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Brüssel strebt stärkere Regulierung des Terminmarkts an [DE]

Veröffentlicht 20. Oktober 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die Europäische Kommission plant einen „Paradigmenwechsel“ in ihrer Vorgehensweise gegenüber dem Terminmarkt: Nach einem Entwurf, den EurActiv gesehen hat, strebt sie eine strengere Regulierung dieses Sektors an, dem vorgeworfen wurde, er habe die Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkt.

„Die Kommission ist der Ansicht, dass ein Paradigmenwechsel dahingehend stattfinden muss, dass wir uns von der traditionellen Ansicht lösen, dass Derivate finanzielle Instrumente für die professionelle Nutzung sind, für die eine leichte Regulierung als ausreichend angesehen wurde“, so ein Mitteilungsentwurf über Derivate, der diese Woche veröffentlicht werden soll.

Dem Dokument zufolge muss eine zukünftige Regulierung des Sektors „zu einem Ansatz führen, bei dem die Gesetzgebung es den Märkten ermöglicht, Risiken angemessen zu bewerten.“ Eine Reihe gesetzlicher Maßnahmen solle im Laufe des Jahres 2010 vorgeschlagen werden, so das Dokument weiter.

Bevorstehende EU-Regulierungen werden sich zunächst dem Handel mit Derivaten widmen. Brüssel wird Maßnahmen vorschlagen, die den bilateralen Direktaustausch von Derivaten hemmen sollen, einem Handelsbrauch, von dem man glaubt, dass er zu undurchsichtigen Preisen führt und Risiken für die Finanzmärkte als Ganzes erhöht. 

Zentrale Clearingstellen

Um die Sicherheit innerhalb des Sektors zu erhöhen, schlägt die Kommission die Gründung zentraler europäischer Clearingstellen vor. Bei einem solchen System werden Derivate über einen Zwischenhändler abgewickelt anstatt bilateral getauscht zu werden.

Dies kommt der Transparenz zugute und liefert einen größeren Schutz vor Vertragsverletzungen. Die Kommission wird Gesetzgebung vorschlagen um die Arbeit von Clearingstellen in Europa zu vereinheitlichen, damit diese auf europäischer Ebene arbeiten können. Aufsicht und Genehmigung werden der vorgeschlagenen Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde (ESMA) obliegen.

Der Markt für Direktgeschäfte wird zwar nicht verboten werden, aber er wird stärker reguliert und zusätzlichen Kosten unterworfen. Tatsächlich strebt Brüssel offen an, „den Unterschied zwischen den Kapitalgebühren für zentral abgewickelte und bilateral abgewickelte Verträge, den die Kapitalanforderungsrichtlinie (CRD) beinhaltet, zu erhöhen.“

Eine Überprüfung der existierenden Regulierung wird 2010 angestrebt, um dieses aufkommende Interesse zu berücksichtigen, so der Mitteilungsentwurf über Derivate. „Finanzfirmen [die mit Derivaten handeln] müssen eine höhere Summe an Sicherheiten halten, um ihre Risiken zu decken“, fügt der Entwurf hinzu.

Der direkte Handel wird auch substanziellen Berichterstattungspflichten unterliegen, und Handelsdepots werden eingerichtet um dieses Ziel zu erreichen. Es wird erwartet, dass dies die Kosten der bilateralen Geschäfte erhöht und zentralisierte Geschäfte damit attraktiver macht.

Für standardisierte Derivate schlägt die Kommission stattdessen ein obligatorisches zentrales Clearing vor. Jedoch werde auf internationaler Ebene immer noch darüber diskutiert, „welche Verträge als standardisiert für zentrales Clearing angesehen werden können“, so der Dokumententwurf. 

Nächste Schritte: 
  • Okt. 2009: geplante Veröffentlichung einer Mitteilung der Kommission, die ihre Vision für eine Regulierung des Derivat-Sektors darstellt.
  • 2010: Kommission wird eine Reihe legislative Maßnahmen einbringen, um Derivate zu regulieren.
Hintergrund : 

Der Binnenmarktkommissar der EU, Charlie McCreevy, startete eine Untersuchung in den Derivatensektor im letzten Oktober, einen Monat nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, einer Bank, die stark in den 600 Billionen US-Dollar starken globalen Derivatenmarkt involviert war. 

Der Vorteil von Derivaten ist, dass sie es Firmen und Regierungen ermöglichen, ihre Möglichkeiten des Risikomanagements zu erhöhen. Der Nachteil ist, dass sie das Top-Instrument für spekulative Geschäfte sind. Wenn sie auf verantwortungslose Weise benutzt werden, können sie Risiken exponentiell vergrößern und damit die negativen Konsequenzen von Zahlungsausfällen über die Märkte verteilen.

Die Einrichtung zentraler Clearingstellen wird als moderater Weg betrachtet, die systemischen Risiken, die mit Derivaten einhergehen, zu senken. Anstatt privat „über den Ladentisch“ gehandelt zu werden, können sie von einem Zwischenhändler bearbeitet werden. Es wird erwartet, dass dies die Transparenz erhöht und Risiken senkt.

Die Europäische Kommission hat diesen Ansatz in einer Mitteilung vom Juli 2009 klar unterstützt (EurActiv vom 6.Juli 2009)

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