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Stellenangebot registrierenDie 27 EU-Mitgliedstaaten haben im Vorfeld des Weltfinanzgipfels in Washington, bei dem nächste Woche eine umfassende Überarbeitung des Weltfinanzsystems nach der Kreditkrise eingeleitet werden wird, eine gemeinsame Position ausgearbeitet.
Der französische Präsident und derzeitige EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy hat nach seiner Ankündigung, eine Debatte über „die Neugründung des Kapitalismus“ nach dem Bankrott großer Banken in den USA und Europa initiieren zu wollen (EurActiv vom 22. Oktober 2008), das außerordentliche EU-Gipfeltreffen einberufen.
Investoren hoffen, dass der G20-Gipfel das globale Finanzsystem festigen wird, zu einer Zeit, da die Wirtschaft auf eine Rezession zusteuert, die kleine Unternehmen am härtesten treffen würde (EurActiv vom 15. Oktober 2008).
Nach einem Treffen mit dem scheidenden US-Präsident George W. Bush in Camp David im Oktober haben Sarkozy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso Pläne für aufeinander folgende Gipfeltreffen vorgelegt, um Lösungen für die Finanzkrise zu diskutieren.
Die EU-Staats- und Regierungschefs haben der Idee bereits bei ihrem regulären Gipfeltreffen am 15. Oktober zugestimmt (EurActiv vom 16. Oktober 2008).
Bei einem informellen Gipfeltreffen am 6. November 2008 in Brüssel haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs auf gemeinsame Grundsätze zur Errichtung eines neuen internationalen Finanzsystems geeinigt und gefordert, dass der Gipfel in Washington am 15. Oktober zu „konkreten und raschen Beschlüssen“ führt.
Die Maßnahmen, auf die man sich in Washington einigen werde, sollten innerhalb von 100 Tagen nach dem 15. November umgesetzt werden, sagten die Staats- und Regierungschefs. Das ließe dem neuen, designierten US-Präsidenten Barack Obama nur einen Monat Zeit, um sich einzubringen.
In einer gemeinsamen Erklärung
, einigten sich die 27 Staats- und Regierungschefs folgende Vorschläge mit nach Washington zu nehmen:
Die EU-Staats- und Regierungschefs einigten sich außerdem darauf, neben dem Kampf gegen die Finanzkrise auch Maßnahmen gegen die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation vorzunehmen. Die Kommission wurde damit beauftragt, im Vorfeld des nächsten EU-Gipfels im Dezember in diese Richtung gehende Vorschläge vorzulegen.
„Die Geschlossenheit der Europäischen Union muss auch in einer wirksamen Abstimmung bei den wirtschaftspolitischen Maßnahmen zum Ausdruck kommen, die von den einzelnen Mitgliedstaaten getroffen werden, um die gegenwärtige Lage zu meistern“, so ein wichtiger Paragraph der gemeinsamen Erklärung.
In den vergangenen Tagen sind Differenzen bezüglich der Maßnahmen, mit denen die EU einer möglichen Rezession in Europa begegnen sollte, offensichtlich geworden. Bei ihrem Treffen am Dienstag (4. November 2008) ist es den Finanzministern nicht gelungen, sich bei dieser Frage zu einigen. Stattdessen haben sie eine Entscheidung auf später verschoben (EurActiv vom 5. November 2008).
Spanien wird an G20-Gipfel in Washington teilnehmen
Darüber hinaus ist es den EU-Staats- und Regierungschefs gelungen, eine Lösung für Spaniens Ankündigung, auch an dem G20-Gipfeltreffen in Washington, zu dem nur vier EU-Länder eingeladen wurden – Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien – teilnehmen zu wollen, zu finden. Frankreich stehen eigentlich zwei Sitze beim G20-Treffen zu, einer als Inhaber der sechsmonatigen EU-Ratspräsidentschaft und der andere als große Industrienation. Sarkozy kam dem Wunsch des spanischen Ministerpräsidenten nach und gestand den ersten Sitz Spanien zu.
Ein optimistischer und sichtbar zufriedener Nicolas Sarkozy stellte die Ergebnisse vor und nannte sie „stark“ und „ehrgeizig“. Der französische Präsident und derzeitige EU-Ratsvorsitzende räumte ein, dass die Diskussionen nicht einfach gewesen seien, da einige Mitgliedstaaten auf den „einen oder anderen“ Aspekt des Dokuments beharrt hätten, das die ungewöhnliche Bezeichnung „Terms of reference – Vereinbarter Text“ trägt. Er nannte die Diskussion „reichhaltig, lang, intensiv, ungewöhnlich, informell und frei“.
Von Schweden wird berichtet, dass das Land Einwände gegen den Wortlaut des endgültigen Textes habe. Diplomaten sagten EurActiv, dass das skandinavische Land, das nicht zur Eurozone gehört, tatsächlich versucht habe, sich ein Einsichtsrecht („droit de regard“) zu verschaffen, das jedoch letztendlich abgelehnt wurde.
Kommissionspräsident José Manuel Barroso lobte Sarkozy dafür, sich erfolgreich für einen Konsens über eine gemeinsame EU-Position eingesetzt zu haben. Er sagte, dass der Gipfel in Washington „nicht scheitern darf“ und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass es ein „historischer Gipfel“ werde.
Europa werde bei dem Gipfel in Washington eine gemeinsame klare und starke Botschaft übermitteln. Er freue sich darauf, mit Ratspräsident Sarkozy und anschließend mit der tschechischen Ratspräsidentschaft zusammenzuarbeiten und auf dem bereits Erreichten aufbauen. „Der Gipfel in Washington darf nicht scheitern“, sagte Barroso. „Es muss ein historischer Gipfel werden.“ Es müsse nicht nur um allgemeine Grundsätze, sondern um konkrete Entscheidungen gehen. Man habe sich darauf geeinigt, dass diese Reformen des internationalen Finanzsystems unter die weitaus größeren Herausforderungen des 21. Jahrhunderts eingereiht werden müssten, denen man entschlossen begegnen wolle: die Ernährungssicherheit, die Armutsbekämpfung, der Kampf gegen den Klimawandel und die Förderung des Freihandels durch einen raschen Abschluss der Doha-Runde.
Der britische Premierminister Gordon Brown sprach von einem „entscheidenden Moment für die Weltwirtschaft. Die Entscheidungen, die wir nun treffen, werden die Welt für Jahrzehnte oder länger prägen.“ Den Menschen sei nun klar, dass auf die globale Krise nur eine globale Lösung gefunden werden könne, sagte er Journalisten in Brüssel.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte nach dem Gipfel: „Wir brauchen mehr Transparenz für die Finanzmärkte und wir brauchen auch stärkere Institutionen, die global agieren.“ „Es darf keine unregulierten Märkte oder Instrumente geben“, fügte sie mit Blick auf die Rating-Agenturen hinzu.