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EU-Debatte über Wirtschaftsindikatoren festgefahren

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Veröffentlicht 15. September 2010, aktualisiert 17. September 2010

Die Chefs der Europäischen Union treffen sich am Donnerstag (16. September) im Rahmen der derzeitigen Diskussionen, die darauf abzielen, als Folge der griechischen Verschuldungskrise ihre Wirtschaftspolitik besser zu koordinieren. Aber trotz einiger Fortschritte in bestimmten Bereichen bleiben die Diskussionen über eine Reihe von Indikatoren, die die Wirtschaftsüberwachung unter den Mitgliedstaaten ausdehnen sollen, festgefahren.  

EU-Diplomaten sagten, es gebe unter Mitgliedsstaaten einen Konsens darüber, dass wirtschaftliche Überwachung erweitert werden solle, damit sie auch die makroökonomische Politik mit einbeziehe.

Während eines Gipfels im Juni stimmten die EU-Chefs der Schaffung einer Art „Anzeigetafel“ zu, um Entwicklungen im Bereich Wettbewerbsfähigkeit besser zu verfolgen und die Früherkennung unhaltbarer oder gefährlicher Trends zu ermöglichen.

Ein „Semester“ Koordinierung der Wirtschaftspolitik wird die Überwachung der wirtschaftlichen und politischen Leitlinien, wie etwa Wachstumsprognosen oder Vorhersagen über Zinssätze, ermöglichen (EurActiv 08.09.10).

Es sollte kein Land geben, das „übertrieben optimistische“ Prognose vorstelle, sagt Zsolt Darvas, ein Forschungsstipendiat des wirtschaftlichen Think-Tanks Bruegel.

Den Vorschlägen der Kommission zufolge, die sie im Mai unterbreitet hat, sollte die „Anzeigetafel zur Wettbewerbsfähigkeit“ makroökonomische Indikatoren wie die Produktivität, die Lohnstückkosten, die Beschäftigung, die Staatsverschuldung und den Kredit an den Privatsektor prüfen, um starke Anstiege der Vermögenspreise oder ein übermäßiges Kreditwachstum frühzeitig erkennen zu können.

Die Zahlungsbilanzungleichgewichte, die man in Irland, Spanien oder den baltischen Ländern habe betrachten können, dürften in der Zukunft nicht erneut vorkommen, ohne dass man auf europäischer Ebene darauf reagiere, erklärte ein Diplomat aus einem der großen EU-Länder.

Der Teufel steckt im Detail

Aber wie es in EU-Verhandlungen oft der Fall sei, stecke der Teufel im Detail. Die Frage sei, welche Indikatoren gewählt werden würden. Die Frage um die gewählten Schwellen bliebe auch offen. Die Kommission habe eine Liste an Indikatoren vorgeschlagen, aber welche am Ende bleiben würden, wisse man nicht. Die Handelsbilanz, die Zahlungsbilanz oder die Arbeitsproduktivität? Die Art von Entscheidungen sei nicht neutral.

Über die Ausführungsart und die Rechtsgrundlage gebe es noch vieles Technische zu tun, fügte der Diplomat hinzu. Und das sei eine Arbeit für Wirtschaftler.

Ein weiterer Diplomat sagte, es gebe eine konvergente Zustimmung, dass man das Verschuldungsniveau in Betracht ziehen solle.

Aber er gestand ein, dass sich die Diskussionen über Indikatoren noch ganz am Beginn  befinden würden. Sie fühlten, dass es noch diskutiert werde, sagte der Diplomat, und erwähnte als mögliche Optionen die Handelsbilanz eines Landes oder das Niveau der Staatsverschulung, die im Besitz ausländischer Länder sei.

Das Thema sei noch nicht auf Ministerialebene besprochen worden, fügte er hinzu, und man erwarte keine derartigen Diskussionen während des Gipfels am Donnerstag.

Früher oder später werde es auf Ministerialebene kommen, sagte er, und suggerierte, es werde bis zum nächsten EU-Gipfel am 28. und 29. Oktober nicht viel Zeit geben, um die Verhandlungen abzuschließen.

Stellungnahmen: 

Zsolt Darvas, ein Forschungsstipendiat des wirtschaftlichen Think-Tanks Bruegel, eklärte EurActiv in einem Interview, dass Europas derzeitiges Problem das sehr hohe Verschuldungsniveau einiger Länder sei, während andere – vor allem im Süden – eine schlechte Wettbewerbsposition hätten.

Die Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit forderten eine unterschiedliche Politik unter den Eurozonenländern und machten eine einheitliche europäische Wirtschaftspolitik, die allen passen würde, zur Zeit unmöglich zu erreichen.

Darvas zufolge seien die Wettbewerbsfähigkeitsprobleme, die einige mediterrane Länder hätten. Dieses Problem könne man nur auf Nationalebene lösen.

Die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen sei eine schwierige Sache und eine höchst innenpolitische Frage. Die europäischen Partner könnten nicht sagen, dass ein Land seine Löhne kürzen solle. Sie könnten auch nicht viel machen, was die Art der verlangten Opfer angehe, um wieder wettbewerbsfähig zu werden.

Das Wichtigste sei es, an Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen, aber um dies zu machen, solle man entweder die Produktivität steigern – was sich leicht sage, aber die Umsetzung sei viel schwerer – oder die Arbeitskosten senken.

Die einzige Lösung sei, dass die Sozialpartner – Regierungen, Gewerkschaften, Angestellte – zusammenkommen und einer Art, dieses dringende Problem zu lösen, zustimmen würden.

In einer Rede beim Europäischen Wirtschaftsgipfel im Juni sagte Herman Van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates, der die 27 Staats- und Regierungschefs der EU zusammenbringt, dass sie Indikatoren, ein Überwachungssystem und sogar ein System für Warnungen und Empfehlungen bringen würden, mit möglichen Sanktionen für Länder, die ihren Pflichten nicht nachkommen würden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Alessandro Leipold, Wirtschaftsberater beim Think-Tank Lisbon Council und ehemaliger geschäftsführender Direktor der Europa-Abteilung des IWF, schrieb in einem E-Kommentar, dass nicht weniger als die Zukunft des Euros in der derzeitigen Debatte um die Wirtschaftsregierung auf dem Spiel stehe.

Die Krise, und insbesondere die Schwierigkeiten der EU, um mit der griechischen Situation umzugehen, habe notwendigerweise die Aufmerksamkeit darauf gelenkt und eine umfassende Definition der Ziele, Vorgangsweisen und Instrumente, die für eine effektive Wirtschaftsregierung benötigt würden, ermöglicht, schrieb er.

Neun Vorschläge für eine stärkere Wirtschaftsregierung bietet der E-Kommentar, die vor der Krise „politisch undenkbar“ gewesen seien, insbesondere was makroökonomische Ungleichgewichte und Entwicklungen in der Wettbewerbsfähigkeit betreffe.

Zusammengefasst könne man sagen, dass, obwohl die ersten Prinzipien eine Neueröffnung des Vertrags idealerweise benötigten, man vieles innerhalb seiner Grenzen machen könne, wenn man ihn gut benutze – damit eine gute Krise nicht ungenutzt bleibe, schreibt er.

Nächste Schritte: 
  • 16. Sept. 2010: EU-Sondergipfel, um den Van Rompuy-Bericht zu debattieren und Entscheidungen über die Wirtschaftsregierung auszuarbeiten
  • 29. Sept. 2010: Kommission soll Vorschläge unterbreiten, um unter dem revidierten Stabilitäts- und Wachstumspakt Haushaltsverletzer zu sanktionieren
  • 30. Sept.-1. Okt.: Informelles Ecofin-Treffen und Treffen der Van Rompuy-Task-Force
  • 28.-29. Okt. 2010: EU-Gipfel zur Annahme der endgültigen Pläne zur gründlichen Überprüfung der Wirtschaftsregierung der EU
Van Rompuy: 'We need indicators'
Hintergrund : 

In Vorschlägen, die im Mai unterbreitet wurden, hat die Europäische Kommission empfohlen, die Haushaltsüberprüfung auf die makroökonomische Politik auszuweiten und zu vertiefen, und sagte, dass makroökonomische Ungleichgewichte mit der Zeit schwerwiegende Folgen haben könnten.

Die Maßnahme wurde als Antwort auf die griechische Verschuldungskrise vorgeschlagen, die einen noch nie da gewesenen Spekulationsangriff auf den Euro ausgelöst hatte.

Eine „Anzeigetafel zur Wettbewerbsfähigkeit“ würde makroökonomische Indikatoren wie die Produktivität, die Lohnstückkosten, die Beschäftigung, die Staatsverschuldung und den Kredit an den Privatsektor prüfen, um starke Anstiege der Vermögenspreise oder ein übermäßiges Kreditwachstum frühzeitig erkennen zu können.

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