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Zinssätze in Eurozone auf historisches Tief gesenkt [DE]

Veröffentlicht 16. Januar 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Während sich die Wirtschaftskrise verschärft und die Inflation rückläufig ist, hat die Europäische Zentralbank (EZB) gestern (15. Januar 2009) die Zinssätze in der Eurozone von 2,5% auf 2% und damit auf den niedrigsten Satz seit ihrem Bestehen gesenkt. Der Präsident der EZB Jean-Claude Trichet forderte „mutige Entscheidungen“ und sagte, er sei bereit, bei der Bankenaufsicht eine größere Rolle zu übernehmen. 

Der Rat der EZB hat sich „einstimmig” auf die vierte Zinssenkung in Folge seit Oktober geeinigt. Damals lag der Leitzins der Eurozone bei 3,75%. Nach dem Treffen des Rats in Frankfurt wies Trichet darauf hin, dass der Zinsfuß mit 2% der niedrigste in der Geschichte der EZB sei.

Nach dieser Ankündigung verlor der Euro im Vergleich zum US-Dollar, dem japanischen Yen und dem britischen Pfund an Wert. Auf eine baldige Gleichwertigkeit des Euros und der britischen Währung muss also weiter gewartet werden.

Der Euro wird aber wahrscheinlich in den nächsten zwei Monaten von der erhöhten Stabilität profitieren, denn Trichet ließ wissen, das nächste Treffen des EZB-Rates, bei dem weitere Entscheidungen fallen würden, werde am 5. März 2009 stattfinden. Die Bank of England schloss unterdessen eine weitere Senkung der eigenen Raten nicht aus. Der Zinsfuß in Großbritannien wurde bereits auf 1,5% und damit auf den niedrigsten Wert aller Zeiten gesenkt, wodurch der Kurs des Pfunds fast auf den des Euro gefallen ist (EurActiv vom 14. Januar 2009).

Der Entschluss der EZB, die Zinsen erneut zu senken, berücksichtige den weiter abfallenden Inflationsdruck insbesondere infolge der weiter abgeschwächten Wirtschaftsprognosen, merkte Trichet an. Eurostat hatte kürzlich geschätzt, die Inflation liege in der Eurozone bei 1,6% und damit unter dem Wert von 2%, aber doch nah dran. Der Wert von 2% ist die offizielle Obergrenze der EZB (EurActiv vom 7. Januar 2009).

Trichet beschwichtigte die Ängste vor einer Deflation, räumte jedoch ein, dass die Inflation in den kommenden Monaten wahrscheinlich noch weiter zurückgehen werde und bis Mitte des Jahres voraussichtlich einen sehr niedrigen Stand erreichen werde. Die Bank sagt jedoch, dass die Preise in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 steigen werden.

Die EZB geht davon aus, dass die Nachfrage in der Eurozone für längere Zeit gedämpft bleiben wird, und sagt vorher, dass das Wachstum geringer ausfallen werde, als gedacht. Am 19. Januar 2009 wird die Europäische Kommission ihre vorläufigen Konjunkturprognosen veröffentlichen. Im November sagte sie für 2009 für die 16 Mitglieder umfassende Eurozone ein Wachstum von 0,1%, für Großbritannien und Spanien eine Rezession und für Deutschland, Frankreich und Italien eine Stagnation voraus.

Beim Kampf gegen die Wirtschaftskrise forderte Trichet „Besonnenheit“ von den Mitgliedstaaten der Eurozone, insbesondere mit Blick auf den Beschluss weitgehender Konjunkturmaßnahmen. Die bislang beschlossenen Maßnahmen würden die öffentlichen Haushalte in vielen Ländern der Eurozone stark belasten. 

Bei seiner Pressekonferenz wiederholte der EZB-Präsident, dass er eine zentralisiertere Aufsicht von Banken, die in der EU grenzüberschreitend tätig seien, befürworte. Die EZB könne diese Rolle gut ausfüllen. Das seien keine abstrakten Gedankenspiele, sagte Trichet und meinte, es gebe einen Artikel im Vertrag, der mehr Verantwortung für die EZB bei der Bankenaufsicht fordere (EurActiv vom 15. Januar 2009).

Trichet verwies auf Artikel 105.6 des Vertrags von Nizza, in dem es heißt: „Der Rat kann […] der EZB besondere Aufgaben im Zusammenhang mit der Aufsicht über Kreditinstitute und sonstige Finanzinstitute mit Ausnahme von Versicherungsunternehmen übertragen.“

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