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EU-Kredit in Höhe von 6,5 Milliarden Euro soll Ungarn aus der Krise helfen [DE]

Veröffentlicht 29. Oktober 2008 - Aktualisiert 24. Dezember 2010
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Das krisengeschüttelte Ungarn sowie andere osteuropäische Länder, die nicht der Eurozone angehören, würden erstmals von einer EU-Finanzhilfe von bis zu 12 Milliarden Euro profitieren können, um die anhaltende Finanzkrise anzugehen zu können, kündigte die Kommission an. Der französische Präsident und derzeitige EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy wird bei einem EU-Gipfeltreffen nächste Woche vorschlagen, die Obergrenze auf 20 Milliarden Euro anzuheben. Das Geld soll durch die Ausgabe von EU-Anleihen auf den Finanzmärkten beschafft werden.

Die Unterstützung Ungarns durch die EU kommt gleichzeitig mit einem größeren Rettungsplan in Höhe von 12,5 Milliarden Euro, auf den sich Ungarn und der Internationale Währungsfonds (IWF) geeinigt haben, um die wirtschaftliche Stabilität des Landes wiederherzustellen. Ungarn wurde von der anhaltenden Finanzkrise schwer getroffen. Eine weitere Milliarde Euro wird von der Weltbank bereitgestellt.

Die Europäische Kommission sei bereit, Ungarn einen Kredit über 6,5 Milliarden Euro zu gewähren, so die Kommission am Mittwoch (29. Oktober 2008) in einer Erklärung. Weiter wurde erklärt, die Festlegung konkreter Modalitäten werde in Kürze gemeinsam mit den ungarischen Behörden zum Abschluss gebracht.

Die Pläne sehen vor, dass die Kommission Geld von den Märkten leiht, indem sie EU-Anleihen ausgibt. Das so aufgebrachte Geld soll dann an Ungarn verliehen werden, ohne dass der EU-Haushalt belastet wird. Dies ist nach Artikel 119 des Vertrags möglich.

Es ist das erste Mal, dass Brüssel dieses Instrument anwendet, um einem EU-Staat zu helfen (siehe Hintergrund). Bei diesem Verfahren ist für die ausstehenden Kredite eine Obergrenze von 12 Milliarden Euro vorgesehen. Finanzielle Unterstützung dieser Art können nur EU-Länder beantragen, die nicht Mitglieder der Eurozone sind.

Das Geld wird auf dem Finanzmarkt im Namen der Europäischen Gemeinschaft beschafft. Die Regelung des Verfahrens erlaubt es der Kommission, direkt „bis zu 4 Milliarden“ Euro in Form von EU-Anleihen auszugeben. Die Laufzeit kann zwischen drei Monaten und 30 Jahren betragen. Der Umfang spiegele eine realistische Einschätzung des kurzfristigen Finanzbedarfs wider und könne auf Initiative der Kommission in kurzer Zeit ausgeweitet werden, so die EU-Kommission. 

Goldman Sachs und die Deutsche Bank sind dafür verantwortlich, die Anleihen an europäische und internationale Investoren zu vergeben. 

Sarkozy schlägt Obergrenze von 20 Milliarde Euro vor

Obwohl die Obergrenze von 12 Milliarden Euro noch nicht erreicht wurde, wird zunehmend wahrscheinlicher, dass andere osteuropäische Länder die Möglichkeit in Erwägung ziehen werden, um finanzielle Unterstützung zu bitten.

Nicolas Sarkozy, der französische Präsident und derzeitige EU-Ratsvorsitzende, erklärte, er werde am 7. November 2008 bei einem EU-Gipfel den Vorschlag unterbreiten, die Obergrenze auf 20 Milliarden Euro anzuheben.

Er werde am 7. November 2008 vorschlagen, dass die Europäische Union selbst, die zur Sicherung der Liquidität bis zu einem gewissen Umfang und zur Unterstützung einer bestimmten Anzahl von Staaten über 12 Milliarden verfüge, diese Summe auf 20 Milliarden Euro erhöhen solle, um die Möglichkeiten der EU zu erhöhen, auf die Finanzkrise zu reagieren, erklärte Sarkozy Reuters zufolge.

Im Gespräch mit EurActiv bestätigte ein EU-Beamter, dass es der Kommission möglich sei, die Gesetzgebung zu ändern und die Obergrenze anzuheben. 

EU-Anleihen auch für andere Verwendungszwecke

Eine Verwendung von EU-Anleihen könnte noch weitere politische Auswirkungen haben, wenn auch in begrenztem Maße. Sollten sich die Mitgliedstaaten darauf einigen, Anleihen auszugeben, um Ländern wie Ungarn finanzielle Unterstützung anbieten zu können, würden sie möglicherweise auch einer Verwendung dieses Instruments für andere Zwecke offener gegenüberstehen. So könnten beispielsweise die Finanzierung der EU-Infrastruktur und anderer wichtiger EU-Projekte ins Auge gefasst werden, wir kürzlich von Mitgliedern des Europäischen Parlaments vorgeschlagen (EurActiv vom 25. September 2008). 

Hintergrund : 

Das Prinzip, sich Geld auf den Finanzmärkten im Namen der Europäischen Gemeinschaft zu leihen, wurde zuvor genutzt, um Drittstaaten, besonders vor der Erweiterungsrunde im Jahr 2004, Hilfe zukommen zu lassen. Der Kosovo, Moldawien und Georgien werden derzeit durch EU-Anleihen auf den Finanzmärkten finanziell unterstützt. 

Im Januar 1993 wurde Italien, einem Mitglied der Europäischen Gemeinschaft (dem Vorläufer der Europäischen Union) ein Kredit in Höhe von acht Milliarden ECU gewährt, um seine Zahlungsbilanz auszugleichen. Seitdem hat kein Mitgliedstaat Finanzmittel in dieser Form erhalten. 

Die Idee, Geld mittels EU-Bonds zu leihen, wurde erstmals vom damaligen Kommissionspräsidenten Jacques Delors in seinem Plan für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung aus dem Jahr 1993 vorgebracht. Ursprünglich beabsichtigte Delors, dass EU-Anleihen zur Finanzierung des europäischen Haushalts genutzt werden. Die meisten Mitgliedstaaten lehnten diese Idee allerdings ab, da sie befürchteten, dass dies ihren Beitrag zum Gemeinschaftshaushalt letztlich erhöhen würde. 

Die EU hat geliehenes Geld genutzt, um in einigen Fällen Projekte zu finanzieren, obwohl die Beträge, die in diesem Rahmen bereitgestellt wurden, gering waren. Ein neues Gemeinschaftsinstrument wurde beispielsweise von Ende der 70er-Jahre bis Anfang der 80er-Jahre verwendet, um Regionen zu helfen, die von den Erdbeben in Italien und Griechenland betroffen waren. Italien hat vor kurzem vorgeschlagen, europäische Anleihen zur Finanzierung wichtiger EU-Projekten zu nutzen. Die Idee erhielt jedoch nur wenig Unterstützung (EurActiv vom 25. September 2008).

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