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Zentralbanken senken Leitzins auf neuen Tiefststand [DE]

Veröffentlicht 06. März 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE) haben ihren Leitzins gestern (5. März 2009) auf einen historischen Tiefststand gesenkt und deuteten an, dass weitere Zinssenkungen in Zukunft möglich seien, da die Wirtschaft der Eurozone, EZB-Prognosen zufolge, um bis zu drei Prozent schrumpfen könnte.

Die EZB hat den Trend der letzten Monate fortgesetzt und den Leitzins wieder drastisch um 50 Prozentpunkte gesenkt. Der Leitzins liegt jetzt bei 1,5 Prozent, dem niedrigsten Stand seit seinem Bestehen.

Der EZB-Präsident, Jean-Claude Trichet, sagte, er könne weitere Zinssenkungen in der Zukunft nicht ausschließen. Dazu, wann diese Senkungen vorgenommen werden sollten oder wie tief der Zins fallen werde, gab er jedoch keine Auskünfte.

In einem vermutlich mit der EZB abgesprochenen Schritt, senkte die Bank of England ihren Zinssatz von einem auf 0,5 Prozent. Die BoE kündigte außerdem an, sie werde Wertpapiere im Wert von 75 Milliarden britischen Pfund aufnehmen. Dieses Programm solle aus Finanzreserven der britischen Zentralbank finanziert werden. Der Handel auf den Finanzmärkten breche weiter ein, was das schlechte Vertrauen der Anleger und die Probleme des internationalen Kreditsektors widerspiegele, ließ die BoE in einer Pressemitteilung verlauten.

Trichet sagte, die Entscheidung der EZB, den Zinssatz zu senken, sei im Konsens getroffen worden, Analysten vermuten jedoch, dass der EZB-Vorstand tatsächlich geteilter Meinung zum Ausmaß der Senkung gewesen ist. Trichet gab keine Auskunft, ob die EZB andere Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft plane. Maßnahmen die andere Zentralbanken durchgeführt hatten, sind unter anderem die Aufnahme von Anleihen zur Belebung des Marktes.

Auf die Frage, ob der Leitzins jetzt auf seinem absoluten Tiefststand angekommen sei, anwortete Trichet, man habe nicht von vornherein entschieden, dass dies das niedrigste mögliche Zinsniveau sei. Weitere Entscheidungen müssten auf Zahlen und Tatsachen beruhen und er könne weder ausschließen, dass der Zins verändert, noch dass er gesenkt werde.

Der EZB-Entscheidungsträger und Vorsitzende der deutschen Bundesbank, Axel Weber, sprach ebenso von weiteren Zinssenkungen und erklärte im deutschen Fernsehen, die EZB habe in der Tat noch Spielraum den Zinssatz nach unten zu korrigieren.

Da der Finanzmarkt fest mit weiteren Zinssenkungen rechnet, stürzten die Erträge von auf zwei Jahre festgelegten Anleihen auf ein Rekordtief. Der Euro verlor gegen den Dollar an Wert und liegt jetzt bei 1,25 Dollar.

Wirtschaftswissenschaftler rechnen damit, dass der Zinssatz sehr bald auf einen Prozent fallen wird. Eine Umfrage, die die Nachrichtenagentur Reuters nach der Ankündigung Trichets durchgeführt hatte, ergab, dass 58 von 66 Chefökonomen eine weitere Zinssenkung vor Mitte des Jahres erwarten und der Großteil mit einer Senkung um 50 Prozentpunkte im April rechnet.

Düstere Prognosen

Die große Überraschung für die Wirtschaftswissenschaftler war die drastische Korrektur der EZB-Wirtschaftsprognose. Die Zentralbank hatte die Wachstumsprognosen und die Inflationserwartung wesentlich stärker nach unten, bzw. nach oben korrigiert, als erwartet worden war.

Trichet betonte, es werde zwar erwartet, dass die Inflation, sowohl dieses als auch nächstes Jahr, das Stabilitätsziel der EZB von zwei Prozent erfüllen werde. Die Inflation werde zwar nahe an zwei Prozent herankommen, aber darunter bleiben.

Die Inflationsrate sei bedeutend zurückgegangen und werde 2009 und 2010 unter zwei Prozent liegen, sagte Trichet auf einer Pressekonferenz. Diese Zahlen gäben die ernste Situation der Wirtschaftskrise wieder, fügte er hinzu.

EZB-Mitarbeiter prognostizierten, dass die von der Rezession schwer getroffene Wirtschaft der Eurozone dieses Jahr um bis zu 3,2 Prozent schrumpfen könne. Diese Vorhersage ist dreimal pessimistischer als die ungünstigsten, zuvor aufgestellten Annahmen und bedeutend schlechter als die Prognosen der meisten Ökonomen.

Die drastischen Korrekturen an den EZB-Vorsagen zur Entwicklung von BIP und Inflationsrate, machten es wahrscheinlich, dass die EZB ihre Refinanzierungsrate auf einen Prozent senken werde, sagte der Chefökonom der Commerzbank, Jörg Krämer.

Die EZB gab außerdem bekannt, dass die Zentralbanken der Eurozone möglicherweise vor Verlusten von mehr als zehn Milliarden Euro stehen, die durch schwerverkäufliche Wertpapiere der zahlungsunfähig gewordenen Banken, wie den Lehman Brothers, entstanden sind.

Rezession soll sich 2009 verschlimmern Neue Prognosen sahen das BIP, im Vergleich zu vorherigen Schätzung von -1,0 bis 0,0 Prozent, um 2,2 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent schrumpfen. Im Jahr 2009 könnte die Wirtschaft der Union wieder wachsen, sagte die EZB voraus. 

Hierbei schwanken die Prognosen der EZB-Experten zwischen einem Rückgang der Wirtschaft um 0,7 Prozent und einem Anstieg um 0,7 Prozent, was einen Durchschnitt von Null ergibt. Dies stellt eine bedeutende Korrektur nach unten dar, denn noch im Dezember war ein Wachstum von 0,5 bis 1,5 Prozent vorhergesagt worden.

Der aktuelle Rückgang der Inflationsrate, spiegle den ernsten Abschwung der Wirtschaftsaktivität wider, sagte Trichet. Die Inflation der Union betrug im Februar noch 1,2 Prozent, was zwar weit unter dem Ziel der EZB von 2 Prozent aber dennoch nah an dieser Marke lag.

Aktuelle Wirtschaftsdaten hatten weitere Belege für die Einschätzung der EZB geliefert, dass sowohl die globale Nachfrage als auch die der Eurozone nächstes Jahr höchstwahrscheinlich schwach sein würden. Im Verlauf des Jahres 2009, so erwarte man, werde sich die Wirtschaft schrittweise wieder erholen, sagte Trichet.

Offizielle Daten bestätigten am Samstag für das Jahr 2008, die schlechteste bisher verzeichnete Bilanz der europäischen Wirtschaft. Weitere Studien hatten gezeigt, dass sich auch das Vertrauen der Bevölkerung auf einem Tiefpunkt befindet, während in der Union allein im Januar, ein viertel Millionen Stellen verloren gingen. 

(EurActiv mit Information von Reuters)

Hintergrund : 

The European Central Bank (ECB) on 15 January cut eurozone interest rates from 2.5% to 2%, their lowest-ever level, amid a worsening economic crisis and falling inflation (EurActiv 16/01/09).

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am 15. Januar 2009 den Leitzins der EU von 2,5% auf 2% gesenkt. Hiermit erreicht sie einen historischen Tiefststand, mitten in einer sich verschlimmernden Wirtschaftkrise und sinkender Inflation (EurActiv vom 16. Januar 2009).

 Es wurde weitgehend erwartet, dass der Leitzins beim Treffen der EZB am 5. März weiter gesenkt würde (EurActiv vom 05. März 2009)  Eine Senkung ist bereits seit Januar im Gespräch, als der Präsident der EZB Jean-Claude Trichet das Treffen als besonders wichtig für die Leitzinssenkung beschrieb (EurActiv vom 16. Januar 2009).  

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