Die US-amerikanischen Banken Citigroup und Morgan Stanley, die schweizerische UBS und die Deutsche Bank sehen sich einem Gerichtsverfahren zum Fall „Parmalat“ gegenüber, welcher als bisher größter Finanzskandal in Europa gilt.
Parmalat wird oft als „Europäisches Enron“ bezeichnet. Das Unternehmen geriet 2003 ins Rampenlicht, als sich herausstellte, dass die Firma seine Konten manipuliert und rund 14 Milliarden Euro Schulden verborgen hatte.
Am 13. Juni 2007 ordnete ein Richter in Mailand an, dass sich die Banken vor Gericht verantworten müssten. Sie sehen sich Schadensersatzforderungen von 300 Millionen Euro und einem Geschäftsverbot in Italien gegenüber. Dreizehn Bankangestellten drohen bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe aufgrund des Vorwurfs, falsche finanzielle Angaben gemacht zu haben.
Der italienische Staatsanwalt ist der Auffassung, dass die Banken Parmalat bei der Einrichtung falscher Konten geholfen hätten, indem fiktive Verträge über den Verkauf nicht existierender Produkte abgeschlossen wurden, die einen Verlust als Gewinn erschienen ließen. In Wirklichkeit habe sich die Firma jahrlang in finanziellen Schwierigkeiten befunden. Die Banken wehren sich gegen sämtliche Vorwürfe.
Die Ankündigung des Gerichtsverfahrens sei eine gute Nachricht für die rund 40 000 Aktionäre des Unternehmens, die auf Entschädigung und Schadensersatz seit dem Zusammenbruch von Parmalat hoffen, sagte der Anwalt der Aktionäre. Er fügte hinzu, die ‚Banken können zahlen’.
Das Verfahren soll im Januar 2008 in Mailand eröffnet werden.
Der Parmalat-Skandal unterstrich die großen Probleme der europäischen Unternehmensethik. Seitdem hat die EU die Umsetzung des Aktionsplans beschleunigt, der im Mai 2003 veröffentlicht wurde und eine Antwort auf den Enron-Fall geben sollte. Der Plan soll das Unternehmensrecht modernisieren und eine verstärkte Regelung gegenüber unternehmen in der EU ermöglichen.



