ Aussichten für weiteres nachhaltiges Wachstum.

Er fügte hinzu, dass das Ausmaß in  dem Mitgliedstaaten von der Krise getroffen seien,  nicht von ihrer geographischen Lage abhänge, sondern einzig und allein von der nationalen Politik.

Einige osteuropäische Delegationen stimmten dieser Auffassung zu. Der bulgarische Premierminister Sergei Stanishev sagte, das Thema habe man während des Treffens angesprochen und er beschuldigte die westlichen Medien einer düsteren Darstellung der gesamten osteuropäischen Wirtschaft, welche  die Unterschiede zwischen den Ländern nicht in Betracht ziehe.

Führende Medien stellten Mittel- und Osteuropa als Einheit dar. So würden zum Beispiel die Ukraine, andere osteuropäische Staaten, Serbien und andere Balkanländer in einen Topf geworfen, dabei sei aber  jeder Fall unterschiedlich. Jedes Land befinde sich in einer anderen Situation, erläuterte Stanishev.

Tatsächlich kann die Situation in der Ukraine, wo Stahl- und Chemieunternehmen tausende von Arbeitnehmer entlassen und ein Zusammenbruch der Regierung erwartet wird, nicht mit den Situationen in anderen osteuropäischen EU-Staaten verglichen werden.

Der bulgarische Premierminister ergriff die Gelegenheit, um die relativ stabile Situation in seinem Heimatland zu beschreiben, wo die Wirtschaft auch dieses Jahr ein Rekordwachstum erwartet.

Die Situation in Bulgarien, einem EU-Mitglied, mit einer wachsenden Wirtschaft und einem Bankensektor, der wesentlich stabiler sei  als zum Beispiel der Ukrainische, solle getrennt von anderen betrachtet werden. Stattdessen werde in den Artikeln nur von „Osteuropa“ gesprochen und Investoren, die dies lesen, würden ihre Investition noch einmal überdenken. Auch der Kommissionspräsident habe bereits gesagt, dass dies inakzeptabel sei, sagte Stanishev.

In einer kürzlich veröffentlichten Zusammenfassung, die mit Beiträgen aus seinem Netzwerk in Mittel- und Osteuropa zusammengestellt worden war, konnte EurActiv erhebliche Unterschiede zwischen den neuen EU-Mitgliedstaaten feststellen, bei der sich jedes Land einer einzigartigen Situation wiederfindet.  (EurActiv vom 20. Februar 2009).

Tschechien, Polen, Bulgarien und besonders die Slowakei, als jüngstes Mitglied der Eurozone, halten sich in der Krise relativ gut, während Ungarn und Lettland, die bereits Unterstützung vom IWF erhalten haben sich am  anderen Ende des Spektrums befinden.

Auf die Frage, wie der Westen die osteuropäischen Länder unterstützen könne, zögerte der polnische Minister für EU-Angelegenheiten, Mikolaj Dowgielewicz, nicht mir seiner Antwort.

Als erstes sollten die westeuropäischen Medien aufhören, Mittel- und Osteuropa als finanzielles „schwarzes Loch“ zu beschreiben, sagte Dowgielewicz.

Auf die Frage, ob es sich bei der Serie von negativen Artikeln um eine Medienkampagne handele, wollte der polnische Minister jedoch  keinen Kommentar abgeben.

Er sei nicht gekommen, um über Verschwörungstheorien zu sprechen, sagte er.

Hintergrund : 

Im Laufe der vergangenen Woche, hatten westeuropäische Zeitungen in Berichten und Leitartikeln ein düsteres Bild von der Wirtschaftskrise in Osteuropa gezeichnet.

Osteuropäische Länder müssten dieses Jahr kurzfristige Kredite in Höhe von mehr als 400 Milliarden Euro zurückzahlen und einige hätten nicht die Ressourcen dazu, schrieb die Washington Post.

Die pessimistische Nachricht der Newsweek war, dass es zum ersten Mal seit Jahrzehnten nicht nur europäische Banken seien, die Pleite gingen, sondern dieses Mal ganze Länder am Rand der Insolvenz stünden.

Der Economist warnte, der Westen werde die Rechnung begleichen müssen. Der Zusammenbruch des Ostens werde schnell Fragen zur Zukunft der Existenz der  EU aufwerfen.

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