In einer Pressemitteilung von Gazprom hieß es, die rumänische Seite habe ihr Interesse an der Teilnahme am South-Stream-Projekt signalisiert und der russischen Seite die verlangten Informationen übermittelt, die nötig seien, um eine Machbarkeitsstudie zu einem möglichen Streckenverlauf der Pipeline durch Rumänien durchzuführen.
Darüber hinaus sind bisher nur wenige Einzelheiten bekannt. So ist unklar, ob die Pipeline den neuen Plänen zufolge einfach eine Verlängerung von Bulgarien nach Rumänien beinhalten würde oder ob vorgesehen ist, die Pipeline nach Norden zu verlagern und Bulgarien ganz davon auszuschließen. In den vergangenen Wochen war Rumänien stark von Gazprom unter Druck gesetzt worden, sich dem Pipeline-Projekt als mögliche Alternative zu Bulgarien anzuschließen. In Moskau gilt Sofia unter der neuen konservativen Regierung von Ministerpräsident Boiko Borissow als problematischer Partner (EurActiv vom 14. Juli 2009).
"Was Rumänien angeht, möchte ich festhalten, dass kein Land, das sich ernsthaft an South Stream beteiligen will, vom Projekt ausgeschlossen wird", sagte der leitende Direktor für Exporte bei Gazprom, Alexander Medwedew, kürzlich gegenüber der rumänischen Presse.
Rumänien liege strategisch günstig am Schwarzen Meer und könne möglicherweise Ausgangspunkt für den europäischen Teil der Pipeline werden, fügte er hinzu. Bisher war die bulgarische Hafenstadt Warna als Ausgangspunkt vorgesehen (siehe "Hintergrund").
Die von EurActiv gestellte Frage, ob der jüngste Schritt zur Einbeziehung Rumäniens bedeute, dass Bulgarien künftig nur eine Nebenrolle spielen werde, wollte ein Gazprom-Sprecher nicht kommentieren.
Verzögerungstaktik?
In den letzten Tagen hatte sich die russische Presse über die taktischen Manöver Bulgariens bezüglich der Pipeline verärgert gezeigt. Insbesondere reagierte Russland ungehalten auf die parlamentarische Ratifizierung einer Einigung zum Bau von Nabucco, die am 3. Februar erfolgte. Nabucco wird von Moskau als Konkurrenzprojekt gesehen, das die Abhängigkeit mehrerer EU-Länder von russischem Erdgas reduzieren soll. Nach Ungarn ist Bulgarien das zweite Land, das die Nabucco-Einigung ratifiziert hat.
Bulgarien werde versuchen, die Verhandlungen mit Russland über South Stream so weit wie möglich zu verzögern und gleichzeitig Nabucco voranzutreiben, so die Einschätzung von Alexej Makarkin, Generaldirektor des Centre for Political Technologies (CPT), gegenüber der russischen Presse.
"Wenn mit Nabucco alles in Ordnung wäre, würde Bulgarien sofort auf die russische Pipeline verzichten", erklärte Makarkin weiter. Sollten sich bei Nabucco jedoch Probleme ergeben, zum Beispiel weil die Interessenten keine ausreichenden Finanzierungsquellen auftun könnten, werde Bulgarien wieder zu South Stream zurückkehren.
Der Experte wollte nicht ausschließen, dass die russischen Behörden – frustriert über die bulgarischen Verzögerungstaktiken – den geplanten Streckenverlauf der Pipeline ändern könnten, wodurch Sofia leer ausgehen würde.
Bulgarien verlangt zudem, dass das privatwirtschaftliche Unternehmen Overgaz, an dem Gazprom zu 50% beteiligt ist, nicht länger als Zwischenhändler für den Kauf von russischem Erdgas dienen soll.
Ein weiterer Grund für Moskaus Suche nach Alternativen ist das Beharren Sofias darauf, dass Gazprom für den Transit durch Bulgarien höhere Steuern zahlen soll. Dies berichtet Dnevnik, EurActivs Partner in Bulgarien. Auch die russische Tageszeitung Vesti geht davon aus, dass dies bei der Entscheidung Moskaus, das Schwarzmeer-Terminal in Rumänien anstatt in Bulgarien zu errichten, eine Rolle spielte.




