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Bankenaufsichtsbehörden: EU erreicht Einigung

Veröffentlicht 03. September 2010 - Aktualisiert 06. September 2010
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EU-Verhändler konnten sich gestern (2. September) über ein Maßnahmenpaket zur Stärkung der Bankenaufsicht in der EU einigen. Sie gewährten neuen EU-Überwachungsbehörden ein Mandat, das ihnen erlaubt, nationale Behörden zu überstimmen und riskante Finanzprodukte zu verbieten, die für die schlimmste Wirtschaftsflaute, die die Welt in Jahrzehnten erleben musste, weithin gerügt wurden.

Verhandlungsführer der drei EU-Instutitionen (Ministerrat, Europäisches Parlament und Kommission) haben gestern Abend einen politischen Konsens zum Paket erreicht.

Dies sei keine lasche, sondern eine umfassende und intelligente Regulierung, sagte die Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Europäischen Parlament, die britische Liberaldemokratin Sharon Bowles, gegenüber Journalisten.

Ein Europäischer Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) und drei neue europäische Aufsichtsbehörden (Europäische Bankaufsichtsbehörde, EBA; Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung, EIOPA; Europäische Wertpapierbehörde, ESMA) werden Teil der Architektur der finanziellen Aufsicht, die gestern beschlossen wurde.

Das Trio der neuen Finanzaufsichtsbehörden wird durch eine Gruppe ergänzt werden, die der Europäischen Zentralbank (EZB) angeschlossen und nach wirtschaftlichen Risiken Ausschau halten wird, wie der Immobilienblase.

Sie würden nun den Kontrollturm und die Radarschirme haben, die gebraucht werden, um Risiken zu identifizieren, sagte Michel Barnier, der Kommissar für den Binnenmarkt, als er den vier neuen Behörden seinen Segen aussprach.

Doch sagen Beamte, es bleibe abzusehen, wie streng und unabhängig diese Ämter werden.

Verzögerungen

Das Paket hat lange Verzögerungen erfahren müssen, da vor allem in Großbritannien die Angst bestand, dass es die steuerliche Souveränität der Mitglieder beeinträchtigen würde. Auf der anderen Seite warnten andere, es werde nur kosmetische Veränderungen der Finanzaufsicht bewirken.

Dem Deal zufolge, der letzte Nacht geschlossen wurde, werden die drei Aufsichtsbehörden in drei verschiedenen Situationen in der Lage sein, ihre Pendants auf der nationalen Ebene zu überstimmen: wenn der nationale Aufsichtsrat EU-Recht bricht, wenn es eine Uneinigkeit zwischen zwei oder mehr nationalen Aufsichtsräten gibt und wenn ein Notfallzustand von Mitgliedsstaaten verhängt wird.

Die Frage, wer den Notfall im EU-Bankensektor verhängt, stellte einen großen Streitpunkt dar. Alle drei Institutionen kämpften um Mitspracherecht.

Jedoch wurde es klar, dass es der Rat, der die 27 EU-Mitgliedsstaaten repräsentiert, nicht erlauben würde, dass Diskussionen vorangehen, es sei denn die nationalen Regierungen erhielten die ausschließliche Verantwortung, eine Krise zu erklären.

Das Parlament will Ruhm

Europaabgeordnete behaupten, die Tatsache, dass die Aufsichtsbehörden mehr Macht haben werden, als frühere Gespräche es angedeutet hatten, sei ihnen zu verdanken, insbesondere, dass die Behörden bestimmte Finanzprodukte verbieten oder eingrenzen können.

Auf das Beharren des Parlaments würden diese Behörden nun echten Biss bekommen. Da die Risiken der Spekulation auf dem Finanzmarkt allgegenwärtig sei, sei es wichtig, dass ein Vorschlag der Grünen angenommen worden sei, der sicherstelle, dass die Behörden den Handel in risikoreichen Produkten in gewissen Fällen unterbinden können, sagte Sven Giegold, ein deutscher Abgeordneter der Grünen, der mithalf, die Verhandlungen im Parlament zu steuern.

Die Präsidentschaft des ESRB sei auch ein echter Zankapfel gewesen. Der Rat gab dem Parlament hier letztlich nach und erlaubte es dem Vorsitzenden der EZB, auch dem ESRB vorzusitzen.

Man habe hart darum gekämpft, den ESRB dem Präsidenten der EZB zu unterstellen. Dieser sei eine europäische Persönlichkeit, die Unabhängigkeit und moralische Autorität in den Posten mitbringen würde, sowie eine klare Idee seiner Verantwortung gegenüber den Bürgern, sagte Sylvie Goulard, eine französische Liberale Europaabgeordnete.

Die Gesetzgebung wird nun in den nächsten Wochen formell vom Parlament angenommen und soll bis Januar 2011 in Kraft treten.

Zweifel bleiben

Am Rande der Verhandlungen streute ein Beamter der Kommission Zweifel darüber, wie wichtig der ESRB sei und wie effektiv diese Institutionen in Wahrheit sein würden.

Der sei hier nicht das Wichtigste. Das Wichtigste sei, dass die Aufsicht von Banken einer stärkeren gemeinsamen europäischen Einheit unterstellt werde, so der Beamte gegenüber EurActiv.

So viel versprechend die Behörden und ihre jeweiligen Kompetenzen auf dem Papier aussehen mögen, der Beamte zeigte auch auf, dass ihre Leistungskraft davon abhängen werde, wie gut ihre Angestellten seien.

Zusätzlich bemerkten zynische Beobachter, dass derselbe politische Druck und die Streitigkeiten, die zur Zeit zwischen den europäischen Finanzhauptstädten wie London, Frankfurt und Paris herrschen, weiterhin eine Rolle in der Funktionsweise des neuen Systems spielen werde.

Die drei Behören werden in der Tat zwischen diesen drei Handelszentren aufgeteilt werden: Die EBA wird in London ansässig sein, die EIOPA in Frankfurt und die ESMA in Paris.

Das Abkommen soll nun am 7. September von den Finanzministern angenommen und in der zweiten parlamentarischen Plenarsitzung im September zur Abstimmung gestellt werden.

Stellungnahmen: 

Michel Barnier, der Europäische Kommissar für den Binnenmarkt, hieß das Abkommen willkommen. Dank des Fortschritts, der am gestrigen Tag gemacht worden sei, bewege sich die Finanzaufsicht auf eine neue Ebene: eine europäische Ebene. Finanzunternehmen und Finanzmärkte arbeiteten vorwiegend auf europäischer Ebene und nun gebe es vier solide Behörden, die makroökonomische Finanzrisiken prüften und Finanzmärkte, Banken und Versicherungen überwachten.

Das Abkommen, das den Weg für eine neue EU-Finanzarchitektur ebnet, sei ein wichtiger und längst überfälliger Schritt gewesen, um die Regulierung der europäischen Finanzmärkte zu stärken. Das endgültige Ziel müsse es sein, eine Rückkehr zum finanziellen Chaos der letzten paar Jahre zu verhindern. Doch sei eine umfassendere Reform der Regulierung klar notwendig, um dies zu garantieren, so Sven Giegold, grüner Europaabgeordneter aus Deutschland und einer der Berichterstatter des Pakets im Europäischen Parlament.

Giegold kritisierte ein paar Teile des gestrigen Abkommens und sagte, es sei bedauerlich, dass der Rat auf das Recht bestanden habe, einen Notfall zu verhängen. Es sei auch Schade, dass der Rat unlogischerweise und ineffizienterweise darauf bestanden habe, die Behörden in drei Städten anzusiedeln (London, Paris und Frankfurt).

Sie hätten hart darum gekämpft, um den ESRB dem Präsidenten der EZB zu unterstellen, einer europäischen Persönlichkeit, die Unabhängigkeit und moralische Autorität zu dem Posten bringen werde, sowie eine klare Idee seiner Verantwortung gegenüber den Bürgern, sagte Sylvie Goulard, französische Demokratin, Europaabgeordnete und Mitglied der liberalen ALDE-Fraktion, die ebenfalls zu diesem Paket Bericht erstattete.

Ein weiterer Berichterstatter der liberalen ALDE-Fraktion, der Spanier Ramon Tremosa, fügte hinzu, es sei ihrer Ansicht nach essentiell, dass der Präsident der Zentralbank auch dem ESRB vorsitze. Es wäre unvorstellbar gewesen, verschiedene Vorsitzende zu haben, die verschiedenen politischen Drücken unterliegen und verschiedene Ansichten einer so wichtigen Aufgabe haben.

Der spanische MdEP José Manuel Garcia-Margallo, stellvertretender Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses im Europäischen Parlament, sagte, das politische Abkommen werde sicherstellen, dass der „Durchschnittsbürger“ nicht länger für den „unvernünftigen Überschwang“ der Finanzwelt zahlen müsse, und um mehr systemische Finanzkrisen zu verhindern.

Es gebe einen sehr einfachen Grund für die ganze neue Aufsichtsarchitektur, erklärte Garcia-Margallo, der parlamentarische Berichterstatter für die Schaffung der EBA.

Nationale Aufsichtsbehörden hätten keine Rechtsprechung, um Finanzunternehmen zu kontrollieren, die in der Lage seien, ohne Hindernisse in ganz Europa zu arbeiten. Man müsse davon lernen, was passiert sei, und ein System schaffen, das im Falle einer neuen Krise verhindere, dass man so anfällig sei wie bislang.

Die Fraktion der Sozialdemokraten (S&D) im Europäischen Parlament drückte ihre Zufriedenheit mit dem Deal aus, doch sagte sie, es müsse mehr getan werden, um andere Teile des Bankensystems zu regulieren. Indem sie diese neue Architektur entwerfe, nehme die EU einen Riesenschritt vorwärts, um eine erneute Finanzkrise zu vermeiden. Trotzdem müsse mehr getan werden, sagte der deutsche Europaabgeordnete Udo Bullmann, S&D-Sprecher für Wirtschafts- und Währungsfragen.

Sie erwarteten, dass europäische Chefs denselben Ehrgeiz zeigen, um ein Abkommen zur Regulierung von Hedgefonds und Private Equity zu finden, sowie für den Derivatemarkt.

Nächste Schritte: 
  • 7. Sept.: Finanzminister treffen sich in Brüssel, um dem Paket ihren Segen zu geben
  • 20.-23. Sept.: Parlament soll dem Paket während einer Abstimmung in der Plenarsitzung grünes Licht geben
Hintergrund : 

EU-Leader einigten sich im Juni 2009 über die Hauptthemen im Bereich Finanzaufsicht und gaben der Kommission das Mandat, eine Lösung für die gemeinsame Verantwortung für finanzielle Lasten vorzuschlagen, die durch die grenzübergreifende Rettung von Banken entstehen (EurActiv 19.06.09).

Die Kommission schrieb zwei Vorschläge für Finanzaufsicht: einen Europäischen Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) für die Aufsicht im Makrobereich und drei Europäische Aufsichtsbehörden (ESA) für die Überwachung im Mikrobereich.

Die ESA wären in folgende drei Unterkategorien aufgeteilt, um verschiedene Arten von Finanzinstituten zu beaufsichtigen: die Europäische Bankaufsichtsbehörde (EBA), die Europäische Wertpapierbehörde (ESMA) und die Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA).

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