Polen sieht ein Wachstum des BIP um 1,0 Prozent dieses Jahr voraus, dies würde es zu einer ausgesprochenen Ausnahme in der EU machen, besonders unter den ‘neuen’ EU-Mitgliedsstaaten, die versuchen sich ihren Weg aus der Wirtschaftskrise zu kämpfen (EurActiv vom 18. August 2009).
Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist dagegen pessimistischer, und betonte, dass Polens Wirtschaft wahrscheinlich um 0,7 Prozent schrumpfen werde. Während des zweiten Quartals ist Polens Wirtschaft um 0,3 Prozent gewachsen, laut einer Ankündigung des beigeordneten Finanzministers Ludwik Kotecki, am Montag (17. August 2009).
"Polen und der Slowakei ging es besser als ihren Nachbarn im zweiten Quartal dieses Jahres, verglichen mit dem ersten", so der rumänische Ökonom Aurelian Dochia gegenüber AFP.
Tatsächlich verbessert sich der Ausblick für die polnische Industrie, so die polnische Zeitung Dziennik. Während der Juli als zehnter Monat in Folge einen Rückgang der Produktion verzeichnet hat, waren die Zahlen deutlich geringer als in Juni, so Experten.
Die optimisitischen Vorhersagen behaupten, dass im Juli die industrielle Produktion nur um 1,5% zurückgegangen sei (nachdem sie im vorhergehenden Monat um 4,3 Prozent zurückgegangen war und um ca. 15 Prozent zu Beginn des Jahres). Den pessimistischten veröffentlichten Zahlen zufolge hat der Rückgang 4,3% erreicht. "Dies ergibt einen Mittelwert von 2,9%", berichtete Dziennik.
Tomasz Kaczor, Chefökonom der polnischen Staatsbank BGK wies auf den positiven Einfluss der deutschen und der französischen Erholung hin, die vom Europäischen Statistikamt Eurostat veröffentlicht wurde. (EurActiv vom 18. 08. 2009)
Aber Ludwik Sobolewski, Präsident der Warschauer Börse, sagte gestern (18. August 2009) in einem Interview mit Rzeczpospolita, dass „Gerede über das Ende der Krise nur Marketing sind.“. Dennoch, ist er für den polnischen Markt optimistisch. „Es ist gewiss dass die Finanzkrise, welche Westeuropa berührt hat, uns nicht zu einem späteren Zeitpunkt erreichen wird“, sagte Sobolewski der nationalen Zeitung.
Experten sind davon überzeugt, dass sich die Situation Monat für Monat verbessern wird, berichtete Dziennik. „Im August wird die industrielle Ausbringungsleistung noch größer sein als vergangenes Jahr, da der August vergangenes Jahr ausgesprochen schwach war“, sagte Grzegorz Maliszewski, Chefökonom bei der Millenium Bank.
Marcin Mrowiec, der Chefökonom der Pekao Bank, der von Dziennik zitiert wurde, ist davon überzeutg, dass die Produktionsdynamiken vom vierten Quartal 2009 an positiv sein werden.
Große Wirtschaft und wenige Kredite
Diese Entwicklungen bitten um die Frage: Warum ist die Rezession in Polen weniger dramatisch als in anderen mittel- und osteuropäischen Ländern? In der Folge des Niedergangs der US-Investmentbank Lehman Brothers, wurde der polnische zwischenbankliche Markt eingefroren, wie es anderswo auch geschah, so der IWF.
Aber dank seinem großen Heimatmarkt blieb Polens Wachstum im letzten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009 leicht positiv, berichtet der IWF.
Im Unterschied zu den baltischen Ländern oder Ungarn, ging Polen mit recht gesunden Fundamenten in die Krise. So „war die Regierung in der Lage, antizyklische Politiken umzusetzen“, erklärte der IWF.
Darüber hinaus ist das Kreditsystem in Polen weniger entwickelt als in den USA. „Lassen Sie Kredite sein und lernen Sie ohne künstliche Hilfe zu leben“, um die Rezession zu beenden, schrieb Witold Gadomski in einem Gastkommentar in der Gazeta Wyborcza am Montag (17. August 2009).
“Trotz der Wiederbelegung werden wir in den kommenden Jahren einem Haushaltsdefizit und einer wachsenden Verschuldung entgegentreten müssen”, warnt Gadomski. „Diese Probleme bleiben nicht gleichgültig für die richtige Wirtschaft“, schreibt er. „Es wird eine Reform der öffentlichen Finanzen notwendig sein, des Steuersystems, einem flexiblen Marktlabor, ebenso bessere öffentliche Investitionen, und einer Erhöhung des Ausbildungsniveaus“, schloss er.
Darüber hinaus, um eine erfolgreiche und nachaltige Erholung zu erreichen, braucht Polen endlich, dass seine Nachbarn und Handelspartner ebenfalls aus der Rezession heraus kommen, warnt der IWF.



